Die Ansprache von US-Präsident Trump am 1. April zum Iran-Krieg kündigte zwei bis drei weitere Wochen heftiger Militärangriffe an, was die zweitägige Erholungsrallye an den Aktienmärkten sofort beendete und den Ölpreis auf über 110 USD pro Barrel steigen ließ.
Durch die Rede wurden US-Aktien klar in Gewinner und Verlierer eingeteilt. Analysten von BeInCrypto haben drei Aktien identifiziert, bei denen der Einfluss am deutlichsten war. Auf dieser Liste steht ein Energieunternehmen, das vom erhöhten Kriegsaufschlag profitiert.
Die Liste enthält zudem zwei Unternehmen, die vom Ölpreis abhängen, deren Erholungen jedoch innerhalb weniger Stunden gestoppt wurden. Die Auswahl basiert auf Kursreaktion, Chart-Struktur und darauf, wie direkt das jeweilige Geschäftsmodell an nachhaltige Ölpreise geknüpft ist.
APA Corporation (APA) gehört zu den US-Aktien, die am direktesten vom Iran-Konflikt profitieren. Als reines Öl- und Gasexplorations-Unternehmen kommt jeder Anstieg beim Rohölpreis fast direkt bei APA als Gewinn an.
Trumps Ankündigung, die Angriffe fortzusetzen, und seine Drohung, Irans Energieinfrastruktur ins Visier zu nehmen, deuten auf anhaltende Lieferunterbrechungen hin. Das stützt hohe Rohölpreise auf absehbare Zeit.
Der Tages-Chart zeigt, dass APA seit Anfang Januar rund 96% zugelegt hat, wobei ein klares Pole-und-Bull-Flag-Muster entstanden ist. Seit dem 30. März konsolidiert der Kurs innerhalb der Flagge.
Der Chaikin Money Flow (CMF), als Maßstab für institutionellen Kauf- und Verkaufsdruck, erreicht während der Rallye laufend höhere Hochs und liegt aktuell bei 0,18.
Dieser anhaltende institutionelle Zufluss bestätigt, dass große Investoren die Bewegung unterstützen und nicht dagegenhalten.
Am 2. April erreichte der APA-Kurs mit 43,93 USD ein Hoch, konnte aber die obere Trendlinie der Flagge nicht überwinden. Ein klarer Schluss über 43,98 USD würde den Ausbruch bestätigen und zunächst ein Ziel bei 49,80 USD anzeigen. Bei anhaltender Rallye könnten danach 55,63 USD und 65,06 USD angestrebt werden.
Ein Rückgang unter 40,38 USD würde die Flagge vorzeitig beenden. Eine vollständige Aufhebung der bullischen Struktur würde aber erst bei einem Fall unter 31,56 USD erfolgen.
Carnival Corporation (CCL) steht am umgekehrten Ende der Ölpreis-Kette. Als größter Kreuzfahrtanbieter der Welt ist Treibstoff einer der höchsten variablen Kostenpunkte.
Steigende Ölpreise verringern die Margen direkt. Anhaltende geopolitische Unsicherheit mindert zudem die Bereitschaft der Kunden, Reisen zu buchen, und führt so zu einer doppelten Belastung, die nur wenige Branchen so stark trifft.
Seit dem Hoch von 34,05 USD am 6. Februar befindet sich die Carnival-Aktie in einem bärischen Abwärtstrend auf Tagesbasis. Im vergangenen Monat fiel der Kurs rund 10%, während der Ölpreis anstieg.
Von Mitte November bis Ende März bildete sich eine bullische Divergenz aus: Der Kurs setzte ein tieferes Tief, während der Relative Strength Index (RSI), ein Momentumindikator, ein höheres Tief markierte.
Diese Divergenz deutete auf nachlassendes Verkaufs-Momentum hin und löste einen Kursanstieg aus, als Anfang der Woche Hoffnungen auf eine Entspannung die Märkte bewegten.
Durch Trumps Ansprache drehte sich das Bild jedoch. Die Erholung stockte, der Kurs fiel am 2. April um 3,54%, als die Aussicht auf zwei bis drei Wochen Krieg die Ängste vor anhaltenden 110 USD je Barrel Öl wieder belebte.
Die bullische Divergenz besteht technisch zwar weiterhin, eine Erholung bleibt daher möglich, falls neue Entspannungshoffnungen aufkommen. Solange der Ölpreis aber hoch bleibt, überwiegt kurzfristig das Abwärtsrisiko.
Ein Anstieg über 26,77 USD würde das Momentum wieder drehen. Bei 30,13 USD würde die Struktur neutral werden. Auf der Unterseite bietet 23,80 USD eine unmittelbare Unterstützung.
Ein Bruch unter 21,45 USD würde einen Musterbruch bestätigen und den Weg in Richtung 20,19 USD sowie 18,41 USD öffnen.
United Airlines Holdings (UAL) erlebte diese Woche vermutlich die heftigsten Kursschwankungen unter den US-Aktien. Flugzeugtreibstoff macht in der Regel 25 bis 35% der Betriebskosten einer Airline aus, weshalb Airline-Aktien besonders empfindlich auf Ölpreisentwicklungen reagieren.
Wenn Öl teurer wird, sinken die Margen sofort, da Fluglinien die gestiegenen Treibstoffkosten nicht schnell genug an Passagiere in Form von Aufschlägen weitergeben können.
Vom 27. März bis zum 1. April sprang der UAL-Kurs um 14% nach oben. Entspannungshoffnungen drückten den Ölpreis nach unten und stützten die gesamte Reisebranche. Die Rallye führte zudem dazu, dass der Kurs wieder über den 20-Tage-Exponentiellen-Gleitenden-Durchschnitt (EMA), einem kurzfristigen Trendindikator mit höherer Gewichtung für die aktuellsten Kurse, bei 93,71 USD notierte.
Die Rede von US-Präsident Trump hat die Erholung zunichtegemacht. UAL ist etwa um 8% von seinem Hoch am 1. April gefallen und schloss am 2. April bei 92,21 USD, was einem Tagesverlust von 3% entspricht. Der Rückgang hat die Aktie wieder unter den 20-Tage-EMA gedrückt, was wichtig ist, da UAL beim letzten Zurückgewinnen dieses Niveaus am 3. Februar anschließend eine 9%-Rallye erlebt hat. Geht diese Unterstützung jetzt verloren, fehlt dieser kurzfristige Boden.
Der übergeordnete Schaden ist massiv. Seit Anfang Februar ist UAL um 28% gefallen, und zwar direkt von 118,88 USD auf das Tief am 30. März bei 84,62 USD. Der Rückgang wurde ausschließlich durch Sorgen um geringere Margen aufgrund hoher Ölpreise ausgelöst.
Gibt es am Montag bei der Markteröffnung positive Entwicklungen, könnte ein Zurückerobern von 93,71 USD den 20-Tage-EMA als Unterstützung zurückbringen.
Oberhalb davon sind 97,71 USD und 101 USD die nächsten Ziele. 101,75 USD stimmen zudem nahezu mit dem 50-Tage- und 100-Tage-EMA überein. Ein Anstieg über 101,75 USD würde UAL erstmals seit Anfang Februar wieder über alle wichtigen gleitenden Durchschnitte bringen.
Bleibt allerdings der Ölpreis über 110 USD und verlängert sich der Kriegszeitraum, bleibt 84,62 USD das Mindestniveau. Ein Bruch dieses Niveaus würde weitere Kursverluste möglich machen.