Die Märkte reagieren bereits auf steigende geopolitische Risiken. Einige Polymarket-Insider, die erfolgreich auf den Beginn des Iran-Kriegs gesetzt haben, investieren jetzt massiv auf US-Soldaten im Einsatz in Iran.
Nun stellen sich Investoren eine deutlichere Frage: Was passiert mit den Finanzmärkten, wenn sich der Iran-Konflikt zu einer Situation wie im Jahr 2003 im Irak entwickelt? Die Geschichte bietet einen Rahmen, liefert jedoch keine einfache Antwort.
So reagierten Finanzmärkte auf den Irak-Krieg 2003
Untersuchungen zur Invasion im Irak 2003 zeigen, dass die US-Aktienmärkte bereits vor dem offiziellen Kriegsbeginn viel Angst eingepreist hatten.
Mit anderen Worten: Die Märkte hatten einen klaren „Kriegabschlag”, weil Investoren sich Sorgen machten, wie schlimm der Konflikt werden könnte.
Sobald die Invasion begann und sich die schlimmsten Befürchtungen nicht sofort bewahrheiteten, löste sich dieser Abschlag langsam auf.
Im betrachteten Zeitraum stieg der S&P 500 um etwa 3,8 bis 4 %, während der Ölpreis um rund 6,5 bis 7 USD fiel. Das deutet darauf hin, dass die Märkte weniger auf den Krieg selbst, sondern vielmehr darauf reagierten, dass Unsicherheit zurückging.
Die gleiche Untersuchung zeigte zudem, dass ein risikofreier Referenzzins auf Basis von US-Treasurys um etwa 40 Basispunkte fiel, als die Wahrscheinlichkeit eines Kriegs stieg.
Das unterstützte Aktien, weil niedrigere Zinsen grundsätzlich die Bewertungen begünstigen. Gleichzeitig zeigt es, dass Investoren weiterhin nach Sicherheit suchten.
Auch die Entwicklung einzelner Sektoren folgte einem bekannten Muster. Energiekonzerne und Verteidigung profitierten in der Regel zuerst von Kriegsangst, weil Investoren mit höheren Gewinnen im Ölbereich und mehr Militärausgaben rechneten.
Im Gegensatz dazu hängen Sektoren wie Finanzwerte und Technologie meist stärker von Zinsbewegungen und Wachstumsprognosen ab.
Russland und Ukraine: Unerwartete Makro-Entwicklung 2022
Die Marktreaktion im Jahr 2022 sah ganz anders aus. Am Tag, als Russland Bodentruppen in die Ukraine entsandte, schwankten US-Aktienkurse stark, schlossen aber am Ende im Plus.
Der S&P 500 legte um etwa 1,5 % zu, während der Nasdaq um rund 3,3 % anstieg. Das zeigt, wie schnell Märkte drehen können, wenn zuvor zu bärisch positioniert wurde.
Zugleich sank die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe um etwa 3 Basispunkte auf rund 1,97 %. Das zeigte, dass Investoren wegen wachsender Unsicherheit verstärkt in Anleihen wechselten und sich mehr um das Wachstum sorgten.
Der Bitcoin verhielt sich hingegen auffällig anders. Im ersten Schock brach er stark ein, erreichte ein Ein-Monats-Tief und verlor dabei rund 7 % im Zuge der Schlagzeilen über die Invasion.
Das ist bedeutsam, weil der Bitcoin so wie ein Risikoasset und nicht als sicherer Hafen gehandelt wurde, insbesondere in Zeiten maximaler Unsicherheit.
Auch Daten zu Krypto-Fondsflüssen aus diesem Zeitraum zeigen eine starke, kriegsbedingte Volatilität in digitalen Asset-Produkten.
Was diese Ereignisse über Bitcoins „War Beta“ verraten
Beide Beispiele führen zu einer wichtigen Erkenntnis. Der Bitcoin verhält sich in der ersten Phase eines größeren Kriegsschocks meistens nicht wie Gold.
Stattdessen neigt er dazu, wie ein Hochrisiko-Asset zu handeln, gerade in den ersten 24 bis 72 Stunden, in denen Schlagzeilen die Märkte bewegen.
Aktien können hingegen manchmal schneller als erwartet wieder steigen, auch in Kriegszeiten. So geschah es 2003, als Unsicherheit nachließ, und erneut im Jahr 2022, als der erste Ausverkauf zu groß wurde.
Das sorgt beim Bitcoin für eine nicht eindeutige Ausgangslage. Wenn ein neuer Konflikt offen erscheint, können Ölpreise hoch bleiben, Inflationssorgen zunehmen, Anleihezinsen steigen und Liquidität knapper werden. Das ist in der Regel schlecht für spekulative Assets wie den Bitcoin.
Erscheint der Konflikt für den Markt kurz und eingedämmt, könnte der Bitcoin zunächst fallen und dann in einer Entlastungsrallye wieder anziehen.
Selbst dann hängt eine Erholung jedoch von einem Punkt ab: ob Zinsen und die allgemeinen Finanzbedingungen sich stabilisieren.
Entscheidender Faktor: Renditen, nicht Kriegsmeldungen
Der größte Einfluss geht nicht direkt vom Krieg selbst aus, sondern davon, wie sich Krieg auf Inflation und Zinssätze auswirkt.
Eine Bodenoffensive würde vermutlich:
- den Ölpreis nach oben treiben
- Inflationserwartungen erhöhen
- Zinsen steigen lassen
- geplante Zinssenkungen der US-Notenbank verzögern oder verhindern
Diese Kombination verringert die Liquidität auf allen Märkten.
Bitcoin reagiert sehr empfindlich auf Änderungen der Liquidität.
Wie geht es weiter: Drei mögliche Szenarien
Falls die USA in den Iran einsteigen, hängt die Reaktion von Bitcoin davon ab, wie der Markt das Ereignis deutet.
1. Kurzer, begrenzter Konflikt: Der Bitcoin-Kurs fällt zunächst, stabilisiert sich dann oder steigt wieder, sobald die Unsicherheit nachlässt.
2. Länger andauernder Bodenkrieg: Bitcoin steht vor anhaltendem Abwärtsdruck, da die Renditen hoch bleiben und die Liquidität weiter abnimmt.
3. Volle Eskalation: Ein stärkerer Ausverkauf wird wahrscheinlicher, ausgelöst durch anhaltendes Inflationsrisiko und globale Risiko-Vermeidung.
Fazit
Bitcoin reagiert auf Krieg nicht so, wie viele es erwarten.
Bitcoin reagiert auf Liquidität, Zinsen und makroökonomischen Druck. Wenn eine Bodenoffensive die Renditen steigen lässt und Lockerungen verzögert, bleibt der kurzfristige Ausblick für Krypto bärisch.
Im Moment ist das Signal eindeutig: Das Risiko einer Eskalation nimmt zu und der Bitcoin-Kurs handelt entsprechend.