Vanguard stellt erstmals einen Leiter für digitale Vermögenswerte ein, um für Privatkunden eine mehrjährige Roadmap für Krypto zu entwickeln. Der Vermögensverwalter mit etwa zwölf Billionen USD verwaltetem Vermögen plant weiterhin nicht, einen eigenen Bitcoin-ETF aufzulegen.
Die Stelle erschien am 6. Juli auf dem Karriere-Portal von Vanguard unter der Nummer 179858. Angeboten werden hybride Arbeitsplätze in Malvern, Dallas, Scottsdale und Charlotte.
Vom Ablehnen von Bitcoin-ETFs zur Einstellung eines Krypto-Chefs
In der Stellenbeschreibung wird die Person als leitender Fachexperte für digitale Vermögenswerte im Bereich Privatkunden bei Vanguard dargestellt. Die Aufgaben umfassen Produkte, Betriebsmodelle, Risikomanagement und den Austausch mit Aufsichtsbehörden.
„Der Leiter für digitale Vermögenswerte wird die Strategie, die Roadmap und die Umsetzung von digitalen Vermögenswerten bei Vanguard Personal Wealth führen”, heißt es in der Stellenausschreibung.
Die Veröffentlichung stellt einen klaren Kurswechsel gegenüber früher dar. Die Unternehmensleitung sperrte im Januar 2024 Spot-Bitcoin-ETFs auf der eigenen Broker-Plattform. Führungskräfte bezeichneten Krypto lange Zeit als spekulativ.
Im Dezember 2025 öffnete Vanguard jedoch seine Plattform für Krypto-ETFs und Fonds von Drittanbietern. Durch diese Entscheidung erhielten mehr als 50 Millionen Brokerage-Kunden Zugang zu Fonds, die Bitcoin, Ethereum (ETH), XRP und Solana (SOL) enthalten.
Dieser Richtungswechsel erfolgte unter Salim Ramji, der im Juli 2024 als erster extern eingestellter CEO zu Vanguard kam. Zuvor leitete er bei BlackRock die iShares-Sparte, in der der iShares Bitcoin Trust (IBIT) aufgelegt wurde. Dieser Fonds allein verwaltete zum 31. März etwa 54 Milliarden USD, wie aus einem iShares-Datenblatt hervorgeht.
Warum Vanguard weiterhin keinen eigenen Bitcoin-ETF auflegen wird
Vanguard hat bisher nie einen eigenen Krypto-ETF beantragt. Laut veröffentlichten Leitlinien bevorzugt das Unternehmen Vermögenswerte mit transparenten Cashflows und bietet Zugang zu Kryptowährungen nur über Drittanbieter-Produkte – ähnlich wie bei Gold.
BlackRock und Fidelity hingegen vermarkten eigene Spot-Bitcoin-Fonds. Der Wettbewerb unter den Anbietern führte zu einem Preiswettbewerb bei Bitcoin-ETFs, durch den die Gebührensätze auf bis zu 0,14 % fielen. Zudem bewirkten Schwabs Indexgebührensenkungen, dass das Verbleiben in traditionellen Produkten teurer wurde.
Auch die Nachfrage der Kunden bleibt spürbar. Am 2. Juli hielten US-Spot-Bitcoin-ETFs netto 74,37 Milliarden USD an Vermögenswerten. An diesem Tag kehrten mit 221,72 Millionen USD die Zuflüsse nach einer 10-tägigen Serie von Nettoabflüssen zurück. Zum Zeitpunkt dieses Artikels betrug das gesamte Nettovermögen 77,32 Milliarden USD.
Die neue Rolle geht daher weit über einen einzelnen Fonds hinaus. Eine mehrjährige Roadmap im Privatkundenbereich könnte unter anderem Verwahrung, beratene Portfolios und Tokenisierung im globalen Finanzwesen abdecken, anstatt nur einen Produktstart vorzubereiten.
Offen bleibt, ob es bei der Roadmap um die Erprobung neuer Möglichkeiten geht oder ob konkrete Angebote für Kunden entstehen. Die ersten Schritte der Führungskraft könnten zeigen, wie sich Vanguard positioniert.









