Nachdem sich „Vibe Coding“ bei großen Tech-Unternehmen durchgesetzt hat, kommt es jetzt schnell in den Krypto-Bereich. Es könnte grundlegend verändern, wie Web3-Projekte gebaut, finanziert und skaliert werden.
Der Begriff „Vibe Coding“ wurde Anfang 2025 vom früheren OpenAI-Mitgründer und Tesla-AI-Leiter Andrej Karpathy geprägt. Er beschreibt damit das Entwickeln von Software nach Gefühl. Dabei nutzt man natürliche Sprache oder Sprachbefehle mit KI-Systemen – und muss die Tastatur kaum noch benutzen.
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Die Idee wurde bekannt, als „Vibe Coding“ vom Collins Dictionary zum Wort des Jahres 2025 gewählt wurde. Das zeigt, wie schnell dieses Konzept in die Tech-Welt eingezogen ist.
Im Kern verringert Vibe Coding den Abstand zwischen Idee und Umsetzung. Mit Tools wie Cursor, Claude und Lovable können Gründer in einfacher Sprache beschreiben, was sie wollen, und bekommen fast sofort einsatzbereiten Code.
Zudem verändert es, wer überhaupt Software bauen kann. Laut Web3-Investor und Builder Simon Kim dreht es die bisherige Hierarchie bei Start-ups um.
Technische Tiefe war früher der entscheidende Engpass. Heute wird sie zunehmend von KIs übernommen. Menschliche Gründer konkurrieren nun vor allem mit Fähigkeiten wie Geschäftssinn, Nutzerverständnis, Geschmack fürs Produkt und einer klaren Erzählweise.
„Die Rolle des Gründers verschiebt sich vom Schreiber zum Chefredakteur oder Regisseur”, sagte Kim. Der Erfolg hängt davon ab, wie gut man KI-Ergebnisse auswählt, verknüpft und lenkt.
Kims eigene Erfahrungen zeigen diesen Wandel. Er baute zum Beispiel ein Ethereum-Dashboard mit zwölf Bewertungsmodellen in nur vier Stunden. Angeblich erstellte er auch einen Tourismus-Prototyp für Abu Dhabi während eines Flugs.
Früher hätte so etwas Wochen an Abstimmung und Entwicklung gebraucht. Jetzt wurde es schnell umgesetzt und direkt im Gespräch mit Entscheidern genutzt.
Dieses Muster ist schon in größerem Maßstab sichtbar. Lovable, ein KI-App-Baukasten, der 2024 gestartet ist, erreichte angeblich 100 Mio. USD Umsatz nach acht Monaten und sammelte Ende 2025 weitere 330 Millionen USD ein – bei einer Bewertung von 6,6 Mrd. USD.
Sponsored SponsoredBei Y Combinator hatten im Winter 2025 25 Prozent der Start-ups Codebasen, die zu über 95 Prozent von KI geschrieben wurden.
„Du brauchst keine Teams mit 50 oder 100 Entwicklern mehr. Man kann weniger Kapital aufnehmen, das dann viel länger ausreicht”, berichtet Kim und zitiert YC-CEO Garry Tan.
Gerade für Web3 kann das große Folgen haben. Mit der Blockchain-Infrastruktur können heute schon kleine Teams weltweit arbeiten.
Hyperliquid, eine dezentralisierte Derivate-DEX mit einem Kernteam von elf Personen, hat 2025 rund 3 Bio. USD Handelsvolumen abgewickelt und schätzungsweise 844 Mio. USD Umsatz erzielt.
Durch den Einsatz von Smart Contracts und Logik auf der Chain zeigt sich: Automatisierung und kleine Teams können mit alten Traditionen mithalten oder sie sogar übertreffen.
Darum entscheiden heute Community, Vertrauen und Netzwerke – nicht mehr nur Code
Wenn die Umsetzung leichter verfügbar wird, verschiebt sich der Vorteil. Codes lassen sich immer schneller kopieren, Funktionen werden innerhalb von Wochen nachgebaut, KI nimmt lokale Vorteile wie Sprache oder Standort. Was schwer zu kopieren bleibt, sind Community, Marke, Vertrauen und globale Netzwerke.
Genau dieses Denken ist in Krypto bereits Alltag. Gewinner im Web3 setzen sich selten nur durch besseren Code durch. Sie punkten durch Community, Meme-Kultur und Beteiligung der Gemeinschaft.
„Technologie kann jeder forken, aber Kultur nicht“, sagte Kim und verweist auf eine Lektion, die Web3 schon vor der KI verstanden hat.
Auch das Wagniskapital spürt den Wandel. Wenn einzelne Gründer Produkte eigenständig bauen und testen können, ist Kapital nicht mehr die entscheidende Hürde.
Sponsored SponsoredVertrauen, Reichweite und Zugang werden jetzt knapp. Kim sagt, dass VCs zu „Super-Connectern“ werden müssen, die Glaubwürdigkeit, weltweite Kontakte und enge Netzwerke bieten – statt langwieriger Finanzierungsrunden und Standard-Ratschlägen.
Vor diesem Hintergrund ruft CryptoQuant-CEO Ki Young Ju dazu auf, dass Krypto-Natives Vibe Coding ausprobieren sollten – auch ohne Vorkenntnisse beim Programmieren. Der On-Chain-Experte sagt, die Branche befinde sich im Wandel: „von der Zeit der Umsetzung zu einer Zeit der Vorstellung.“
Builder wie IBuyRugs und Kiki zeigen, dass einfache Prompts in Textform jetzt funktionierende dApps erzeugen können – samt eingebauter Monetarisierung.
Wenn KI die Umsetzung für alle leichter macht, zählen Geschmack, Vision und Netzwerke mehr denn je – zumindest im Krypto-Bereich.
Gerade in einer Branche, in der Community wichtiger als Code ist, kann Vibe Coding eine Zukunft mit Einzelgründern, globalen Protokollen und gemeinschaftlichen Schutzwällen fördern.