Die meisten Krypto-Marken verschwinden, weil sie niemandem das Gefühl geben, anders zu sein, nicht weil ihre Technologie schwach ist. Das sagt Jordi Urbea, CEO von Ogilvy Spanien. Seiner Meinung nach ist Gleichförmigkeit das wahre Problem, nicht der Code.
Urbea sprach mit BeInCrypto beim Ibiza Tech Forum 2026. Seit 25 Jahren hilft er Marken, sich abzuheben. Sein Urteil über Krypto-Marketing ist klar, und die Daten bestätigen es.
Jede Krypto-Marke sieht gleich aus
In einem Interview mit dem Expertencouncil von BeInCrypto erklärte Urbea, dass Krypto-Werbung nur noch einem Schema folgt. Sie können das Logo austauschen, und die Botschaft bleibt fast gleich.
„Wenn Sie den Kryptosektor und alle Werbeanzeigen anschauen, sind die Anzeigen genau gleich. Sie tauschen das Logo aus, und es ist das Gleiche.”
Die Zahlen zeigen, warum diese Gleichförmigkeit so verbreitet ist. Zwischen 150 und 300 neue Coins starten jede Woche, etwa 10.700 sind weiterhin aktiv. Trotzdem halten Bitcoin und Ethereum zusammen fast 75% des gesamten Marktwerts.
Tausende fast identische Projekte konkurrieren um immer weniger Aufmerksamkeit. In dieser Masse geht eine kopierte Botschaft sofort unter.
„Es ist sehr selten, ein Unternehmen zu finden, das sagt: ‚Diese Kryptowährung ist komplett anders.’ Die anderen wiederholen einfach, Botschaft für Botschaft. Und die Leute sagen, es ist langweilig, alles sei gleich.”
Gute Technologie, keine Geschichte
Für Urbea liegt das Problem selten an der Technik. Er hat gesehen, wie starke Projekte aus einem einfacheren Grund scheitern.
„Viele Jahre lang habe ich mit vielen Start-Ups zusammengearbeitet, und die meisten sind verschwunden, weil sie den Unterschied zwischen einer Marke und einer anderen nicht erklären konnten. Es gibt Menschen mit beeindruckender Technologie und tollen Ideen, aber ihnen fehlt die Fähigkeit, das zu vermitteln.”
Daten zu Start-Ups unterstützen seine Aussage fast genau. CB Insights fand heraus, dass der wichtigste Grund fürs Scheitern der fehlende Bedarf am Markt ist, der in rund 42% der Fälle genannt wird. Probleme beim Marketing und beim Markteintritt machen zudem einen großen Anteil aus.
Geldmangel steht in manchen Listen mit 70% an der Spitze, doch das ist ein Endpunkt. Der eigentliche Grund liegt oft früher, nämlich darin, dass niemand den Wert vermitteln konnte.
Im Krypto-Bereich ist dieses Muster besonders deutlich. Mehr als 53% aller seit 2021 gestarteten Token sind bereits gescheitert, und 2025 war das verlustreichste Jahr überhaupt.
Bei den meisten dieser Projekte war nicht der Code das Problem. Sie gaben dem Markt einfach keinen Grund, sie sich zu merken.
Die „Follow-the-Leader”-Falle
Urbea glaubt, dass Nachahmung der Grund für die Gleichheit ist. Teams kopieren alles, was bei einem Konkurrenten erfolgreich wirkt.
„In einigen Fällen wiederholen Menschen einfach die Formeln, die bei anderen funktionieren. ‚Bei dieser Firma läuft es gut, also mache ich es nach.’ Man folgt dem Anführer und wiederholt. Aber ab der zehnten Botschaft verschwindet Ihre Marke, Ihre Botschaft verschwindet, und Sie sind wie ein großes Schiff, das in der Nacht verloren geht.”
Marketing-Wissenschaft bringt hier einen wichtigen Punkt. Byron Sharp und das Ehrenberg-Bass-Institut argumentieren, dass starke Marken durch Unverwechselbarkeit wachsen, nicht einfach durch bloße Unterschiede. Käufer entscheiden schnell und achten selten auf Details.
Das verstärkt Urbeas Argument, statt es zu widerlegen. Wer Konkurrenten kopiert, verliert die eigenen Merkmale, die eigene Sprache, Farben und den Ton, die eine Marke erst erkennbar machen. Ohne diese geht die Erinnerung verloren.
Das gleiche Muster betrifft Web3-Marketer, die Trends hinterherlaufen. Wenn jede Kampagne auf die gleichen Ideen setzt, bleiben am Ende keine davon hängen.
Eine Marke schaffen, die niemand kopieren kann
Jordi Urbea hat einen klaren Rat: Hören Sie auf, Formeln zu übernehmen, und bauen Sie Ihre eigene Marke auf.
„Wenn Sie Ihren eigenen Raum schaffen, Ihre eigene Sprache entwickeln und Ihre eigene Arbeitsweise haben, dann ist das mein bescheidener Rat.”
Das zahlt sich aus. Kantar untersuchte 40.000 Marken und stellte einen starken Zusammenhang fest zwischen wahrgenommener Einzigartigkeit und dem Preis, den Kundinnen und Kunden zu zahlen bereit sind. Unverwechselbare Marken erzielen höhere Margen und eine geringere Preissensibilität.
Studien zeigen außerdem, dass neue, abwechslungsreiche Werbung im Gedächtnis bleibt, während sich wiederholende Inhalte schnell vergessen lassen. Eine eigene, unverwechselbare Stimme ist daher ein Vorteil und keine zusätzliche Ausgabe.
Für Krypto-Gründer ergibt sich daraus eine Erkenntnis, die an klassische Marketing-Lehren erinnert: Die Technologie öffnet zwar die Tür, aber die Identität hält eine Marke langfristig am Leben.
Da Automatisierung jeden Kanal mit immer mehr Inhalten überschwemmt, wird Urbeas Warnung immer deutlicher. In einem Markt voller Kopien ist es daher sicher, einzigartig zu sein und sich nicht kopieren zu lassen.









