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Arbeiten in Web3: Karrierechancen abseits der Programmierung

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Geschrieben von
Matej Prša

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Redigiert von
Phil Haunhorst

10 März 2026 08:00 CET

Die Welt der digitalen Vermögenswerte galt lange als ein geschlossener Bereich, der nur für Menschen zugänglich war, die Programmiersprachen wie Solidity, Rust oder C++ sprechen. Am Anfang stand das Produkt im Mittelpunkt – dadurch waren vor allem Entwickler wichtig. Doch im Jahr 2026 hat sich alles grundlegend gewandelt. Web3 ist nicht mehr nur ein technisches Experiment, sondern eine globale Branche.

Bevor wir über die neuen Wege im Krypto-Arbeitsmarkt sprechen, möchten wir uns herzlich bei unseren Gästen für ihre hilfreichen Meinungen bedanken: Fernando Lillo Aranda, Marketing-Chef bei Zoomex; Vivien Lin, Produktchefin bei BingX; Dorian Vincileoni, Leiter des Wachstumsbereichs bei Kraken; und Federico Variola, Geschäftsführer von Phemex. Ihre Sichtweisen zeigen eine Roadmap für die vielen Profis, die aus klassischen Branchen in die dezentrale Zukunft wechseln wollen.

Ende der Entwickler-Ära: Diese nicht-technischen Jobs sind jetzt gefragt

Der Reifegrad der Branche wird am besten bei den Jobangeboten sichtbar. Zwar bleibt die Absicherung von Smart Contracts weiterhin wichtig, doch inzwischen wird die Lücke oft durch Experten mit Kenntnissen über Märkte, Menschen und Gesetze geschlossen.

Fernando Lillo Aranda, Marketing-Chef bei Zoomex, sieht in diesem Wandel ein Zeichen für ein gesundes Ökosystem. Er sagt:

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„Die Web3-Branche ist deutlich reifer geworden, und das ist ein sehr gutes Zeichen”, erklärt Aranda. „Diese technische Revolution setzt nicht mehr nur auf Entwickler. Sie braucht viele nicht-technische Fachleute, um ihre Sichtbarkeit, Nutzung und Reichweite weiter auszubauen.”

Nach Aranda stehen heute Außendarstellung und Geschäftsentwicklung an erster Stelle. Firmen, die weltweit wachsen wollen, setzen vor allem auf Marketing und Organisation. Zudem betont er einen wichtigen Wandel in Europa:

„Europäische Vorschriften haben die Nachfrage nach Fachleuten für Recht und Compliance deutlich erhöht. Jede Web3-Firma, die langfristig am Markt bestehen will, muss sich stärker an klassische, strukturierte Unternehmensmodelle anlehnen.”

Diese Ansicht teilt auch Vivien Lin, Produktchefin bei BingX. Sie meint, die Branche hat sich von einer Testphase zu echter Umsetzung weiterentwickelt. Lin hebt die wichtige Rolle von Personen hervor, die komplexe dezentrale Themen für viele Menschen einfach machen können.

„Neben Technikern ist heute vor allem der Partnerschafts- und Marken-Experte sehr gefragt”, sagt Lin.

„Bei BingX geht es bei Partnerschaften mit weltbekannten Marken, wie Chelsea FC oder Scuderia Ferrari HP, nicht einfach nur um Logos. Das erfordert Teams, die Markenwerte ausrichten, sinnvolle Nutzeraktionen schaffen und Partnerschaften direkt mit der Produktnutzung sowie mit langfristigem Vertrauen verbinden.”

Dennoch sind nicht alle Jobangebote im Bereich Business Development (BD) gleich. Federico Variola, Geschäftsführer von Phemex, kritisiert manche aktuelle Entwicklungen. Er findet, dass BD zwar sehr gefragt ist, aber oft von Firmen und Bewerbern nicht richtig verstanden wird.

„Echtes BD bedeutet, Umsatz, Volumen, TVL und Nutzerzahlen zu steigern”, sagt Variola.

„Zu viele Web3-Firmen sehen BD nur als Partnerschaften. Menschen, die diese Kennzahlen wirklich bewegen können, sind selten, besonders wertvoll und in der Branche noch immer schwer zu finden. Es ist keine technische Rolle, aber gerade hier ist echte Umsetzung extrem wichtig.”

Kulturschock: Von Hinterzimmern zu radikaler Web3-Transparenz

Für Profis aus Web2 – also aus klassischen Technologie-Unternehmen oder Banken – fühlt sich der Wechsel in ein Krypto-Startup oft wie eine völlig neue Welt an.

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Worin liegt der größte Unterschied? Es ist die Transparenz. In traditionellen Unternehmen werden Pläne meist geheim im Vorstand besprochen. In Web3 ist das anders: Hier finden Meetings oft auf öffentlichen Plattformen wie Discord oder in einer Telegram-Gruppe mit 50.000 Nutzerinnen und Nutzern statt.

Vivien Lin beschreibt das als den größten Kulturschock. „Das Überraschendste ist die Transparenz. Diskussionen laufen in öffentlichen Foren, auf der Kette oder auf Social Media. Rückmeldungen von Nutzern sind sofort da und oft sehr direkt”, erklärt sie.

Für Menschen, die an feste Prozesse und lange Planungsphasen gewöhnt sind, kann das befremdlich wirken. Trotzdem findet Lin, dass diese Offenheit die Geschwindigkeit in der Branche vorantreibt. „Es ist am Anfang ungewohnt, macht die Branche aber auch spannend.”

Diese Transparenz prägt die Arbeit selbst. In einem Krypto-Startup arbeitet man nicht nur für ein Unternehmen, sondern für eine Community. Dafür braucht es emotionale Intelligenz und Verantwortungsbewusstsein, wie es in klassischen Unternehmen oft nicht nötig ist.

Reputation 2.0: Warum deine On-Chain-Aktivität mehr zählt als dein Lebenslauf

Schauen wir uns den Arbeitsmarkt 2026 an, taucht immer wieder eine Frage auf: Ist der Lebenslauf als PDF noch wichtig? In einer Branche, die nach dem Motto „Vertraue nicht, prüfe selbst” handelt, wird der klassische Lebenslauf oft durch den digitalen Fußabdruck einer Person ergänzt oder sogar ersetzt.

On-Chain-Reputation meint die Aufzeichnung von Beiträgen, Governance-Abstimmungen, NFT-Besitz und DeFi-Nutzung. Das ist eine dauerhafte, unveränderbare Übersicht über die Fähigkeiten eines Profis. Dennoch will die Branche den Lebenslauf noch nicht ganz abschaffen.

„Beides ist wichtig, aber sie erfüllen unterschiedliche Zwecke”, sagt Vivien Lin. Den klassischen Lebenslauf sieht sie als Beleg für „Glaubwürdigkeit, Erfahrung und gutes Urteilsvermögen”. Das bleibt vor allem für leitende Positionen entscheidend. Doch der eigentliche „Arbeitsnachweis” ist woanders zu finden. Lin erklärt:

„Aktivitäten auf der Kette, öffentliche Beiträge und sichtbare Mitarbeit gelten immer häufiger als Beweis dafür, wie du denkst und handelst. Personalchefs schauen darauf, was du gebaut hast, wie du mit der Community umgehst und ob du Krypto praktisch verstehst, nicht nur die Theorie.”

Im Jahr 2026 ist der ideale Bewerber eine Mischung aus diszipliniertem Web2-Profi und Krypto-Nerd mit belegbaren Erfolgen auf der Blockchain.

Zukunft der Arbeit: DAOs, Remote und der praktikable Mittelweg

Die erste Vision von Web3 war eine komplett dezentrale Welt, in der alle nur noch in DAOs (dezentrale autonome Organisationen) ohne Chefs und ohne Hauptsitz arbeiten. Die Wirklichkeit 2026 ist jedoch komplexer. Die Idee von flexibler Arbeit bleibt, allerdings sind für mehr Effizienz einige klassische Strukturen zurückgekehrt.

Dorian Vincileoni, der Leiter für Regionales Wachstum bei Kraken, sagt, wir erleben gerade eine „praktische Mitte“. Er meint, dass DAOs zwar gut zum Ausprobieren sind, aber oft Probleme mit der Zusammenarbeit haben, um weltweit mithalten zu können. Vincileoni stellt fest:

„Wir bewegen uns auf einen praktischen Mittelweg zu. Das ist kein Rückschritt bei der Dezentralisierung, sondern eine Entwicklung. Das Ziel war nie Chaos, sondern Freiheit mit Verantwortung.“

Er findet, die erfolgreichsten Organisationen schaffen heute eine gute Balance zwischen Eigenständigkeit und klarer Struktur.

Fernando Lillo Aranda von Zoomex geht noch weiter. Seiner Meinung nach ist der Schritt zu mehr festen Strukturen wichtig, damit Firmen überleben können.

„Jede Web3-Firma, die langfristig bestehen möchte, muss sich stärker an klare, Web2-ähnliche Strukturen anpassen“, sagt er. Besonders der Druck durch Regeln und Gesetzen führt dazu.

Vivien Lin sieht das ähnlich und setzt auf ein gemischtes Modell. Ganz von zu Hause arbeiten ist gut für Open-Source-Projekte. „Wer aber ein weltweites Produkt aufbauen, Risiken steuern und Gesetze einhalten will, braucht klare Zuständigkeiten und Strukturen.“ Die Zukunft ist, so meint sie, ein Mix aus klassischen Firmenstrukturen und Web3-typischen Elementen wie an Token gebundenen Anreizen.

Fazit: Jetzt sind auch Nicht-Techniker gefragt!

Die Hauptbotschaft dieser Branchenführer ist deutlich: Web3 ist kein Spielplatz mehr nur für Forscher in der Krypto-Welt. Nun wird ernsthaft gearbeitet – und deine Fähigkeiten im Beruf werden dringend gebraucht. Die Zeit vom wilden Westen mit anonymen Gründern und „Code ist Gesetz“-Regeln geht zu Ende. Jetzt entsteht eine professionelle, globale Wirtschaft, die mehr klassische Disziplin braucht, um wirklich zu wachsen.

Egal, ob du als Anwalt die Regeln von MiCA und anderen globalen Vorgaben verstehst, ob du als Marketer Kryptothemen verständlich für Fans eines Fußballvereins wie Chelsea FC erklärst oder als Organisationstalent ein weltweites Team leitest: Du bist gefragt. Technisches Wissen hat die Basis gebaut, aber jetzt sind echte Profis nötig, um weiterzukommen.

Wie Federico Variola sagte: Es reicht nicht mehr, einfach nur zu bauen. Unternehmen suchen jetzt dringend nach Leuten, die echte Erfolge bringen. Die wichtigsten Werkzeuge sind nicht mehr nur Computerprogramme, sondern gute Pläne, Marktanalysen und nachhaltige Geschäftsmodelle. Jetzt geht es vor allem darum, dass Produkte wirklich gebraucht werden – und nicht mehr nur um neue Technik.

Es zählt nicht mehr nur die typische Schwankung vom Krypto-Winter und dem Hype im DeFi-Sommer. Wir sind jetzt im Zeitalter der Web3-Profis angekommen. Die Technik steht, die Anwendungen laufen schnell, viele Ketten sind einfach zu nutzen und Prüfungen geben Sicherheit. Jetzt müssen Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Recht und Kultur dafür sorgen, dass jeder diese digitale Welt nutzen kann.

Heute ist es nicht mehr wichtig, wie gut man Solidity oder Rust programmieren kann. Entscheidend ist, ob man Projekte wirklich erfolgreich macht. Die große Frage im Jahr 2026 ist nicht: Kannst du programmieren? Sondern: Schaffst du es, in einer offenen und spannenden Umgebung wirklich erfolgreich zu arbeiten?

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