Ein Angreifer hat am 9. August innerhalb von 97 Minuten fast 200.000 XRP Token aus der Coreum-Bridge abgezogen, indem er eine Prüflücke in der Relayer-Software ausnutzte und nicht etwa eine Schwachstelle im XRP Ledger.
Die Bridge stellte den Betrieb ein, während der XRP-Kurs unter 1 USD fiel, da der Markt insgesamt vorsichtig war.
Was genau lief schief bei der Bridge
Eine Blockchain-Bridge ist eine Infrastruktur, die zwei getrennte Netzwerke verbindet. So können Nutzer Werte zwischen Blockchains bewegen, die nicht direkt miteinander kommunizieren können. Relayer überwachen beide Seiten und autorisieren Übertragungen.
Die Coreum-Bridge ermöglicht es Nutzern, XRP im XRPL zu hinterlegen und eine entsprechende gebridgte Version auf der Coreum-Blockchain zu erhalten. Diese können sie in Coreum-Anwendungen verwenden und später zurück auf das XRPL bringen.
Wie kam es zu dem Angriff? Die Zahlen zeichnen ein genaues Bild. Das Bridge-Konto hielt etwa 200.410 XRP vor dem Vorfall und begann um 19:16 Uhr UTC mit der Freigabe von Geldern.
Innerhalb von 97 Minuten führte das Konto 94 Transaktionen mit insgesamt 199.916,3 XRP an zwei neu erstellte Wallets aus. Am Ende blieben nur noch 493,5 XRP zurück.
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Jede Übertragung wurde gültig autorisiert. Ein Quorum von 17 aus 28 Relayer-Schlüsseln unterzeichnete jede ausgehende Zahlung über das Multi-Signatur-Verfahren. Erste Erklärungen in den sozialen Medien wurden dadurch widerlegt. Warnungen machten Rippling und das DefaultRipple-Flag verantwortlich. Allerdings kann nativ eingelagerter XRP nicht „ripplen”, da die Coin keinen Emittenten und keine Trust-Lines besitzt.
Die eigentliche Ursache befand sich im Code. Relayer beobachten Transaktionen auf dem XRP Ledger und reichen eine Bestätigung ein, sobald sie Zahlungen mit einem Memo für einen Coreum-Empfänger erkennen.
Hier fehlte jedoch eine Kontrolle. Die Software prüfte nicht, ob das Ziel der Zahlung tatsächlich die Bridge ist, bevor die Gutschrift erfolgte. Dieses Versäumnis öffnete die Tür für den Angriff.
Überweisungen zwischen Wallets, die der Angreifer kontrollierte, wurden wie echte Einzahlungen behandelt. Dadurch entstanden Gutschriften, die später echte XRP-Auszahlungen ermöglichten.
Warum der XRP Ledger nie gefährdet war
Der Ablauf folgte einem Muster. Kleine Testtransaktionen wurden verdoppelt, daraufhin erfolgten regelmäßige Auszahlungen mit durchschnittlich etwa 1.695 XRP alle 50 Sekunden. Das Weiterleiten der Gelder begann sofort. Die empfangenden Wallets verschickten die meisten Coins direkt weiter, was das Nachverfolgen erschwerte.
Eine wichtige Unterscheidung ist hervorzuheben. Es wurden keine privaten Schlüssel kompromittiert, und das Multi-Signatur-Verfahren funktionierte wie vorgesehen — allerdings auf falscher Grundlage.
Der XRP Ledger selbst blieb vollständig sicher. Der Vorfall hatte keinen Einfluss auf zentrale Protokolle, Konsensmechanismen oder die native Transaktionsverarbeitung. Coreum hat die Bridge bis zur Fehlerbehebung gesperrt.
Für einen erneuten Start der Bridge ist künftig eine Prüfung der Zieladresse erforderlich — jener Kontrolle, deren Fehlen den Vorfall überhaupt ermöglichte.
Ein offizieller Abschlussbericht steht noch aus. Solange er fehlt, bleiben Zeitplan und Maßnahmenplan für betroffene Nutzer unvollständig.
XRP notierte am 11. August unter 1 USD, rund 3,30 % unter dem Kurs des Vortags, wie Daten von BeInCrypto zeigen.
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