Der XRP-Kurs könnte vor einem wichtigen Moment stehen, nachdem der Coin wochenlang unter Druck stand. Der Token liegt in den letzten 30 Tagen weiterhin etwa acht Prozent im Minus. Dies zeigt, dass die allgemeine Struktur noch immer bärisch ist.
Allerdings ist eine Chart-Formation, die in der Vergangenheit schon zu einer Erholung geführt hat, erneut aufgetaucht. Diesmal wird das Signal von einem starken Einbruch der Coin-Verteilung und einer steigenden Überzeugung der Halter begleitet. Dadurch steigt die Möglichkeit, dass XRP eine Trendwende starten könnte, falls wichtige Marken überschritten werden.
Historische Divergenz: XRP zeigt erneut identisches Bounce-Setup
Das aktuelle Szenario beginnt mit einer bullischen Divergenz beim Relative Strength Index (RSI). Der RSI ist ein Indikator für die Bewegungsgeschwindigkeit und -stärke eines Kurses. Fällt der Kurs, während der RSI steigt, zeigt dies oft, dass der Verkaufsdruck nachlässt.
Zwischen dem 11. Februar und dem 8. März bildete der XRP-Kurs ein tieferes Tief, jedoch zeigte der RSI ein höheres Tief. Solche Muster sieht man häufig in der Nähe von möglichen Zonen für eine Trendwende, wobei die allgemeine Entwicklung des XRP-Kurses weiterhin bärisch ist.
Hinweis: Auch wenn dieses Divergenz-Muster grundsätzlich auf eine Umkehr hindeuten kann, nutzen wir das Wort „Erholung” stellvertretend, da die Stimmung im Markt eher bärisch bleibt.
Interessant ist, dass XRP eine fast identische Divergenz schon früher zeigte. Zwischen dem 12. Februar und dem 24. Februar machte der Kurs ebenfalls ein neues Tief, während der RSI ein höheres Tief erreichte. Kurz darauf stieg der Kurs um etwa 14 Prozent. Dies bestätigte die Aussagekraft solcher Divergenzen.
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Technische Muster allein beeinflussen den Kurs jedoch selten entscheidend. Die Stärke der aktuellen Divergenz wird besser sichtbar, wenn man die On-Chain-Verteilung betrachtet.
XRP-Verteilungsaktivität bricht ein – Verkaufsstimmung lässt nach
Eines der wichtigsten begleitenden Signale kommt von den Daten der Spent Coins Altersbänder. Diese Kennzahl zeigt, wie viele Token täglich On-Chain bewegt werden und signalisiert oft mögliche Verteilung.
Während der Divergenz im Februar ging die Zahl der bewegten Coins von 75,58 Millionen XRP auf fast 43 Millionen XRP zurück. Das ist ein Rückgang der Verteilungsaktivität um etwa 43 Prozent.
Die aktuelle Divergenz zeigt eine noch deutlichere Entwicklung. Am 7. März stieg die Zahl der bewegten Coins auf 122 Millionen XRP – ein Zeichen für starke Bewegungen. Doch bereits am 8. März fiel sie auf 19,77 Millionen XRP. Damit sank die Verteilungsaktivität um mehr als 80 Prozent.
Ein so starker Rückgang dieser bärischen Kennzahl deutet darauf hin, dass Verkaufsaktivitäten nach der Divergenz schnell nachgelassen haben. Da weniger Coins On-Chain bewegt werden, könnte der Markt in eine Phase eintreten, in der Halter lieber behalten statt Token zu verkaufen.
Dieses Verhalten wird noch deutlicher, wenn man die Entwicklung bei langfristigen Haltern betrachtet.
Hodler-Anhäufung und Derivate sorgen für starke Umkehrchancen
Ein weiterer wichtiger Indikator ist die Veränderung der Netto-Position von langjährigen Haltern. Sie misst, wie viel Angebot langfristige Halter im Zeitraum von 30 Tagen aufnehmen oder abgeben.
Während der Divergenz im Februar zeigte sich bei dieser Kennzahl nur ein leichter Anstieg. Am 12. Februar lag der Netto-Positionswert bei rund 126,8 Millionen XRP und stieg bis zum 24. Februar auf etwa 149,3 Millionen XRP – ein Anstieg von etwa 17 Prozent.
Bei der aktuellen Divergenz ist die Überzeugung der Halter stärker. Bis zum 3. März sank der Wert zunächst deutlich auf rund 41,4 Millionen XRP, stieg dann aber bis zum 8. März auf 211,6 Millionen XRP, als das Divergenz-Signal auftrat.
Verglichen mit dem Wert von 149 Millionen XRP zum Zeitpunkt des vorherigen Erholungssignals am 14. Februar entspricht die aktuelle Zahl einer etwa 42 Prozent höheren Akkumulation. Das deutet auf eine deutlich stärkere Überzeugung der Halter beim möglichen Trendwechsel hin.
Das Verhalten am Spotmarkt ist jedoch nur ein Teil der gesamten Entwicklung. Die Positionierungen bei Derivaten zeigen einen weiteren möglichen Auslöser.
Die Daten zu Derivaten zeigen, dass bei XRP vor allem Short-Positionen bei der Hebelstruktur überwiegen. Laut Liquidationsdaten für das XRP/USDT-Paar auf Binance stehen aktuell etwa 110,8 Millionen USD an Short-Leverage über dem aktuellen Kurs, während nur 42,1 Millionen USD an Long-Leverage existieren. Mit anderen Worten: Das Short-Engagement ist etwa 163 Prozent größer als das Long-Engagement.
Wichtiger ist dabei, dass sich über 50 Prozent dieser Short-Liquidationen im Bereich um 1,39 USD konzentrieren.
Wenn XRP in Richtung 1,40 USD steigt (eine runde Marke), könnte ein großer Teil dieser Short-Positionen zur Schließung gezwungen werden. Solch ein erzwungener Kauf, auch Short Squeeze genannt, führt oft zu einem starken, schnellen Kursanstieg.
Diese XRP-Kursmarken sprechen für eine Trendumkehr
Aus technischer Sicht muss XRP zunächst die Hürde bei 1,40 USD überwinden, denn dort befinden sich große Cluster von Short-Liquidationen. Ein Durchbruch über diese Zone könnte den Weg für weitere Anstiege bis auf 1,54 USD ebnen, was etwa 10 Prozent Kursgewinn gegenüber dem aktuellen Stand bedeuten würde.
Sollte die Dynamik weiter zunehmen, wäre sogar ein Ziel von 1,61 USD möglich. Das entspräche einem potenziellen Anstieg um 20 Prozent vom aktuellen Bereich aus. Diese Rallye zwischen 10 und 20 Prozent entspricht dem bullischen Impuls, der auch bei dem zuvor beobachteten Divergenzmuster auftrat.
Allerdings bestehen weiterhin Risiken auf der Unterseite. Fällt XRP unter 1,32 USD, würde die aktuelle Divergenz schwächer werden. Ein noch stärkerer Rückgang unter 1,27 USD würde das bullische Szenario komplett aufheben und den übergeordneten Abwärtstrend bestätigen.
Aktuell befindet sich XRP technisch gesehen an einem Wendepunkt. Eine historische Divergenz ist zurückgekehrt, die Verteilungstätigkeit hat stark nachgelassen, und die Ansammlung bei Haltern hat zugenommen. Ob diese Signale wirklich eine Trendwende bedeuten, könnte davon abhängen, ob Käufer den Kurs über die Marke von 1,40 USD bringen können.