XRP wird nahe 1,09 USD gehandelt, nachdem Analysten monatliche Momentum-Werte festgestellt haben, die extremer sind als beim COVID-Crash 2020. Dadurch lebt die Debatte darüber wieder auf, ob der Boden erreicht ist.
Der Token liegt aktuell etwa 72% unter seinem Allzeithoch, weshalb Trader unentschieden sind, wie es weitergeht.
Die technischen Signale hinter der Überverkauft-Debatte
Der Relative Strength Index (RSI) misst, ob ein Vermögenswert in einem bestimmten Zeitraum zu stark gekauft oder verkauft wurde. Werte unter 30 deuten normalerweise auf überverkaufte Zustände hin, die beachtet werden sollten.
Der Analyst Ash Crypto stellte fest, dass der monatliche RSI-Wert von XRP unter das Niveau während des Einbruchs im März 2020 gefallen ist. Der Token erreichte zudem im vergangenen Monat ein Zweijahrestief nahe 1 USD.
Der Krypto-Analyst ChartNerdTA verweist auf ein anderes Signal. XRP befindet sich aktuell nahe dem mittleren Regressionsband seines Gauß-Kanals, einem Bereich, der in früheren Zyklen zu längeren Akkumulationsphasen geführt hat.
Diese Kanal-Unterstützung liegt derzeit bei etwa 0,88 USD. Dieser Wert sollte im Laufe der Zeit langsam steigen, was möglicherweise einen dynamischen Boden für den zukünftigen Kurs bildet.
Derivatedaten liefern weitere Hinweise. Einige Analysten beobachten, dass das Open Interest sinkt, während der Kurs steigt, was dafür spricht, dass Short-Positionen geschlossen oder liquidiert werden.
„XRP steigt, aber das Open Interest sinkt. Short-Positionen werden während des Anstiegs liquidiert oder geschlossen. Bären reduzieren aktuell ihre Verluste”, sagt Krypto-Analyst CW auf X.
Short Covering kann zu kurzfristigen Kursanstiegen führen, allerdings hält dieser Effekt selten lange an. Für nachhaltige Rallyes sind dagegen meist neue Käufer auf der Long-Seite nötig, nicht nur aussteigende Bären.
Die jüngste Entwicklung erschwert die bärische Sichtweise etwas. XRP konnte im Juli 2026 einen seiner stärksten Monate verzeichnen und stieg um rund 6,83% im gesamten Zeitraum.
Allerdings wirkt die Saisonalität nun gegen das Momentum. August gilt als der flachste Monat in der Geschichte des Tokens mit durchschnittlichen Renditen von lediglich 0,43%.
Ist der Boden bei XRP wirklich erreicht?
Mittelzuflüsse untermauern die vorsichtige Haltung. Spot-Exchange-Traded-Produkte zeigten an 11 von 17 Handelstagen im Juli keine Bewegung, was laut SoSoValue Daten auf zurückhaltende Nachfrage bei institutionellen Haltern hindeutet.
Auch die Abflüsse von Börsen haben sich deutlich verlangsamt. Dass weniger Token von Handelsplattformen abgezogen werden, zeigt, dass das Akkumulations-Momentum im Vergleich zum Jahresanfang deutlich nachgelassen hat.
Ein klarer Drei-Tages-Schlusskurs über 1,22 USD würde echtes Ausbruchspotenzial signalisieren. Ein solcher Schritt könnte das Interesse institutioneller Halter neu entfachen und zu spürbaren Zuflüssen in Spot-Produkte führen.
Ein Fall unter 1,01 USD würde hingegen weiteres Abwärtspotenzial eröffnen. Das aktuell geringe Verkaufsvolumen deutet jedoch darauf hin, dass die Überzeugung der Verkäufer auf dem aktuellen Niveau begrenzt ist.
„Ein Rückgang unter 1,00 USD würde den RSI mit echten historischen Makro-Boden-Mustern in Einklang bringen”, merkte Analyst ChartNerd an.
Das Gesamtbild gibt weiteren Kontext zu diesen Kursniveaus. XRP hat eine Marktkapitalisierung von fast 68 Milliarden USD und belegt Platz sechs im Ranking, während über 62,5 Milliarden Token im Umlauf sind.
Das tägliche Handelsvolumen beträgt mehr als 1,2 Milliarden USD, was auf eine ausreichende Liquidität trotz Seitwärtsbewegung hinweist. Skeptiker argumentieren jedoch weiterhin, dass überverkaufte Werte allein keinen echten Zyklusboden bestätigen können.
Ob dies einen dauerhaften Boden darstellt, hängt von makroökonomischen Entwicklungen, regulatorischen Entscheidungen rund um Ripple sowie von einer verstärkten Nachfrage im Gesamtmarkt ab.
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