Brent-Öl steigt um 7,9 %, da die USA eine maritime Blockade für iranische Häfen verhängen.
Das hat eine der volatilsten und geopolitisch angespanntesten Situationen am Ölmarkt seit Langem ausgelöst.
Washington hat ausgelöst: Die Ölmärkte stehen im Fokus
Brent-Rohöl steht an einem wichtigen Wendepunkt. Nach einem starken Anstieg auf 115–116 USD pro Barrel Mitte März fiel der Kurs drei Wochen lang langsam, bevor die heutige explosive 7,9 %-Tageskerze das Bild völlig veränderte.
Der Auslöser ist eindeutig. Am 13. April hat das US-Zentralkommando bekannt gegeben, dass eine maritime Blockade alle Schiffe betrifft, die iranische Häfen ansteuern oder verlassen. Die Regelung gilt sofort und für alle Schiffe – unabhängig von Fahne oder Eigentümer – im Arabischen Golf und Golf von Oman.
Wichtig ist, dass die Straße von Hormus weiterhin offen bleibt. Dadurch werden rund 20 % des globalen Ölangebots vor sofortigen Störungen geschützt. Dennoch verknappt die Blockade den Zugang zu iranischen Häfen, was bereits zu steigenden Versicherungsprämien auf den Schifffahrtsrouten im Golf führt.
Die Lage entwickelt sich laufend weiter und es wurde noch keine Dauer für die Blockade bestätigt. Der Vorsitzende des iranischen Parlaments hat jedoch bereits mit Gegenschritten gedroht und die Märkte gewarnt, „die aktuellen Preisanstiege zu genießen”.
Der Tages-Chart: Ein Markt wacht nach drei Wochen Abwärtstrend auf
Von Mitte Oktober bis Februar stieg Brent-Öl langsam von 60 bis 72 USD (grüner Bereich). Dann löste Ende Februar ein heftiger geopolitischer Schock fast eine Kursverdopplung in wenigen Wochen aus, sodass der Kurs auf 115–116 USD sprang (roter Bereich).
Seit diesem Hoch zeigt der Tages-Chart fallende Hochs (gelbe Kreise). Dies ist ein klassisches Verteilungsmuster, das auf nachlassende Dynamik hinweist. Der MACD bleibt weiter unter null und zeigt bärische Balken, während der RSI mit rund 55–60 im neutralen Bereich liegt – deutlich unter den überkauften Werten vom März-Höchststand.
Die heutige Kerze ist deutlich und sollte beachtet werden. Dennoch hat sich der Tages-Trend noch nicht vollständig erholt. Auch hat der MACD noch nicht bullisch gekreuzt, was bedeutet, dass diese Rallye weitere Bestätigung braucht.
Der 4-Stunden-Chart: Kurzfristige Bullen steigen ein
Im 4-Stunden-Zeitrahmen wirkt das Bild optimistischer. Der MACD hat gerade bullisch gekreuzt und das grüne Histogramm nimmt zu (gelber Kreis). Der RSI erholt sich zudem deutlich, nachdem er um den 7.–8. April fast überverkauft war (blaue Ellipse).
Dieser kurzfristige Momentum-Wechsel passt zu den aktuellen geopolitischen Ereignissen. Allerdings passiert das Ganze in einer größeren bärischen Struktur auf Tagesbasis. Es handelt sich daher um eine typische Gegenbewegung in einem Abwärtstrend – bis das Gegenteil bewiesen ist.
Drei Widerstandszonen definieren die Oberseite: Das unmittelbare Kursziel liegt bei 103–105 USD, also auf dem aktuellen Niveau. Darüber folgt der Bereich 108–110 USD als nächste wichtige Hürde, gefolgt vom Hoch bei 113–116 USD (roter Bereich).
Nach unten ist die Zone 93–96 USD am wichtigsten (grüner Bereich). Diese Marke hat sich mehrmals als Halt bewährt und darf von den Bullen nicht unterschritten werden. Darunter liegt bei 78–80 USD die letzte größere Unterstützungszone – das Niveau vor dem Schock.
Der Unsicherheitsfaktor bleibt das reine Schlagzeilenrisiko. Der Markt reagiert aktuell sehr stark auf Nachrichten in beide Richtungen. Keine Chartanalyse kann eine überraschende Reaktion des Iran oder einen unerwarteten diplomatischen Durchbruch komplett abdecken. Daher sind Vorsicht und Aufmerksamkeit für aktuelle Nachrichten genauso wichtig wie jede Chart-Marke.





