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Können Arbeiter die KI besitzen, die sie ersetzt? Dieses Projekt testet ein radikales Modell für automatisiertes Eigentum

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Geschrieben von
Matej Prša

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Redigiert von
Phil Haunhorst

04 Februar 2026 07:00 CET

KI-Firmen wollen immer mehr Aufgaben automatisieren, zum Beispiel das Schreiben von Code, das Erstellen von Bildern, das Planen von Werbung oder das Zusammenfassen von Meetings. Doch je besser diese Systeme werden, desto schwieriger lassen sich ihre Folgen für die menschliche Arbeit übersehen.

Manche Fachleute warnen jetzt: Generative KI könnte sehr schnell und in großem Ausmaß zu Jobverlusten führen, auf die die meisten Länder nicht vorbereitet sind.

Anstatt sich gegen diesen Wandel zu wehren, verfolgt eine Plattform aus dem Krypto-Umfeld eine andere Strategie. Wenn Automatisierung nicht aufzuhalten ist, sollte aber auch jeder am Eigentum beteiligt werden.

Action Model hat heute eine einladungsbasierte Chrome-Erweiterung gestartet. Damit kannst du eine KI trainieren, indem du echte Aktivitäten im Browser teilst – etwa Klicks, Navigationswege oder Arbeitsschritte. Die Plattform nennt dies ein Large Action Model (LAM). Dieses Modell kann lernen, digitale Arbeit auszuführen, anstatt nur Inhalte zu erzeugen. Als Gegenleistung bekommst du Punkte, die später eventuell in LAM-Governance-Token umgewandelt werden. Diese Token sollen dir Mitspracherecht an der Entwicklung des Systems geben.

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„Wenn KI digitale Arbeit ersetzt, dann sollten die Arbeiter auch die Maschinen besitzen, die sie ersetzen”, sagt Action Model-Gründer Sina Yamani.

So wird die KI trainiert, die für dich arbeitet

Im Gegensatz zu Chatbot-Modellen, die nur Inhalte generieren, sind LAMs dafür gemacht, digitale Programme direkt zu bedienen. Die Idee ist leicht verständlich: Wenn ein Mensch eine digitale Aufgabe am Rechner erledigen kann, sollte eine gut trainierte KI dies auch können.

„In den letzten Jahren waren Chatbots im Fokus. Jetzt ist es die Automatisierung”, sagt Yamani. „Etwa eine Milliarde Menschen arbeitet am Computer. Wenn eine Firma ein Werkzeug bekommt, das dieselbe Arbeit ständig und viel günstiger macht, wird sie es nutzen.”

Action Model sammelt, nach Zustimmung, dein Nutzungsverhalten, um die KI zu trainieren. Aufgaben wie die Gehaltsabrechnung senden, CRM-Einträge pflegen oder einfache Abläufe steuern – all das kann einmal aufgezeichnet und dann vom Modell wiederholt werden. Du kannst deine Automatisierungen auch auf einem öffentlichen Marktplatz bereitstellen. Dort wird ihre Nutzung verfolgt und basierend auf dem Belohnungsmodell honoriert.

Der Aufstieg agentenbasierter KI-Systeme ist in der Branche weit bekannt. Sie entwickeln sich von der Inhaltserstellung immer mehr zur eigenständigen Ausführung digitaler Aufgaben. Solche Systeme, lernen und handeln selbstständig mit echten Nutzerdaten und bewegen sich dadurch eigenständig in digitalen Umgebungen.

Über Wartelisten, Einladungen und Partner hat Action Model schon mehr als 40.000 Nutzer gewonnen. Der Zugang ist weiterhin nur mit Einladung möglich, damit die Qualität der Beiträge hoch bleibt und frühe Nutzer besonders belohnt werden.

Was unterscheidet dieses Tool von bisherigen Automatisierungslösungen?

Viele bestehende Automatisierungs-Tools setzen auf APIs oder feste Schnittstellen. Doch viele digitale Alltagsaufgaben laufen in alten Systemen, internen Dashboards oder schwer zugänglichen Tools, die nie für eine Automatisierung gedacht waren.

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„Zapier automatisiert Software. Wir automatisieren Arbeit”, sagt Yamani. „Nur etwa zwei Prozent des Internets sind per API nutzbar. Die anderen 98 Prozent brauchen weiterhin menschliche Bedienung.”

Mit Action Model musst du keinen Code schreiben oder komplizierte Integrationen verwalten. Du zeichnest nur auf, wie du eine Aufgabe erledigst. Die KI lernt aus diesen Abläufen und kann sie danach selbst übernehmen.

Das macht Action Model flexibel genug, damit auch Sonderfälle und nicht dokumentierte Arbeitsabläufe erkannt werden – also Aufgaben, die klassische Systeme nicht abdecken.

Wie steht es um die Privatsphäre?

Alles Training ist freiwillig, man entscheidet, welche Daten geteilt werden. Sensible Seiten wie E-Mail, Gesundheitsportale oder Banking sind standardmäßig gesperrt. Du kannst das Training pausieren, einzelne Seiten blockieren oder deine Beiträge komplett löschen.

„Das wichtigste Prinzip ist ganz einfach: Wir brauchen nicht deine Daten, sondern nur Muster”, so Yamani. „Trainingsdaten werden lokal bearbeitet und anonymisiert, bevor sie ins Modell einfließen.”

Gelöschte Daten werden endgültig entfernt und können nicht wiederhergestellt werden, auch nicht vom Unternehmen. Beiträge werden mit den Daten anderer Nutzer zusammengefasst. Mit k-Anonymität wird verhindert, dass Einzelne wiedererkannt werden. Im Dashboard kannst du jederzeit deinen Trainingsverlauf und deine Belohnungen einsehen und verwalten.

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„Während große Tech-Firmen solche Daten heimlich sammeln, sind wir offen, nutzergeführt und belohnen die Leute, die die KI wirklich trainieren”, sagt Yamani.

Können Bots das System austricksen?

Um Probleme älterer Krypto-Belohnungssysteme zu vermeiden, prüft Action Model das echte Nutzerverhalten mithilfe von Verhaltensanalysen. Das System achtet auf Muster, Timing, Abwechslung und Entscheidungsabläufe. So etwas ist für Bots oder Klickfarmen schwer nachzumachen.

„Sinnloses Klicken bringt fast nichts”, meint Yamani. „Echte Arbeitsschritte haben Ziele, Pausen, Korrekturen, Wiederholungen und Entscheidungen. Das lässt sich in großem Maßstab nicht fälschen.”

Andere Projekte, die für Social-Media-Interaktionen oder Beiträge belohnten, wurden kürzlich verbannt, nachdem sie riesige Mengen KI-Spam, Bots und Scheinaktivität erzeugt hatten. Folglich wurde der API-Zugang entzogen. Die Token-Ökosysteme sind daran zerbrochen.

ActionFi, die Belohnungs-Engine der Plattform, will das komplett verhindern. Es gibt keine Belohnung für Tweets oder Klicks. Nur geprüfte Abläufe, die echte, strukturierte digitale Arbeit darstellen, werden belohnt.

„Wir zahlen nicht für Lärm. Wir zahlen für sinnvolle Pfade”, ergänzt Yamani.

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Wem gehört das System wirklich?

Momentan steuert Action Model noch Erweiterung, Trainingsmodell und Belohnungssystem selbst. Doch das Projekt will die Kontrolle nach und nach an LAM-Token-Inhaber abgeben. Durch eine DAO sollen Nutzer später über Entscheidungen zur Plattform, Anreizsystemen und den Einsatz der Modelle mitbestimmen können.

„Anfangs müssen Systeme koordiniert werden. Die entscheidende Frage ist, ob die Plattform absichtlich zentral aufgebaut bleibt”, erklärt Yamani.

Wenn alles wie geplant umgesetzt wird, können Token-Inhaber über Infrastruktur-Fragen mitbestimmen, die mit ihren beigetragenen Daten zusammenhängen.

KI verändert alles: Kommt jetzt auch die Eigentum-Revolution?

Die nächste Generation von KI lebt nicht nur von Sprache, sondern von Arbeit. Von Büroaufgaben bis zu Abläufen im Hintergrund – viele Jobs, die heute am Bildschirm passieren, könnten schon bald von intelligenten Agenten übernommen werden.

„Du hast davon gehört, dass Millionen von Bildschirmjobs automatisiert werden. Das ist keine Zukunftsmusik – es passiert bereits”, sagt Yamani. „Wenn deine Daten eine KI trainieren, solltest du auch ein Stück vom Ergebnis besitzen.”

Ob das Action Model wachsen, transparent bleiben und eine nachhaltige Wirtschaft aufbauen kann, werden wir in den nächsten Monaten genau beobachten. Das Ziel ist aber klar. Bei Künstlicher Intelligenz geht es nicht nur darum, was sie kann. Es geht vor allem darum, für wen sie arbeitet.

KI verändert die Arbeitswelt. Doch gehören die Zukunft und die Vorteile dann den Plattformen oder den Menschen?

Haftungsausschluss

Gemäß den Richtlinien des Trust Project werden in diesem Artikel Meinungen und Perspektiven von Branchenexperten oder Einzelpersonen vorgestellt. BeInCrypto ist um eine transparente Berichterstattung bemüht, aber die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die von BeInCrypto oder seinen Mitarbeitern wider. Die Leser sollten die Informationen unabhängig überprüfen und einen Fachmann zu Rate ziehen, bevor sie Entscheidungen auf der Grundlage dieses Inhalts treffen.

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