Die Bank of America hat in dieser Woche ihre Prognose für den Markt von Server-CPUs bis 2030 auf mehr als 210 Milliarden USD angehoben und bezeichnet AMD weiterhin als ihre Top-Auswahl. Der Optionsmarkt sieht das jedoch anders: Dort halten Trader aktuell mehr bärische Kontrakte auf die AMD-Aktie als bullische.
AMD schloss gestern bei 483,01 USD, das ist ungefähr doppelt so viel wie der Kurs im April. Hinter der Rallye zeigen Daten zur Positionierung, dass Schutzkäufe getätigt werden, Geld abfließt und Hedgefonds die Aktie reduzieren. Sie setzen nun bevorzugt auf Nvidia.
Warum setzt die Bank of America auf AMD?
Die Bank hat ihre Prognose von 170 Milliarden USD auf nun mehr als 210 Milliarden USD angehoben. Das ist fast das Fünffache des geschätzten Marktes für 2025. Sie erwartet ein jährliches Wachstum von 36% bis 2030. Der Haupttreiber ist agentische KI, also Softwareagenten, die mehrere Aufgaben eigenständig ausführen, ohne auf menschliche Anweisungen zu warten.
Analyst Vivek Arya erklärt, dass diese Agenten die CPU zum zentralen Steuerungselement im Rechenzentrum machen. Er sieht agentische KI als wichtigen Faktor für die wachsende Nachfrage und erwartet, dass sich das Verhältnis von einer CPU auf vier GPUs zu eins zu eins verschiebt.
Möchten Sie mehr solcher Einblicke? Melden Sie sich für den täglichen Newsletter von Chefredakteur Harsh Notariya hier an.
AMD bleibt für die Bank die bevorzugte CPU-Aktie im Rennen um KI-Chips. Diese Einschätzung war auch der Grund für die seltene doppelte Hochstufung von Intel im Juni.
Warum sichern Optionshändler die AMD-Aktie trotzdem ab?
Ursache ist vor allem der starke Anstieg selbst. AMD hat am 4. August die Schätzungen für das zweite Quartal übertroffen, die Aktie fiel trotzdem um 8%. Das zeigt, dass die Rallye bereits perfekte Erwartungen eingepreist hatte.
Seitdem bauen Trader weiter Schutzpositionen auf. Das Verhältnis zwischen offenen Put- und Call-Kontrakten auf AMD ist auf 1,15 gestiegen. Das bedeutet, dass mehr bärische als bullische Kontrakte im Umlauf sind. Das tägliche Volumen-Verhältnis liegt bei 0,85.
Bei Nvidia ergibt sich umgekehrt ein anderes Bild. Das Open Interest liegt bei 0,83, das Volumen-Verhältnis bei 0,52, sodass Calls den Handel dominieren. Trader zahlen, um AMD-Gewinne abzusichern und setzen gleichzeitig auf weiteres Aufwärtspotenzial bei Nvidia.
Wohin fließt das „smarte Geld“ tatsächlich?
Auch der Geldfluss spiegelt die Aufteilung wider. Der 20-Tage-Chaikin-Money-Flow von AMD, ein Maß für institutionellen Kauf- oder Verkaufsdruck, liegt bei -0,142. Das ist der schwächste Wert unter zehn großen Chipaktien und zeigt klar eine Verteilung. Nvidia, Broadcom, TSMC und Qualcomm zeigen stattdessen eine Akkumulation.
Das stellt eine deutliche Umkehr dar. Noch vor wenigen Wochen lag AMD beim Geldfluss vor Nvidia und galt an der Wall Street als bevorzugte Chipaktie.
TipRanks-Daten zeigen den Unterschied noch deutlicher. Nvidia erreicht einen Smart Score von 9 („Outperform“), AMD bleibt bei neutralen 6. Hedgefonds haben im letzten Quartal 15,1 Millionen Nvidia-Aktien gekauft und 4 Millionen AMD-Aktien verkauft.
Beide Aktien haben weiterhin die Einstufung „Starker Kauf” durch Analysten. Das Kursziel für AMD liegt bei 647 USD, was ein Aufwärtspotenzial von 34% bedeutet. Zudem sorgt das Anthropic-Chip-Abkommen für weiteres bullisches Momentum bei AMD. Der Optionsmarkt bevorzugt derzeit jedoch Nvidia, denn das Put/Call-Volumenverhältnis liegt dort mit 0,52 deutlich unter dem von AMD, das bei 0,85 steht.
Laut BofA gibt es eine gewisse Spannung in der Bewertung. AMD ist BofAs Favorit für CPUs, aber insgesamt bleibt Nvidia die bevorzugte Aktie im Sektor. Auch der Markt zeigt aktuell eine klare Tendenz zu Nvidia. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob das bärische Open Interest bei AMD bis zur nächsten Quartalszahlen-Präsentation abgebaut wird. Das würde zeigen, ob Trader auf einen Gewinner setzen oder aus der Aktie aussteigen.
Analysten-Meinung: Die vermeintliche Diskrepanz zwischen der BofA-Einschätzung und dem Markt ist weniger widersprüchlich, als sie wirkt. Analysten bewerten den CPU-Markt mit Blick auf das Jahr 2030, während Optionshändler sich auf die kurzfristigen Quartalszahlen konzentrieren. Sollte das Put-Open-Interest bei AMD zurückgehen, ohne dass der Kurs fällt, deutet das darauf hin, dass Trader lediglich ihre bisherigen Gewinne absichern, statt den aktuellen AMD-Narrativ zu verlassen.









