Billionäre kontrollieren Hälfte des weltweiten Vermögens – Kann Blockchain-Technologie helfen?

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Oxfam, ein internationaler Verbund von Hilfsorganisationen zur Bekämpfung der weltweiten Armut, weist in einem kürzlich erschienenen Bericht auf zunehmende Vermögensungleichheit hin. Laut Oxfam kontrollieren alle Milliardäre zusammen genommen die Hälfte des weltweiten Vermögens. Zu diesen 2152 Milliardären gehört selbstverständlich auch der noch anonyme Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto mit einem Vermögen von rund 9 Milliarden US-Dollar. Dadurch stellt sich die Frage, wie genau eine faire Vermögensverteilung aussieht und ob uns Blockchains und Kryptowährungen helfen können, zu einer besseren Verteilung zu gelangen.



Durch freie Marktwirtschaft vergrößert sich im Allgemeinen das weltweite Gesamtvermögen. Die Tragödie hierbei ist, dass es Personen, die bereits über Vermögen verfügen leichter fällt, an neu geschaffenes Vermögen zu gelangen, als mittellosen Personen. Das Versprechen der freien Marktwirtschaft, dass Menschen ihren Wohlstand durch wirtschaftlich sinnvolles Handeln vermehren können, lässt leider diejenigen außen vor, die in extremer Armut leben und daher um ihr tägliches Überleben kämpfen. Da diese Menschen nur wenig bis gar keinen Zugang zu Bildung haben, sind ihre Möglichkeiten für sozialen Aufstieg, auch über mehrere Generationen hinweg, begrenzt. Dazu kommt, dass es nach wie vor 1,7 Milliarden Erwachsene gibt, die nicht über ein Bankkonto verfügen und daher komplett von Finanzmärkten abgeschnitten sind. Dadurch haben sie nur eingeschränkte Möglichkeiten, wirtschaftlich und unternehmerisch zu handeln.

Der technologische Fortschritt der letzten zehn Jahre hat bereits enorm dazu beigetragen, dieses Problem abzuschwächen. Insbesondere haben es Smartphones möglich gemacht, ein internetfähiges Gerät günstig zu erwerben und somit Zugang zum kollektiven Wissensschatz der Menschheit und weiteren essentiellen Dienstleistungen zu erlangen. Durch Blockchains wird dieser Fortschritt auf eine weitere Ebene gehoben und mit dem Aufkommen des Internet of Value werden wir neue Formen des Wirtschaftens erleben. Es wird bisher ungeahnte neue Möglichkeiten geben, Werte zu erzeugen, diese mit anderen auszutauschen und dafür eine gerechte Entlohnung zu erhalten.



Gleichzeitig werden durch die Demokratisierung des Finanzwesens Möglichkeiten geschaffen, auch ohne Bankkonto Zahlungen zu tätigen oder zu erhalten. Beispielsweise führte Oxfam in Kooperation mit ConsenSys und der Zahlungsplattform Sempo ein Pilotprogramm durch, in welchem Hilfszahlungen an zwei Ortschaften in Vanuatu flossen. Dabei wurden Debitkarten, welche bereits mit Guthaben in der Stablecoin DAI ausgestattet waren, an die Bevölkerung verteilt. Dieses Guthaben konnte bei den örtlichen Geschäften eingelöst werden. Insgesamt war diese Lösung effizienter als Hilfszahlungen in Form von Bargeld, Schecks, oder Gutscheinen.

Letztlich ist es ein Teil der Philosophie von Kryptowährungen, die Probleme der traditionellen Finanzwelt ausgleichen zu wollen. Nicht zuletzt verwies Satoshi Nakamoto im Genesis-Block der Bitcoin-Blockchain auf die Bankenrettung im Zuge der Finanzkrise von 2008. Während die Konzentration von Reichtum in den Händen Weniger eine natürliche und unvermeidbare Folge der freien Marktwirtschaft ist, können die Reichen das Finanzsystem zusätzlich zu ihren Gunsten verzerren. So endete die Finanzkrise damit, dass Steuerzahler für die verantwortungslosen Spekulationen der Banken aufkommen mussten.

Ein weiteres Beispiel für eine unfaire Verzerrung der freien Marktwirtschaft liegt darin begründet, dass besonders gute Investments häufig nur für institutionelle oder zugelassene Anleger zur Verfügung stehen. Kleinanleger können diese Investitionen ausschließlich über Mittelsmänner wie Banken tätigen. Risikolose Anlagen werden darüberhinaus schlecht, in manchen Fällen sogar negativ verzinst, wodurch Anleger durch die stetige Inflation de facto enteignet werden. Durch die Tokenisierung und Demokratisierung von Anlageformen können wir mehr Chancengerechtigkeit auf dem Kapitalmarkt erzielen. Gleichzeitig bieten Anlageformen des dezentralisierten Finanzwesens einen fairen Zinssatz für das Anlegen von Stablecoins. Während Blockchain-Technologie somit zwar nur wenig zur Verringerung von Vermögensungleichheit beiträgt, fördert sie den verantwortungsbewussten Umgang mit Geld und die soziale Mobilität.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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