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Krypto-Regulierung in China: Stablecoins, RWA & Markttrends

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Geschrieben von
Oihyun Kim

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Redigiert von
Leonard Schellberg

10 März 2026 15:30 CET

Chinas gemeinsamer Hinweis vom 6. Februar — das Verbot von nicht genehmigten, an den Yuan geknüpften Stablecoins, die Einstufung der meisten RWA-Tokenisierung als illegal und die erneute Bestätigung des generellen Verbots von Krypto-Aktivitäten — stieß am Markt auf wenig Reaktion. Jason Atkins, Chiesf Commercial Officer bei der in Hongkong ansässigen Market-Making-Firma Auros, sagt, dass gerade die verhaltene Reaktion das wohl aussagekräftigste Signal ist.

Nach Jahren von Verboten und wiederholten Bestätigungen derselben Regeln hat der Markt Pekings ablehnende Haltung gegenüber dezentraler Krypto bereits weitgehend eingepreist. Somit liegt der Fokus nun auf den Details, was die Hinweise tatsächlich andeuten.

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Neu im Februar-Hinweis war vor allem die explizite Erwähnung der RWA-Tokenisierung. Das war das erste Mal, dass chinesische Aufseher dieses Thema namentlich angesprochen haben. Einige deuten dies als Verschärfung. Atkins sieht darin eher eine Frage der regulatorischen Ordnung.

Seine Begründung: Peking beobachtete, dass das Mining von Bitcoin sich in China zu einer riesigen Branche entwickelte, bevor es 2021 verboten wurde. Die Behörden mussten dann etwas eindämmen, das bereits bedeutend war. Da RWAs derzeit weltweit stark an Bedeutung gewinnen, möchte China diesen Fehler nicht wiederholen. Durch die explizite Nennung von Tokenisierung sehen die Behörden darin schon früh ein Risiko für die Kapitalsteuerung – denn eine schnellere, freiere Bewegung von Vermögenswerten widerspricht der Grundstruktur des chinesischen Finanzsystems.

Jason Atkins, Chief Commercial Officer bei Auros. Quelle: Screenshot von Consensus
Jason Atkins, Chief Commercial Officer bei Auros. Quelle: Screenshot von Consensus

Das bedeutet allerdings nicht, dass bald ein reguliertes RWA-Rahmenwerk kommen wird. Doch es zeigt, dass Peking dieses Feld nun deutlich genauer beobachtet als früher.

„Das Bitcoin-Mining in China entstand vermutlich, ohne dass die Behörden wirklich darüber nachgedacht haben – und dann wurde es zu groß”, sagte Atkins. „Ich denke, die Aufnahme von RWAs ist ein Zeichen dafür, dass sie bei den neuesten Entwicklungen frühzeitig mitregulieren wollen.”

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Stablecoins, Hongkong und das Infrastruktur-Argument

Ein Detail fiel Analysten erstmals besonders auf: Der Hinweis grenzt Stablecoins explizit von virtuellen Währungen ab und behandelt sie stattdessen als Instrumente, die „einige Funktionen von Fiat” erfüllen. Einige sehen darin eine leise Öffnung für chinesische Banken in Hongkong, langfristig unter dem dort neu entstehenden Regulierungsrahmen Stablecoin-Lizenzen zu beantragen.

Atkins hält diese Deutung für möglich, allerdings auf längere Sicht. Er versteht Stablecoins als Infrastruktur, nicht als Innovation: Wenn Stablecoins die Zahlungsabwicklung und Abrechnung deutlich verbessern, stärken sie das Bankensystem und bedrohen es nicht. Das ist etwas, mit dem Aufseher arbeiten können. Anfangs werden in Hongkong wohl Krypto-Start-ups die ersten Lizenzen erhalten, aber sobald das Rahmenwerk ausgereift und das Risiko kontrollierbar ist, werden sich auch die Banken anschließen.

Ob chinesische Technologiekonzerne – einige hatten vor einer Pause Projekte zu Stablecoins in Hongkong gestartet – jemals eine offizielle Freigabe erhalten, könne niemand von außen genau beurteilen, sagt Atkins offen. Gespräche im Hintergrund zwischen Peking und Hongkong bestimmen mit großer Sicherheit, wie weit die Stadt gehen darf. „Wir lesen das, was sie wollen, dass wir es lesen.”

Wie der USD unbemerkt digital die Führung übernimmt

Der vielleicht schärfste Teil von Atkins’ Analyse betrifft weniger das Verbot selbst, sondern vielmehr, was sich der Kontrolle entzieht. Aus seiner Sicht bringt der US-amerikanische GENIUS Act die Welt deutlich näher an eine Situation, in der digitale Transaktionen – wie im echten Leben – standardmäßig über auf USD lautende Systeme laufen. Jeder Kauf eines an den USD gebundenen Stablecoins bedeutet in der Praxis zum Teil einen Kauf von US-Staatsanleihen.

China kannte diese Einflussmöglichkeit: Im Jahr 2013 war das Land der größte ausländische Halter von US-Staatsanleihen mit über 1,3 Billionen USD – diese Position hat China über die Jahre abgebaut, heute hält es nur noch etwa 680 Milliarden USD und steht damit auf Rang drei hinter Japan und Großbritannien.

Doch US-Staatsanleihen kann Peking freiwillig verkaufen. In einer Welt, in der Stablecoins organisch und grenzüberschreitend angenommen werden, entfällt diese Entscheidungsmacht – die Nachfrage nach Dollar-besicherten Anleihen entsteht einfach durch alltägliche digitale Transaktionen, außerhalb der Kontrolle einzelner Staaten.

„Sie können es verbieten”, sagte er. „Aber wie kann man es wirklich stoppen?”

Die entscheidende Frage, die bisher niemand stellt

Atkins wies zum Abschluss darauf hin, dass weltweit bei neuen Stablecoin-Rahmenwerken und Tokenisierungs-Pilotprojekten die Frage offen bleibt, wer für die nötige Liquidität sorgt.

Anlaufpunkte in Fiat, Ausstiegsmöglichkeiten, stabile Kurse, möglichst geringe Kursabweichungen – all das entsteht erst, wenn Market Maker unter den richtigen Anreizen bereitstehen. Regeln können Zugänge schaffen, so Atkins, aber erst Liquidität macht die Nutzung tatsächlich sinnvoll:

„Ohne Liquidität funktioniert nichts Egal wie attraktiv Sie das Angebot machen.”

Wichtig ist, dass Atkins als CCO einer Market-Making-Firma spricht, die hiervon direkt profitiert. Der grundsätzliche Punkt bleibt jedoch: Gibt es keine Market Maker, die ständig beide Seiten eines Handels stellen, steigen Kursvolatilität und Spreads. Ein stabiler, zugänglicher Markt, wie ihn Regulierer – etwa in Hongkong, Washington oder irgendwann auch Peking – anstreben, lässt sich unter solchen Bedingungen nicht aufbauen.

China mag diese Realität ignorieren oder annehmen, der Staat könne das Problem mit eigener Infrastruktur lösen. Doch die unverzichtbare Basis jedes Stablecoin-Systems, unabhängig vom Ort, liegt bei Firmen wie Auros – ob Peking das zulassen möchte oder nicht.

Jason Atkins ist Chief Commercial Officer bei Auros, einem Krypto-nativen Algorithmus-Trading- und Market-Making-Unternehmen mit Niederlassungen in Hongkong und New York. Das Interview fand am 5. März 2026 statt.

Haftungsausschluss

In Übereinstimmung mit den Richtlinien des Trust Project verpflichtet sich BeInCrypto zu einer unvoreingenommenen, transparenten Berichterstattung. Dieser Artikel zielt darauf ab, genaue und aktuelle Informationen zu liefern. Den Lesern wird jedoch empfohlen, die Fakten unabhängig zu überprüfen und einen Fachmann zu konsultieren, bevor sie auf der Grundlage dieses Inhalts Entscheidungen treffen.

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