Eine Analyse von Coinglass, die verschiedene dezentrale, Perp-DEXes vergleicht, sorgt für heftige Diskussionen und zeigt dabei Spaltungen im Krypto-Derivate-Sektor.
Die Untersuchung hat deutliche Unterschiede beim Handelsvolumen, dem offenen Interesse und den Liquidationen bei Hyperliquid, Aster und Lighter gezeigt. Nutzer fragen sich nun, was auf diesen Plattformen wirklich als echte Handelsaktivität gilt.
Coinglass-Daten lösen Diskussion über echten Handel auf Perpetual-DEXes aus
Coinglass steht in der Kritik, nachdem sie einen Vergleich von perp DEXes veröffentlicht und hinterfragt haben, ob das berichtete Handelsvolumen in Teilen des Sektors tatsächlich echte Marktaktivität zeigt.
SponsoredEin 24-Stunden-Vergleich zwischen Hyperliquid, Aster und Lighter zeigt Folgendes:
- Hyperliquid verzeichnete etwa 3,76 Milliarden USD Handelsvolumen, 4,05 Milliarden USD offenes Interesse und 122,96 Millionen USD an Liquidationen.
- Aster hatte 2,76 Milliarden USD Volumen, 927 Millionen USD offenes Interesse und 7,2 Millionen USD an Liquidationen.
- Lighter meldete 1,81 Milliarden USD Volumen, 731 Millionen USD offenes Interesse und 3,34 Millionen USD an Liquidationen.
Laut Coinglass können solche Unterschiede wichtig sein. In perpetual Futures-Märkten geht ein hohes Handelsvolumen, das oft durch gehebelte Positionen entsteht, meist mit dem offenen Interesse und Liquidationsaktivitäten bei Kursbewegungen einher.
Das Unternehmen meint, dass statt echter Absicherungsnachfrage die Kombination aus hohem gemeldetem Volumen und relativ niedrigen Liquidationen Folgendes bedeuten kann:
- Handel wegen Anreizen
- Market-Maker-Schleifen oder
- Punkte-Farming.
Deshalb schließt Coinglass, dass Hyperliquid bei wichtigen Kennzahlen eine bessere innere Übereinstimmung zeigt.
Sponsored SponsoredDas Volumen einiger Konkurrenten sollte man allerdings noch genauer prüfen, zum Beispiel mit weiteren Kennzahlen wie den Funding-Raten, Gebühren, Tiefe des Orderbuchs und Anzahl der aktiven Händler.
„Fazit … Hyperliquid zeigt eine viel stärkere Übereinstimmung zwischen Volumen, OI und Liquidationen – ein besseres Signal für echte Aktivität. Aster/Lighters Volumenqualität braucht dagegen weitere Überprüfung (gegen Gebühren, Funding, Orderbuch-Tiefe und aktive Händler)“, so das Analyseportal.
Kritik wächst – Coinglass hält an seiner Meinung fest
Allerdings sagen Kritiker, dass Schlussfolgerungen aus einer einzigen Tagesaufnahme täuschen können. Sie schlagen vor, die Daten könnten auch anders erklärt werden. Dazu gehört unter anderem, dass große Händler (Wale), verschiedene Handelsalgorithmen oder Unterschiede im Marktaufbau die Liquidationsmuster beeinflussen, ohne dass das Volumen künstlich aufgebläht wäre.
Andere fragen sich, ob die Zahl der Liquidationen allein ein gutes Zeichen für die Marktgesundheit ist. Denn mehr Liquidationen können auch einfach auf hohe Hebel oder ein sehr bewegtes Handelsumfeld hinweisen.
Coinglass weist hingegen die Vorwürfe zurück, ihre Analyse sei reine Spekulation oder FUD gewesen und betont, die Schlussfolgerungen basieren auf öffentlich zugänglichen Daten.
Sponsored„Coinglass hat nur ein paar Auffälligkeiten basierend auf öffentlichen Daten gezeigt. Wir hatten nicht erwartet, dass eine neutrale, datenbasierte Beobachtung so heftige Reaktionen auslöst“, schrieb das Unternehmen und ergänzte, dass offene Diskussionen und Kritik nötig seien, damit die Branche sich weiterentwickelt.
Coinglass sagte außerdem, dass man Meinungsverschiedenheiten eher mit besseren Beweisen als mit Vorwürfen begegnen sollte.
Das Unternehmen meint weiter, höhere Hebel-Limits auf manchen Plattformen könnten dort zu mehr Zwangsliquidationen führen. Folglich verschiebt das die Diskussion weg von reinen Zahlen hin zum Design und einem besseren Risikomanagement der DEXes.
Rückschlag bei Perp-DEXes: Was gilt wirklich als „echte“ Aktivität?
Der Streit kommt in einer Zeit, in der es viele Diskussionen rund um Hyperliquid und den Markt für perpetual DEXes gibt.
Kyle Samani, Mitgründer von Multicoin Capital, hat zuvor öffentlich Kritik an Hyperliquid geübt, insbesondere wegen Themen wie Transparenz, Steuerung und der geschlossenen Software.
Sponsored SponsoredSeine Kommentare haben starke Reaktionen bei Tradern und Unterstützern der Plattform ausgelöst. Viele von ihnen haben die Kritik abgelehnt und dabei auch seine Beweggründe hinterfragt.
Arthur Hayes, Mitgründer von BitMEX, hat den Streit weiter angeheizt. Er schlug eine Wette über 100.000 USD für wohltätige Zwecke vor. Samani soll dafür einen bekannten Altcoin mit einer Marktkapitalisierung über 1 Mrd. USD auswählen. Dieser Coin soll mehrere Monate gegen den Hyperliquid-Token HYPE um die bessere Kursentwicklung antreten.
Der Streit zeigt ein größeres Problem in den Krypto-Derivatemärkten: Es gibt keine einheitlichen Messgrößen, um die Aktivitäten auf den DEXes zu bewerten.
Das Handelsvolumen gilt schon lange als wichtigster Erfolgsindikator. Zudem machen aber neue Anreizprogramme, Airdrop-Aktionen und Liquiditäts-Mining-Strategien die Auswertung dieser Zahlen komplizierter.
Da immer neue Perp-DEXes starten und der Wettbewerb größer wird, werden Begriffe wie offene Positionen, Liquidationsmuster, Höhe des Hebels und Tiefe des Orderbuchs immer wichtiger für die Bewertung der Märkte.
Dieser Vorfall rund um Coinglass zeigt, dass die Bedeutung von Marktdaten jetzt stärker im Mittelpunkt steht – oft wird um die Auslegung gestritten. Folglich dürfte die Debatte darüber, was diese Zahlen wirklich bedeuten, noch intensiver werden, während der Markt für unendliche Krypto-Futures wächst.