Crypto AG spionierte geheime Kommunikation aus – CIA und BND beteiligt

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Aus einem Bericht des ZDF wurde heute bekannt, dass der Bundesnachrichtendienst und die CIA über Jahrzehnte hinweg die geheime Kommunikation anderer Staaten abgehört haben. Die groß Angelegte Spionageaktion ging ausgerechnet von einem Unternehmen (Crypto AG) aus, welches im Schweizer Kanton Zug, auch bekannt als “Crypto Valley”, beheimatet war.



Hintertüren in Verschlüsselungsgeräten

Das Schweizer Unternehmen Crypto AG war ein führender Hersteller von Chiffriermaschinen. Nun wurde bekannt, dass das Unternehmen über Jahrzehnte hinweg vom Bundesnachrichtendienst (BND) und dem US-Amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA betrieben wurde. Die beiden Geheimdienste bauten dabei Hintertüren in die weltweit eingesetzten Verschlüsselungsgeräte ein.

Das hat es ihnen erlaubt, die geheime Kommunikation von mindestens 120 Regierungen und Nachrichtendiensten abzuhören. Die CIA unterschied dabei nicht zwischen Freunden und Feinden. Auch verbündete Nationen sollen bei der Überwachungsaktion wie Drittweltstaaten behandelt worden sein.



Die neuen Erkenntnisse sind ein Produkt der gemeinsamen Recherche des ZDF, der Washington Post und dem Schweizer Fernsehsender SRF. Aus dem Bericht des ZDF geht hervor, dass durch die Spionage Menschenrechtsverletzungen zwar bekannt wurden, allerdings von den Nachrichtendiensten vertuscht worden sind. Ein Beispiel, welches das ZDF anführt, ist die argentinische Militärjunta, welche in den 70er Jahren über 30.000 Menschen ermordete.

Crypto AG Kunden zahlten für die eigene Überwachung

Zu den Verwendern der Chiffriergeräte zählten Spione, Soldaten und Diplomaten in mindestens 62 Ländern. Diese konnten aus Dokumenten, welche der Washington Post zugestellt wurden, identifiziert werden. Die Dokumente deuten allerdings darauf hin, dass mindestens 120 Länder ausspioniert wurden.

Das perfide daran: Die Länder vertrauten auf die Sicherheit der Geräte, welche von der Crypto AG bereitgestellt wurden und zahlten gutes Geld dafür. Die deutschen Anteile der Einnahmen der Crypto AG wurden dabei stillschweigend dem BND-Haushalt zugeschlagen, ohne Vorherige Kontrolle durch den Haushaltsausschuss des Bundestags, oder den Bundesrechnungshof.

Nach der Wiedervereinigung verkaufte der BND seine Anteile an der Crypto AG an die CIA und nahm dabei zusätzliche 17 Millionen US-Dollar ein. In den Jahren 2017 und 2018 verkaufte die CIA schließlich die Crypto AG für einen Betrag zwischen 50 und 70 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen wurde daraufhin in die CyOne AG für den Schweizer Markt und die Crypto International AG für den Weltmarkt aufgeteilt.

Während CyOne anscheinend von den Verbindungen zur CIA und dem BND wusste, dementierte der Vorstandsvorsitzende der Crypto International, Andreas Linde, jegliches Wissen um die Verstrickungen in die internationale Spionage. Gegenüber der Washington Post sprach Linde davon, dass er sich, genau wie seine Familie, seine Mitarbeiter und seine Kunden, betrogen fühle.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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