Drohnen steigen auf, bürgerliche Freiheiten stürzen ab?

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IN KÜRZE
  • Polizeidrohnen erzwingen soziale Distanzierung.

  • Militärdrohnen reformieren die Art und Weise, wie Soldaten städtische Kriege abwickeln.

  • Fortschritte in der Drohnen-Technologie: Eine Gefahr für unsere Privatsphäre?

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Die Drohnen-Technologie hat entgegen der landläufigen Meinung eine lange Geschichte. Die Vereinigten Staaten begannen bereits 1916 während des Ersten Weltkriegs mit der Entwicklung unbemannter Luftfahrzeuge (Unmanned Aerial Vehicles, UAV) und wurden zum Vorläufer der ersten pilotlosen Flugzeugtechnologie.

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Dann, im Jahr 2002, begann die Central Intelligence Agency (CIA) erstmals mit dem Einsatz einer unbemannten Predator-Drohne bei gezielten Tötungsmissionen terroristischer Aufständischer in der Provinz Paktia in Afghanistan.

Strafverfolgungsdrohnen und soziale Distanzierung

Drohnen finden in der heutigen technologiegetriebenen Welt eine breite Anwendung. Sie bringen die Kraft des Fliegens dazu, ein Verbraucherbedürfnis zu befriedigen. Das hat ein beispielloses Maß an Komfort geschaffen. Insbesondere während des Ansturms von COVID-19 und der Notwendigkeit sozialer Distanzierung.

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Infolgedessen sind die Lieferservices exponentiell gewachsen. Innovatoren und Unternehmen haben in der Luft einen neuen Weg gefunden, um die Bedürfnisse der Kunden zu erfüllen. Und begrenzen gleichzeitig die Notwendigkeit in Supermärkte zu gehen und soziale Kontakte wahrzunehmen.

Anfang dieses Jahres startete die Polizeibehörde der Stadt Savannah Georgia den Einsatz „sprechender Drohnen“, um eine lokale Botschaft der sozialen Distanzierung durchzusetzen. Diese Drohnen gaben eine zuvor aufgezeichnete Botschaft an Menschen in Menschenmengen wieder, die keine soziale Distanzierung praktizieren.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Drohnen weder für zufällige Patrouillen noch als neue Polizeieinheit eingesetzt wurden oder Fußpatrouillen ersetzen sollten. Sie halfen dabei, Beamte vor potenziellem Kontakt mit einer infizierten Person zu schützen.

Der Einsatz von Ferndrohnen

Mehrere andere Polizeidienststellen in den USA setzen aus demselben Grund Ferndrohnen ein. Während die italienische Polizei auf der anderen Seite der Welt Drohnen einsetzte, um Verstöße gegen die landesweite Sperrverordnung aufzuspüren.

Die Elizabeth New Jersey Police Department sagte im April:

Wir versuchen Leben zu retten, nicht Big Brother zu sein. Wenn dieser Plan ein Leben rettet, lohnt es sich. Alles, was Drohnen machen, ist eine automatisierte Benachrichtigung über soziale Distanz zu verbreiten. Es werden keine Aufnahmen oder Bilder gespeichert. Sie sind nur ein Hilfsmittel, zur Durchsetzung von Regeln.

Der Einsatz von Drohnen zur Unterstützung der Strafverfolgung bei der Förderung und Durchsetzung sozialer Distanzierung zog teilweise heftige Kritik nach sich. Um den Kontakt zwischen Strafverfolgungsbehörden und Bürgern zu begrenzen, bot diese Technologie der Polizei ein alternatives Mittel zur Kommunikation und Interaktion mit Bürgern. So minimierten die Behörden ein mögliches Gesundheitsrisiko für sich selbst und andere.

Das Drogenkartell verwendet improvisierte Drohnen mit C4

Nach über hundert Jahren Forschung und Entwicklung haben sich Drohnen und ihr Einsatz heutzutage exponentiell weiterentwickelt. Sie finden in vielen Einsatzbereichen ihre Anwendung. Beispielsweise, um Luftaufnahmen für Hollywood-Blockbuster zu machen. Aber auch, um Mahlzeiten und Pakete zu liefern, für Polizeieinsätze, Gesichtserkennung zur Identifizierung von Kriminellen und Vermissten und als Militärwaffe. Aber das mexikanische Drogenkartell nutzt die Drohnen eben auch zur Abgabe und Detonation von C4-Sprengkörpern.

Das Jalisco Nueva Generacion Cartel (JNGC) ist angeblich eines der gewalttätigsten und gefährlichsten mexikanischen Drogenkartelle. Sie begannen, diese Offensivtaktik zu nutzen, um rivalisierende Kartelle im Südwesten Mexikos und ihre Feinde in der Stadt Tepalcatepec im Bundesstaat Michoacan anzugreifen.

C4 ist ein explosives Material, das für militärische Zwecke gedacht ist. Die JNGC stellte jedoch eine improvisierte Version des Sprengstoffs her, die aus einer Nutzlast von Pellets besteht und ihre Rivalen durchdringen soll. Das Gerät wird mit einem Metallband an der Drohne befestigt. Von einem anderen Ort feuern die Angreifer dann die Waffe ab.

Der Einsatz dieser neuen Form des Luftbombenangriffs wurde vom Büro des Generalstaatsanwalts der Republik, bekannt als Fiscalía General de la República, als Terrorakt eingestuft. Das Büro des Generalstaatsanwalts der Republik begann im Mai mit der Untersuchung des JNGC. Im Verlauf der Untersuchung fand die Staatsanwaltschaft in Cuebla, südöstlich von Mexiko, neben C4-Sprengstoff auch mehrere Waffen-Drohnenkomponenten.

Ein Teil der Bevölkerung von Tepalcatepec und sogar die Selbstverteidigungsgruppen haben begonnen, sich von dieser Brutstätte des Terrors zu entfernen. Sie befürchten, dass es nicht möglich ist, diese neue Form des Angriffs effektiv zu bekämpfen.

Eine Drohne mit Feuerkraft

Die Drohnen-Technologie steigt die sprichwörtliche Evolutionsleiter hinauf. Der Schwerpunkt scheint auf der militärischen Drohnen-Technologie zu liegen. Diese soll Soldaten am Boden schützen und eine neue Ära der Kriegsführung einleiten.

Auf diese Weise soll die die Notwendigkeit, Bodentruppen dort einzusetzen, wo potenzielle Opfer zu beklagen sind, vollständig aufgelöst werden.

Die TIKAD-Drohne gehört zu den neuesten Drohneninnovationen, die von Duke Robotics entwickelt wurden. Sie verfügt über ein Maschinengewehr, einen Granatwerfer und eine Vielzahl anderer Waffen. Ausgestattet mit einem leichten Roboter-Kardanring und der Fähigkeit, Nutzlastrückstöße auszugleichen, die bis zum Dreifachen ihres Gewichts betragen.

Die kleine Luftdrohne wird von einem Menschen gesteuert, der das Fliegen und das Zielen auf feindliche Ziele ausführt und an einem sicheren Ort den Abzug drückt, wodurch angeblich die Möglichkeit von Truppenverlusten verringert wird.

Die Genauigkeit ist von entscheidender Bedeutung, denn die Möglichkeit eines Kollateralschadens auf dem Schlachtfeld aufgrund einer verirrten Kugel, die das falsche Ziel trifft, gehört zur ernüchternden Realität.

Oberstleutnant Raziel Atuar, ein 20-jähriger Veteran des israelischen Militärs, der als Reservist bei den israelischen Spezialeinheiten diente, erklärt:

Es gibt kleine Gruppen [von Gegnern], die in überfüllten zivilen Gebieten arbeiten und Zivilisten als Schutzschilde verwenden. Aber du musst das Risiko reingehen. Selbst um ein paar Leute mit einem Mörser zu bekommen, musst du ein Bataillon schicken und du verlierst Leute. Menschen werden verletzt. Die operative Herausforderung wachsen.

Die USA entwickelt Drohnenschwärme

Im November 2019 startete der Test der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) in Utah eine neue Art von Drohne namens X-61A Gremlin. Die Drohnen verlassen das Flugzeug in Schwarmform, führen ihre Operation aus und kehren dann geschlossen wieder zum Flugzeug zurück.

Das klingt wie aus einem Science-Fiction-Film. Stell dir ein Militärtransport- oder Bomberflugzeug vor, das diese autonomen Schwarmvorrichtungen in seinem Rumpf trägt. Der Schwarm besteht aus rund 250 kleinen unbemannten Flugzeugsystemen, die aus einem Militärflugzeug fallen und sich gemeinsam in einem städtischen Gebiet bewegt. Als Schwarm koordiniert, plant und optimiert die fliegende Truppe ihren eigenen Flugplan autonom.

Diese neue Technologie ist ideal für eine Vielzahl von Missionen geeignet und kann in komplexen städtischen Umgebungen Einsatz finden. Laut DARPA wird der Schwarm über adaptive Verhaltensfähigkeiten verfügen, die über die traditionellen Fähigkeiten ferngesteuerter unbemannter Flugzeugsysteme hinausgehen und es den Betreibern ermöglichen, maßgeschneiderte Schwarmtaktiken zu entwerfen und umzusetzen.

DARPA entwarf den Gremlin X-61A, um die Militärausgaben zu senken. Ferner kann diese Innovation den Drohnen angeblich eine größere Reichweite bieten, als bei einem Einsatz von einem Luftwaffenstützpunkt aus. Das US-Militär hatte jahrelang an einem früheren Konzept gearbeitet und bereits 2017 ein ähnliches autonomes Luftschwarmsystem getestet, das aus Mikro-UAVs bestand.

Bedenken wegen Menschenrechtsverletzungen

Noel Sharkey, Professor für künstliche Intelligenz (KI) und Robotik und Professor für öffentliches Engagement an der Universität von Sheffield, äußerte Besorgnis über Menschenrechtsverletzungen beim Einsatz großer Starrflügeldrohnen. Diese neue Welle der Drohnen-Technologie könnte das Töten von unschuldigen Menschen, gefangen im Kreuzfeuer, einfacher machen.

Sharkey argumentiert seit einem Jahrzehnt gegen „Killerroboter“. Insbesondere gegen Roboter, bei denen es sich um vollständig autonome, computergesteuerte Waffen handelt, mit denen Ziele ohne menschlichen Bediener verfolgt und ausgewählt werden können. Sharkey erklärt:

Große Militärdrohnen müssen traditionell Tausende von Fuß hoch fliegen, um zu Zielen zu gelangen. Aber diese kleineren Drohnen könnten leicht die Straße entlang fliegen, um Gewalt anzuwenden.

Ein besonderes Anliegen von Sharkey ist die realistische Möglichkeit, dass Bedrohungsakteure militärische Drohnen-Technologie rückentwickeln oder kopieren könnten. Improvisierte Waffen auf Drohnen könnten sich zu einer weiter verbreiteten Angriffsform entwickeln, entweder in der städtischen Kriegsführung oder im häuslichen Terrorismus. Dann könnten selbst modifizierte Drohnen, die von kommerziellen Einzelhändlern verkauft werden, möglicherweise solche Szenarien in die Realität umsetzen. Wie im Fall des JNGC-Drogenkartells. Sharkey erklärt:

Wir wissen bereits, dass der islamische Staat mit Sprengstoff beladene Drohnen einsetzt, um Menschen zu töten. Was hindert sie daran, dies in die Hände zu bekommen? Das Kopieren war mit großen Militärdrohnen nicht möglich. Aber die Technologie im Kleinen ermöglicht, dass sie automatische Waffen an einer Drohne befestigen und aus der Ferne bedienen. Das ist sehr viel einfacher.

Die Frage bleibt: Drohnen oder bürgerliche Freiheiten?

Die Federal Aviation Administration prognostiziert, dass US-amerikanische Drohnen-Hobbyisten bis zum Jahr 2021 mehr als 3,5 Millionen Drohnen besitzen werden, wobei 1,6 Millionen kommerzielle Drohnen im Einsatz sind.

Mit zunehmender Anzahl von Drohnen am Himmel steigen auch die Bedenken hinsichtlich Privatsphäre und Sicherheit. Zum Beispiel gab es bereits eine Reihe von Vorfällen, bei denen sich die Bürger die Freiheit genommen haben, Drohnen abzuschießen, die über ihr Eigentum fliegen. Nicht jeder teilt die gleiche Meinung über diese Technologie.

Ein perfektes Beispiel dafür, warum Menschen negative Ansichten in Bezug auf Drohnen teilen, könnte wohl das Gefühl sein, dass Regierungen häufig eine Machtüberschreitung ausüben. So wie im Fall der Proteste in Baltimore im Jahr 2015 wegen des Todes von Freddie Gray. Dieser war wegen Waffenbesitz verhaftet worden und starb 45 Minuten später in Polizeigewahrsam. Wenn Menschen an Drohnen denken, ist die Schlussfolgerung: „Überwachung“.

Die American Civil Liberties Union (ACLU) erhielt Beweise durch eine Anfrage des Freedom Of Information Act, aus der hervorging, dass das Federal Bureau of Investigation (FBI) Drohnen einsetzte, um Bürger zu überwachen, die an den Protesten in Baltimore nach Freddie Grays Tod teilnahmen.

Im selben Jahr erhielt die ACLU vom FBI Aufzeichnungen, aus denen hervorgeht, dass die Behörde mindestens 10 Überwachungsflugmissionen über die Stadt Baltimore geflogen war, während die Straßen der Stadt voller Bürger waren, die gegen Grays Tod protestierten und um ihn trauerten.

Die Tech-Welt bringt weiterhin neue und innovative Technologien hervor. Diese sollen dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. So bleibt es immer ein berechtigtes Anliegen hinsichtlich Eingriffen in die bürgerlichen Freiheiten zu hinterfragen. Dies wird immer ein Balanceakt bleibt, während beide Seiten – Drohnenbefürworter und Bürgerrechtler – die andere Partei überzeugen möchten.

 

Auf Englisch geschrieben von Jesse McGraw, übersetzt von Markus Wald. 

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