Der Bitcoin-Kurs ist aktuell mehr als 40% unter dem Allzeithoch von Oktober vor nur fünf Monaten. Der gesamte Krypto-Markt hat fast zwei Billionen USD verloren. Es steht daher außer Frage, dass wir uns in einem Bärenmarkt befinden. Die große Frage lautet: Wann endet er?
Unter der aktuellen Kursschwäche finden jedoch grundlegende Veränderungen statt. Beim letzten Expertengespräch des BeInCrypto Expert Council diskutierten Führungskräfte von Standard Chartered, Bitwise und den institutionellen Krypto-Märkten darüber, dass das Ende des Bärenmarktes vermutlich durch mehrere Auslöser, die sich mit der Zeit aufbauen, eingeleitet wird.
CLARITY Act: das steckt dahinter
Seit Anfang 2025 gibt es viele regulatorische Entwicklungen in den USA, die die Krypto-Währung unterstützen. Der GENIUS Act hat den Weg für Stablecoins freigemacht, während die SEC ihre Agenda, durch Durchsetzung zu regulieren, eingestellt hat.
Dennoch ist das wichtigste Krypto-Gesetz der USA noch nicht verabschiedet, weil Banken weiterhin gegen Stablecoin-Renditen argumentieren. Dabei geht es um den CLARITY Act.
Das geplante Gesetz zur Struktur des Krypto-Marktes soll festlegen, wer die Regulierung digitaler Vermögenswerte überwacht. Wenn es verabschiedet wird, fördert es das Engagement von Banken, Vermögensverwaltern und Zahlungsunternehmen.
Gerade Märkte, die aktuell durch Vorsicht und makroökonomische Risiken geprägt sind, könnten vom CLARITY Act ein starkes Signal für neue Zuversicht erhalten.
Tech-Aktien erholen sich, makroökonomisches Umfeld im Fokus
Die Krypto-Märkte sind weiterhin eng mit Technologiewerten und anderen risikobehafteten Vermögenswerten verbunden. Wenn Technologieunternehmen schwächeln, ist die Volatilität bei Krypto oft noch größer.
Die jüngsten Kursrückgänge fielen zusammen mit einer allgemeinen Risikoaversion. Dazu zählt auch der Druck auf Technologie-Aktien sowie Sorgen um strengere Finanzbedingungen.
Zum Beispiel liegt der NASDAQ-100 Technology Sector Index seit Jahresbeginn über 2% im Minus.
Aufgrund dieser Korrelation könnte Krypto Schwierigkeiten haben, eine Rallye durchzuhalten, solange das makroökonomische Umfeld nicht besser wird.
Mit anderen Worten: Die nächste Erholung bei Krypto könnte mit Signalen außerhalb des eigenen Sektors beginnen.
Institutionelle Krypto-ETF-Zuflüsse kehren zurück
Die Nachfrage von institutionellen Investoren ist zu einer wichtigen Kraft im Kryptomarkt geworden. Als Bitcoin-ETFs im Jahr 2024 und 2025 hohe Zuflüsse verzeichneten, nahmen sie einen großen Teil des Marktangebots auf.
Beim jüngsten Abwärtstrend gab es hingegen viele Abflüsse aus den ETFs, was die Verkaufswelle noch verstärkte.
Ein Umschwung dieses Trends könnte zeigen, dass langfristige Investoren die aktuellen Krypto-Kurse wieder als attraktive Einstiegspunkte sehen.
Die institutionellen Geldströme bewegen sich meist langsam, können aber, wenn sie zurückkehren, das Marktumfeld entscheidend verändern.
„Sie werden beginnen, Bitcoin-Kurse bei 50.000 oder 60.000 USD als extrem attraktive mittelfristige Handelsmöglichkeiten zu sehen“, sagte Geoff Kendrick von Standard Chartered.
Agentic Finance, die nächste Blockchain-Erzählung
Ein weiterer Auslöser kann aus neuen technologischen Entwicklungen im Bereich der automatisierten digitalen Finanzwelt entstehen.
Agentic Finance meint KI-gesteuerte Agenten, die autonom Finanztransaktionen durchführen, Vermögenswerte verwalten und mit Blockchain-Netzwerken interagieren können.
Die Idee steckt noch in den Anfängen. Dennoch beschäftigen sich immer mehr große Zahlungs- und Technologieunternehmen mit automatisierten Finanzsystemen auf Blockchain-Basis.
Wenn solche Ideen in echte Produkte und mehr Transaktionen umgesetzt werden, kann das langfristig die Nutzung dezentraler Infrastruktur stärken.
„Der Aufstieg von Agentic Finance als neues Narrativ für Krypto, darauf aufzubauen, ist meiner Meinung nach ein großer neuer Auslöser“, sagte Matt Hougan.
Fortschritte bei Maßnahmen gegen Quantenrisiken
Risiken durch Quantencomputing werden immer wieder als Sorge für die langfristige Sicherheit von Blockchains genannt.
Auch wenn die Bedrohung bislang nur in der Theorie besteht, fordert ein Teil der Krypto-Community weiterhin stärkere kryptografische Schutzmaßnahmen.
Entwickler, die an Strategien zur Abmilderung arbeiten, könnten eine weitere Unsicherheit vom Markt nehmen. Sogar kleinere Fortschritte bei quantensicherer Kryptografie könnten Investoren beruhigen, die sich wegen langfristiger Infrastruktur-Risiken sorgen.
„Fortschritte beim Thema Quanten von Bitcoin-Core-Entwicklern”, merkte Hougan an, könnten Bedenken von Investoren adressieren, die das Thema beobachten.
Weniger Volatilität, stärkere Krypto-Marktstruktur
Ein markanter Unterschied zwischen diesem Abschwung und früheren Krypto-Wintern ist das Ausbleiben großer Branchenausfälle. In der Vergangenheit hatten Insolvenzen wichtiger Unternehmen frühere Bärenmärkte geprägt, besonders im Jahr 2022.
Heute wirkt der Markt stabiler. Die Infrastruktur ist besser, Institutionen sind stärker involviert und die Volatilität ist im Vergleich zu früheren Zyklen zurückgegangen.
Weniger Volatilität sorgt oft dafür, dass Investoren zurückkehren, weil die Märkte weniger chaotisch und besser investierbar erscheinen.
Krypto-Markt dreht sich langsam, plötzliche Umkehr unwahrscheinlich
Die Botschaft des Councils lautete, dass sich der Krypto-Markt nicht durch ein einzelnes dramatisches Ereignis erholen wird.
Stattdessen könnte der nächste Zyklus langsam starten, wenn verschiedene strukturelle Entwicklungen im Laufe der Zeit für mehr Zuversicht sorgen.
„Ich glaube, die Leute fragen immer, was der Auslöser ist, an dem wir das Tief erreichen“, sagte Hougan. „Das ist nicht das richtige Denkmuster … Für mich ist es eher wie eine Waage, auf die man einen Kieselstein nach dem anderen legt und irgendwann kippt das Gleichgewicht.“
Falls dieses Modell zutrifft, wird das Ende des aktuellen Bärenmarktes wohl nicht plötzlich kommen. Es kommt leise, ein Auslöser nach dem anderen.