Der Ethereum-Kurs (ETH) schwankt weiterhin um die 2.000-USD-Marke, nachdem Strategy zum ersten Mal seit Jahren Bitcoin verkauft hat und dadurch der Markt verunsichert wurde. Die Reaktion auf der Blockchain hat sich in zwei Lager aufgeteilt: Großhalter setzen auf fallende Kurse, während Trader auf der DEX Hyperliquid leise dagegenhalten.
ETH hat im Monatsvergleich mehr als 13% verloren. Besonders an den letzten Stunden ist nicht nur der Verkauf, sondern auch, wer sich wie positioniert. Im Folgenden erfahren Sie, wie diese Ereignisse zusammenhängen.
Der Auslöser: ETH-Großhalter werden bärisch nach schlechten Bitcoin-Nachrichten
Der Auslöser kam bei Bitcoin, nicht bei Ethereum. Strategy gab bekannt, erstmals seit Jahren wieder Bitcoin verkauft zu haben und damit die bisherige „Nie-Verkaufen“-Haltung aufgegeben zu haben. Dadurch wollten viele Großhalter ihr Risiko im gesamten Kryptobereich reduzieren und ETH war mit betroffen.
Die bärische Positionierung zeigte sich schnell und kam aus zwei Richtungen. Laut dem Blockchain-Tracker Onchain Lens hat ein Großhalter eine Short-Position über 21.948 ETH, im Wert von rund 44 Millionen USD, mit dem 10-fachen Leverage eröffnet. Der Einstieg lag bei etwa 2.004 USD mit einem Liquidationspreis bei 2.339,76 USD.
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Wenige Stunden später entdeckte EyeOnChain eine zweite Wallet, die aufgab: Ein Trader, der ab März und April rund 5.003 ETH nahe 1.999 USD gekauft hatte (im Wert von ca. 10 Millionen USD), transferierte rund 5.000 ETH im Wert von 9,8 Millionen USD an Kraken, während der Kurs auf 1.960 USD fiel. Das Überweisen von Coins zu einer Börse passiert meist vor einem Verkauf. Bei einem vollständigen Ausstieg würde ein Verlust von knapp 200.000 USD realisiert.
Der eine eröffnete einen neuen Short mit Leverage, der andere brach einen zwei Monate andauernden Einstieg bei fallenden Kursen ab. Dieselbe Einschätzung, aber unterschiedliche Methoden, beide bärisch.
Die Bestätigung: Bestände sinken und Long-Positionen werden liquidiert
Die gesammelten Daten bestätigen das Bild, und die Kursmechanik erklärt, warum Ethereum weiter um die 2.000 USD schwankt. Laut Santiment sank der von Großhaltern auf der Blockchain gehaltene ETH-Bestand (ohne Börsen) von 125,02 Millionen ETH am 1. Juni auf 124,98 Millionen ETH am Folgetag. Die Veränderung ist gering, zusammen mit der Kraken-Einzahlung des Dip-Käufers spricht dies jedoch eher für eine Verteilung als für eine Akkumulation auf diesem Niveau.
Das Bild der Hebelwirkung zeigt, wo der Druck sichtbar wird. Beim Binance ETH/USDT-Perpetual-Kontrakt (ohne Ablaufdatum und eng am Kassakurs orientiert) zeigt die 7-Tages-Liquidationskarte von Coinglass etwa 1,82 Milliarden USD an gehebeltem Short-Volumen gegenüber rund 781,93 Millionen USD auf der Long-Seite.
Insgesamt ist das Buch bärisch ausgerichtet.
Dennoch könnten kurzfristige Kursbewegungen die Long-Positionen treffen: Wenn der Kurs weiter auf 1.930 USD fällt, steht dort noch etwa 523,96 Millionen USD an Long-Leverage zur Liquidation. Die anhaltende Schwäche ist womöglich der Grund dafür, dass heute früh die massive Short-Position aufgebaut wurde.
Das ist auch der technische Grund, warum ETH weiter die 2.000-USD-Marke verliert. Es sind nicht nur Großhalter, die ihre Positionen verkaufen, sondern auch Long-Liquidationen, die sich in schwache Unterstützungskurse fortsetzen. Die naheliegende Interpretation: Die Entwicklung bleibt bärisch.
Die Abweichung: Hyperliquid-Investoren bremsen den Ausverkauf
Doch das Bild dreht sich. In den letzten sechs Stunden nach dem Strategy-Verkauf haben die Perpetual-Flows Ethereum vom Bitcoin entkoppelt. Während bei Bitcoin ein Netto-Verkaufsdruck von etwa 15,61 Millionen USD entstand, gab es bei ETH einen Netto-Kaufdruck von etwa 9,10 Millionen USD.
Das ist das Signal für einen gegensätzlichen Ansatz. Normalerweise würden Trader bei einer schlechten Bitcoin-Nachricht, wie dem Verkauf durch ein Bitcoin-Treasury-Unternehmen, im gesamten Markt verkaufen. Die aktuellen Flussdaten zeigen jedoch, dass Trader die verbundene Schwäche nutzen, um auf das Asset zu setzen, das eigentlich nicht direkt betroffen ist. ETH rückt also bei Bitcoin-Problemen verstärkt in den Fokus.
Die beiden Signale stehen nun im direkten Widerspruch zueinander. Ein 44-Millionen-USD-Short und eine frische Verkaufswelle sprechen für sinkende Kurse.
Hyperliquid-Daten zeigen, dass jemand diese Bewegung mit Überzeugung ausnutzt. Zudem sorgt das übermäßig hohe Short-Volumen für mehr Spannung: Bei über 1,82 Milliarden USD an Short-Leverage oberhalb des aktuellen Kurses würde ein nachhaltiges Kaufinteresse, das ETH wieder über 2.000 USD zieht, diese Short-Positionen, darunter eine Position im Wert von 44 Millionen USD mit einer Liquidation bei 2.339,76 USD, direkt unter Druck setzen. Aus der Distanz deutet das auf ein potenzielles Short Squeeze-Narrativ hin.
Die Hyperliquid-Positionsdaten könnten diesem Szenario vorausgehen.
Aktuell liegt der Ethereum-Kurs genau dazwischen. Die sogenannten Wale haben ihre Investition bereits getätigt. In den kommenden Sessions wird sich zeigen, ob die stillen Käufer auf der Gegenseite früh einsteigen oder einen Fehler machen.








