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Gasfalle schnappt zu: Katar schließt Pipeline, Europa sucht Lösungen

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Geschrieben von
Evgeniya Likhodey

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Redigiert von
Leonard Schellberg

19 März 2026 14:30 CET
  • Katar stoppt gesamte Gasproduktion nach Hormuz-Schließung, Erholung dauert Monate.
  • Europäischer Gaspreis steigt um 70%, Inflationsgefahr und Deindustrialisierung.
  • Russland droht mit LNG-Abzug aus Europa, Markt bleibt angespannt.
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Die Straße von Hormus, steigende Gaspreise Europa und eine drohende Energiekrise 2026 dominieren die Märkte – besonders, da mit Katar einer der wichtigsten LNG-Exporteure ausfällt. Die Schließung der Route hat einen massiven Preisschock ausgelöst und belastet die globale Energieversorgung.

Fachleute, die von der BeInCrypto-Redaktion befragt wurden, warnen, dass die hohen Gaspreise eventuell während des gesamten Jahres 2026 anhalten. Für die europäische Industrie könnte dies eine neue Welle der Deindustrialisierung auslösen.

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Katar gerät in eine Zwickmühle

Katar ist das hauptsächliche Opfer dieser Krise. Igor Yushkov, leitender Analyst im Nationalen Energie-Sicherheitsfonds und Experte an der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation, beschreibt das Ausmaß des Problems:

„Katar hat die Gasförderung komplett eingestellt, da es keine Lagermöglichkeiten gibt. Unterirdische Speicher sind nicht vorhanden, und verflüssigtes Gas zu lagern ist sinnlos: Man muss eine Temperatur von -162°C halten und dafür Energie aufbringen. Das ist nicht sinnvoll.”

Die Folgen betreffen nicht nur Gas. Zusammen mit der Gasproduktion sind auch die Förderung von Gaskondensat, Helium, Propan, Butan und Ethan gestoppt.

Nach Angaben von Yushkov hat sich der Preis für Helium bereits verdoppelt, und Katar ist der zweitgrößte Produzent dieses seltenen Gases. Der gesamte Gaskemiesektor steht ebenfalls still, auch die Düngemittelherstellung.

Im Gegensatz zu den Ölproduzenten der Region, die Öl einlagern und nach einer Öffnung der Straße von Hormus die Exporte rasch wieder aufnehmen können, steht Katar vor einer langen Erholungsphase seiner Gaskapazitäten:

„Anlagen, die nicht beschädigt wurden, benötigen mindestens zwei Wochen, um ihre volle Kapazität zu erreichen, während beschädigte Anlagen noch mehrere Monate für Reparaturen brauchen.”

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Probleme in Europa: Aktuelle Herausforderungen im Überblick

Ungefähr 80 Prozent des katarischen LNG wurden traditionell an asiatische Märkte geliefert. Wie Yushkov erklärt, stehen die asiatischen und europäischen Gasmärkte aber miteinander in Verbindung, und daher sind die Preise überall gestiegen.

Der saisonale Faktor verschärft die Lage zudem:

„Wir befinden uns jetzt am Ende der Heizperiode, das restliche Gas in den unterirdischen Speichern ist bereits sehr gering – Gas muss eingekauft und eingespeichert werden, die Preise sind momentan hoch. Je länger Länder mit dem Einkauf warten, in der Hoffnung auf einen Preisrückgang oder die Öffnung der Straße von Hormus, desto mehr müssen sie später täglich kaufen und einspeichern.”

Dadurch besteht das Risiko, dass die hohen Gaspreise das gesamte Jahr 2026 anhalten. Kirill Bakhtin, Leiter des Analysezentrums für russische Aktien bei BCS World of Investments, weist auch auf einen langfristigen Anstieg der Gaspreise hin:

„Wenn der Konflikt noch einige Monate andauert, gibt es beim Gaspreis nicht nur für das Jahr 2026, sondern auch für das Jahr 2027 Aufwärtspotenzial, da die Füllstände in den unterirdischen Speichern der Verbraucher aktuell niedrig sind.”

Die industriellen Folgen für Europa könnten laut Yushkov umfassend sein:

„Hohe Preise bedeuten teuren Strom, teure Heizung und alles andere, was aus Gas produziert wird. Besonders entscheidend ist, dass Waren, die in Europa mit teurem Gas hergestellt werden, auf dem globalen Markt nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Europa könnte vor einer neuen Runde der Deindustrialisierung stehen.”

Russlands Trumpfkarte: Unerwartete Strategie enthüllt

Vor dem Hintergrund der Gasmarktspannungen hat der russische Präsident vorgeschlagen, den Rückzug von russischem LNG aus dem europäischen Markt zu erwägen. Yushkov hält diese Aussage strategisch für gut gewählt:

„Die Spannung am europäischen Gasmarkt ist bereits sehr hoch. Wenn der Präsident sogar den Europäern droht, die LNG-Lieferungen vorzeitig einzustellen, verunsichert das den Markt – wir sind der zweitgrößte LNG-Lieferant.”

Europa hatte geplant, seine Gasspeicher bis zum 1. Januar 2027 vollständig zu füllen, wenn das Verbot von russischen LNG-Importen wirksam wird. Nun steht dieser Plan bereits bei den Vorbereitungen auf die Heizperiode in Frage.

Zugleich lässt sich LNG im Gegensatz zu Pipelinegas leicht umleiten. Yushkov erklärt dazu:

„LNG wird im Sommer nach Indien gehen, nach China über die Nordseeroute. Pipelineverbindungen kann man nicht umlenken: Als die Gaslieferungen nach Europa eingestellt wurden, haben wir einfach weniger produziert – das ist schlecht für das Budget. LNG ist hier flexibler.”

Eine endgültige Entscheidung zum Rückzug aus dem europäischen Markt gibt es bislang noch nicht, fügt der Analyst hinzu.

Bedeutung für Investoren: Das sind die Folgen

Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse lenkt Kirill Bakhtin den Blick auf das Kräfteverhältnis zwischen den russischen Gasunternehmen:

„NOVATEK-Aktien erscheinen im Hinblick auf die Entwicklung von Lieferungen aus Arctic LNG 2 mittelfristig attraktiver als Gazprom-Aktien, die den EU-Markt bis Ende 2027 verlieren könnten.”

Dennoch bleibt der Analyst auf Sicht von einem Jahr vorsichtig: Im Basisszenario von BCS World of Investments bleibt der Ausblick auf NOVATEK-Aktien neutral.

Haftungsausschluss

In Übereinstimmung mit den Richtlinien des Trust Project verpflichtet sich BeInCrypto zu einer unvoreingenommenen, transparenten Berichterstattung. Dieser Artikel zielt darauf ab, genaue und aktuelle Informationen zu liefern. Den Lesern wird jedoch empfohlen, die Fakten unabhängig zu überprüfen und einen Fachmann zu konsultieren, bevor sie auf der Grundlage dieses Inhalts Entscheidungen treffen.

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