Glosse: So explosiv ist der DeFi-Trend

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IN KÜRZE
  • Der Kurs des DeFi-Tokens von yearn.finance (YFI) hat sich innerhalb von vier Wochen verhundertfacht.

  • Bei yearn handelt es sich um eine Yield-Farming-Plattform, welche sich allerdings noch in der Beta-Phase befindet.

  • DeFi-Anlagestrategien werden immer komplexer und undurchschaubarer.

Das Trust Project ist ein internationales Konsortium von Nachrichtenorganisationen, die Standards für Transparenz entwickeln.

Die noch im Bau befindliche DeFi-Plattform yearn.finance hat einen, nach eigenen Angaben “wertlosen” Governance-Token herausgegeben. Der Kurs von YFI stieg in nur sieben Tagen um mehr als das hundertfache. Sitzt DeFi auf einem Pulverfass?


Dass DeFi zur Zeit alle Rekorde bricht, ist unbestreitbar. In den letzten drei Monaten stieg der Gesamtwert aller angelegten Assets von nicht ganz einer Milliarde US-Dollar auf über 3,5 Mrd. USD. Die größte DeFi-Plattform MakerDAO kratzt derzeit eigenhändig an der Milliardenmarke.

Ob sie die psychologische Resistenzlinie wohl überwinden können? Quelle: Defipulse.

Was ist yearn.finance?

Eine der jüngsten DeFi-Plattformen ist yearn.finance, deren Webseite außerordentlich übersichtlich strukturiert ist. Will heißen, dem Besucher wird nicht augenblicklich klar, was die Plattform eigentlich macht. Man erfährt lediglich, dass die Plattform in der Beta-Phase ist und dass man seine Krypto-Wallet anschließen kann. Man kann auch rein und raus “zappen”, oder seine Assets zusammenlegen. Alles ganz einfach.


Immerhin, wenn man seine Wallet mit der Plattform verbindet, erfährt man mehr. Es geht darum, Zinsen auf Krypto-Einnahmen zu erwirtschaften. Die Plattform verspricht über 5 % p.A. auf DAI-Einlagen.

Weiterhin gibt es auf der Plattform einen Rechner, der einem verrät, welche Zinsen man erwarten kann, wenn man eine frei wählbare Summe investiert. Ob man diese Summe in DAI, USDT, BTC, oder in Pferdeäpfeln investieren will ist auch egal, denn der Rechner funktioniert ohnehin nicht.

Immerhin, ein Medium-Artikel von yearn führt die Sache näher aus. Es geht um Yield Farming. Das heißt die Plattform legt das eingezahlte Geld automatisch auf den DeFi-Plattformen an, wo es den besten Ertrag erzielt. Durch DeFi stehen dabei verschiedene Anlageformen offen:

Vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Quelle: yearn.finance.

Was die Sache verkompliziert ist, dass viele DeFi-Plattformen mittlerweile einen eigenen Utility Token herausbringen. Diese Tokens werden als zusätzlicher Anreiz dafür ausgezahlt, die Plattform zu verwenden. Ein gutes Beispiel dafür ist Compound (COMP).

Dadurch ergeben sich natürlich viel mehr unterschiedliche Möglichkeiten, die Produkte von DeFi-Plattformen miteinander zu kombinieren, um die Utility Tokens von gleich mehreren Plattformen einzusacken:

Verstanden? Nein? Ich auch nicht. Quelle: yearn.finance.

Der kleine wertlose Token, der es geschafft hat

In bester dezentraler Manier, augenscheinlich auch aus Faulheit, gaben auch die Entwickler von yearn einen Governance-Token heraus, um alle wichtigen Entscheidungen der Plattform dezentral zu steuern. Laut den Entwicklern soll der Token absolut wertlos sein. Das macht YFI wohl zum ersten Utility Token, deren herausgeben nicht wollen, dass man den Token kauft.

Obwohl die Entwickler dies anscheinend nicht wollten, hat es der FYI-Token dennoch auf Uniswap geschafft, wo er ein tägliches Handelsvolumen von mehreren Millionen US-Dollar erreichte. Der Kurs des Tokens stieg in der Woche nach der Kotierung um mehr als das hundertfache, bevor er leicht korrigierte.

Allzeit-Kursverlauf von yearn.finance (YFI). Qulle: CoinGecko.

Wen wundert’s? Wenn man einen Governance-Token herausgibt, mit welchem die Benutzer einer DeFi-Plattform abstimmen, was mit ihrem Geld passiert, dann werden sie auch bereit sein, Geld zu bezahlen, um diesen Token kaufen zu können. Bedenkt man dass yearn mittlerweile knapp 130 Mio. USD verwaltet, steht YFI mit seiner Marktkapitalisierung von derzeit 66 Mio. USD etwa im selben Verhältnis wie es auch für die Governance-Tokens von Compound und Maker der Fall ist.

Wie geht es mit DeFi weiter?

In Hinblick darauf, dass die Anlagestrategien für DeFi-Produkte immer komplexer werden, dürfte auch der Erfolg von Yield-Farming-Plattformen niemanden verwundern. Das Problem ist, dass bald niemand mehr diese komplexen Strategien durchschauen wird. Durch Plattformen wie yearn.finance werden sich die Erträge der einzelnen Produkte stärker angleichen, wodurch Yield Farming natürlich noch weiter an Bedeutung gewinnt, um ein wenig mehr Ertrag aus den Investments herauszuschlagen.

 

Allerdings ist yearn noch weit davon entfernt, ausgereift zu sein. Bislang hat die Plattform nur einen rudimentären Funktionsumfang, der darüber hinaus noch nicht ausreichend getestet wurde. Dennoch haben Nutzer der Plattform bereits insgesamt knapp 130 Mio. USD anvertraut. Dass sich der Wert von DeFi-Governance-Tokens nicht lange halten kann, wenn Nutzer mit einem einzelnen Investment von gleich mehreren Plattformen Tokens erhalten, scheint auch sehr wahrscheinlich.

Insgesamt erinnert der DeFi-Hype zur Zeit in erschreckender Weise an die ICO-Blase 2017/18. Die Produkte sind teilweise noch sehr unausgegoren, erhalten aber massive Geldsummen. Vor allem wird bald niemand mehr wissen, in was er da eigentlich gerade investiert. Na hoffentlich geht das gut.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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