Professor Jiang ist ein Dozent und Kommentator aus Peking. Seine ältere Vorlesung über eine mögliche Rückkehr von Trump und einen US-Iran-Krieg wurde zuletzt im Internet viel beachtet. Zudem hat er auch schon Behauptungen zu Bitcoin aufgestellt.
Jiang Xueqin unterrichtet in Peking, hat an Yale studiert und sich online vor allem durch seinen „Predictive History“-Kanal eine Community aufgebaut. Sein Ansehen ist zuletzt gestiegen, weil Medien seine älteren Vorhersagen zum Iran-Krieg im Rahmen des aktuellen Konflikts erneut beleuchtet haben.
Der neu entstandene Fokus bringt nun mehr Zuschauer zu einer weiteren, sehr auffälligen Behauptung von ihm: Bitcoin sei nicht wirklich eine Erfindung von der Community, sondern ein mit dem Pentagon verbundener Versuch zur Überwachung und geheimen Finanzierung.
Von Iran-Prognosen zum Bitcoin-Feuersturm
In einem älteren Video sagt Jiang, dass Bitcoin „eine Erfindung des amerikanischen Militärs, des Pentagons“ sei.
Er geht noch weiter und behauptet: „Bitcoin ist als die beste Überwachungstechnologie entworfen worden“ und nennt ihn später „den größten Betrug, den es gibt“.
Seine Argumentation basiert auf vier wichtigsten Punkten. Erstens meint er, dass der anonyme Ursprung von Bitcoin Fragen aufwirft: Wer hatte genug Zeit, Geld, Server und Fachwissen, um Bitcoin zu bauen?
Zweitens verweist er auf die Rolle von DARPA bei der Entwicklung des frühen Internets und meint, das US-Militär habe früher schon wichtige Technologien für die Gesellschaft veröffentlicht.
Drittens behauptet er, dass das transparente Ledger von Bitcoin besonders für die Verhaltensüberwachung geeignet sei. Zuletzt sagt er, die CIA könne Bitcoin nutzen, um weltweit verdeckte Operationen zu finanzieren.
Professor Jiangs Bitcoin-Theorie: Wie sie den Markt beeinflusst
Einige Teile von Jiangs Argumenten stammen aus der echten Geschichte. DARPA war tatsächlich an der Entwicklung des frühen Internets über ARPANET beteiligt.
Das macht aber seine Schlussfolgerung zu Bitcoin nicht glaubhaft.
Das erste Bitcoin-Whitepaper erschien 2008 unter dem Namen Satoshi Nakamoto. Darin wird ein Peer-to-Peer-System für digitales Geld beschrieben, das ohne vertrauenswürdige Drittparteien funktionieren soll.
Es gibt keine öffentlichen Beweise dafür, dass die Entstehung von Bitcoin mit DARPA, dem Pentagon oder der CIA verbunden ist. Jiang stellt die Frage jedoch anders. Im Video sagt er:
„Wer hat die Ressourcen und die Zeit aufgebracht, um eine Blockchain zu erschaffen? Wer finanziert die Server? Wer hat Fachkenntnisse in Technologie?“
Seine Überwachungs-These ist komplexer. Bitcoin ist standardmäßig nicht privat; die Chain ist öffentlich. Dadurch ist sie unter anderem bei Ermittlungen gegen Kriminalität einsetzbar.
Aus diesem Grund können Strafverfolgungsbehörden und Forensikfirmen den Fluss von Mitteln über Wallets verfolgen.
Allerdings ist das etwas anderes, als zu beweisen, dass Bitcoin gezielt als Überwachungswerkzeug des Pentagons entwickelt wurde.
Das Winklevoss-Argument überzeugt nicht
Jiang verweist zudem auf die große Bitcoin-Wette der Winklevoss-Zwillinge nach ihrer Facebook-Einigung. Das sei angeblich ein Beweis, dass Insider gewusst hätten, wofür Bitcoin gedacht war. Er beschreibt ihre Investition als verdächtig und fragt rhetorisch:
„Wer gibt schon jeden einzelnen Cent für ein Investment aus?“
Diese Behauptung ist spekulativ. Eine riskante Frühinvestition beweist nicht, dass es geheimes Wissen über angebliche Staatspläne gab. Sie zeigt eher Überzeugung oder Risikobereitschaft.
Das ist wichtig, weil Jiangs Theorie zu Bitcoin weniger auf harten Beweisen als auf Annahmen beruht.
Er stellt eine wichtige Frage: Wer profitiert von einem transparenten Finanznetzwerk? Trotzdem springt er dann zu einer Antwort, die er nicht belegen kann.
Fakten und Meinungen klar unterscheiden
Jiang geht viral, weil eine seiner geopolitischen Vorhersagen aktuell zutreffend wirkt. Das bedeutet jedoch nicht, dass alle seine Aussagen richtig sind.
Seine Theorie zu Bitcoin ist provozierend und lässt sich leicht teilen. Ausgehend von den bisher verfügbaren Beweisen wirkt sie jedoch eher wie eine Verschwörungserzählung als eine bewiesene Erklärung für den Ursprung von Bitcoin.