Kommentar: Corona-Warn-App wird zum Rohrkrepierer

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IN KÜRZE
  • Die Corona-Warn-App der Bundesregierung wurde gestern Nacht veröffentlicht.

  • Viele Menschen können die App jedoch gar nicht benutzen.

  • Bring die Corona-Warn-App mehr Schaden als Nutzen?

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Das Trust Project ist ein internationales Konsortium von Nachrichtenorganisationen, die Standards für Transparenz entwickeln.

Die Bundesregierung hat in der vergangenen Nacht ihre lange erwartete Corona-Warn-App veröffentlicht. Was Datenschutz angeht, hat die Bundesregierung deutlich nachgebessert. Allerdings zeigen sich bereits erste Probleme.



Die App soll dazu dienen, Infektionsketten möglichst schnell zu unterbrechen. Dabei registriert sie, mit welchen anderen Personen eine infizierte Person Kontakt hatte und benachrichtigt diese. Nutzer der App sollen dadurch besser einschätzen können, wie wahrscheinlich es ist, dass sie sich angesteckt haben.

Opposition befürchtet App-Zwang durch die Hintertür

Die Bundesregierung hat das Datenschutzkonzept deutlich verbessert. Der vorherige Ansatz mit einer zentralen Datenspeicherung wurde von Datenschützern, unter Anderem auch vom Chaos Computer Club, scharf kritisiert. Bei dem neuen Konzept sollen Kontaktdaten nur noch dezentral auf den Geräten der Nutzer gespeichert werden.



Laut der von der Bundesregierung betriebenen Webseite der Corona-Warn-App sollen sich Personen mit ihrem Hausarzt, oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) in Verbindung setzen, falls die App ein erhöhtes Risiko vermeldet. Eine Empfehlung für eine persönliche Quarantäne oder eine Krankschreibung spricht die App nicht aus.

Ihre Pläne, Nutzer der App in irgendeiner Form, zum Beispiel beim Besuch von Kinos oder Schwimmbädern zu bevorzugen, hat die Bundesregierung aufgegeben. Trotzdem fordern Politiker der Grünen, der Linken und der FDP ein Gesetz, welches die Verwendung der App regelt. Sie befürchten, dass Unternehmen wie zum Beispiel Reiseveranstalter einen Zwang zur Nutzung der App einführen könnten. [T-Online] Ihrer Meinung nach sollte ein gesetzliches Zweckentfremdungsverbot, sowie eine Befristung für die App eingeführt werden.

Viele können die Corona-Warn-App nicht nutzen

Dass die Corona-Warn-App besonders erfolgreich sein wird, ist zumindest zweifelhaft. Zwar bestehen nach derzeitigem Kenntnisstand, keine Datenschutzbedenken. Allerdings müssten wohl mindestens 60% der Bevölkerung die App auch tatsächlich nutzen, damit sie eine nachweisbare Wirkung entfaltet.

Dazu kommt, dass einige die App zwar nutzen wollen, aber schlichtweg nicht können, weil sie kein kompatibles Smartphone haben. Die App unterstützt derzeit nur Smartphones, welche mindestens Android 6.0 oder iOS 13.5 als Betriebssystem haben. Darüber hinaus gibt der Apple Store die App nur für Nutzer ab 17 Jahren frei. Insbesondere viele Menschen in der betagten Risikogruppe werden die App damit nicht nutzen können, da sie entweder überhaupt kein, oder ein veraltetes Smartphone haben.

Eine Nutzungsrate von 60 % der Bevölkerung dürfte wohl unrealistisch sein, bedenkt man die vielen Menschen, welche die App entweder nicht nutzen können, oder nicht nutzen wollen. Die Wirkung der App nimmt mit einer sinkenden Nutzungsrate exponentiell ab. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass beide Parteien die App nutzen müssten, um eine mögliche Infektion zu registrieren.

Selbst bei einer optimistisch angenommenen Nutzungsrate von 50 % würde somit nur jede vierte Infektion in der App registriert werden. Bei einer Nutzungsrate von 40 % ist es nur noch jede sechste Infektion. Mit einer Nutzungsrate von 30 % beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Infektion registriert wird, nur noch bei 9 %.

Mehr Schaden als Nutzen?

Dazu kommt ein hoher Unsicherheitsfaktor. Nur weil die App eine mögliche Infektion registriert, heißt das noch lange nicht, dass diese auch tatsächlich erfolgte. Damit dürfen sich Ärzte bereits jetzt auf eine Welle von falsch positiven Meldungen einstellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Nutzer der App grundlos krank schreiben lassen werden, ist ebenfalls sehr hoch.

Die Bluetooth-Technologie, welche bei der Corona-Warn-App zum Einsatz kommt, wurde nicht dafür entworfen, Entfernungen zu messen. Dies führte bereits bei einer ähnlichen App in Singapur zu Problemen. [Handelsblatt] Darüberhinaus stellt es ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko dar, Bluetooth dauerhaft aktiviert zu lassen.

Mit einer sehr hohen Rate an falsch positiven Meldungen, der Tatsache, dass die App den Großteil der Neuinfektionen überhaupt nicht erfasst und einer Herabsetzung der Cybersicherheit, müssen wir den möglichen Nutzen der Corona-Warn-App ernsthaft in Zweifel stellen. Es ist durchaus möglich, dass die App mehr Schaden als Nutzen anrichtet.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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