Kommentar: Der Aufstand der jungen Generation

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IN KÜRZE
  • Nach der Tatort-Folge vom 26. April formierte sich im Netz tatsächlich die rechtsnationale "Junge Bewegung".

  • Da die Jugend von der politischen und ökonomischen Teilhabe ausgeschlossen wird, radikalisiert sie sich zunehmend.

  • Auch die Kryptowirtschaft kann als radikale Jugendbewegung angesehen werden.

  • promo

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Am 26. April behandelte der Tatort erneut das Thema “neue Rechte”. Im Göttinger Tatort geschah ein Mord im Milieu der nicht ganz fiktiven “Jungen Bewegung”. Die Reaktionen im Netz verdeutlichen die Verwerfungen, welche derzeit nicht nur zwischen politischen Lagern, sondern auch zwischen den Generationen herrschen.



Gestern Abend habe ich mir zum ersten mal seit Jahren wieder einen Tatort angeschaut. Was einst eine der hochklassigsten Produktionen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen war, ist in den letzten Jahren immer mehr zu einer politisch korrekten Alte-Leute-Unterhaltung verkommen. Wenn ein Tatort allerdings eigenhändig eine politische Bewegung aus der Taufe hebt, lohnt sich das ansehen allemal.



Mit Krimi-Spannung kann die Tatort-Episode National feminin allerdings nicht aufwarten. Nach dem Exposé, in dem die Handelnden Personen kurz vorgestellt werden und ein Mord an der rechten Vloggerin Marie Jäger geschieht, dürfte eigentlich jedem aufgeweckten Zuschauer die Handlung der nachfolgenden 80 Minuten bereits im Vorfeld klar sein:

Die Polizei wird zuerst den linken Aktivisten verdächtigen, dessen Farbbeutelanschlag auf eine rechts-feministische Professorin durch Marie Jäger vereitelt wurde. Etwa nach zwei Dritteln der Episode wird herauskommen, dass er es nicht gewesen sein kann, woraufhin sich die Ermittlungen auf die politischen Mitstreiter Jägers, einem Abklatsch der Identitären Bewegung, konzentrieren. Etwa 5 Minuten vor Schluss der Sendung deckt sich das ganze auf und Martin Sellner wird als liebeskranker Mörder überführt. Selbstverständlich wird die Episode mit billigen Klischees über Linke und Rechte, vor allem aber Rechte gespickt sein.

Im Netz lebt die “Junge Bewegung”

Bereits im Vorfeld der Ausstrahlung der Tatort-Episode haben junge Rechte, wohl aus den Kreisen der Identitären Bewegung, mehrere Twitter-Accounts für die “Junge Bewegung” reserviert. Auch die fiktiven Charaktere aus der Tatort-Episode, wie Marie Jäger und ihr Mörder Felix Raue haben bereits ihren eigenen Twitter-Account.

Während aus den verschiedenen Accounts bei Twitter wie zum Beispiel “Junge Bewegung Neuschwabenland” noch klar wird, dass es sich dabei um eine Persiflage von rechten Trollen handelt, suggeriert eine Webseite der “Jungen Bewegung”, dass sie tatsächlich eine existierende Jugendbewegung sein soll.

Auch der rechte Hintergrund der JB geht aus der Webseite nicht hervor. Jedenfalls klingt die Forderung, dass Politik nicht ausschließlich von “alten weißen Männern” gemacht werden soll, eher nach einer Forderung aus dem linken Lager. Die Webseite behauptet, die JB sei “divers, tolerant und sozialbewusst” und zeigt Portraits von “Aktivisten” mit unterschiedlichem ethnischen Hintergrund.

Die JB fordert mehr politische Teilhabe für Jugendliche und eine Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Sie schreibt: “Die GEZ ist ein Verbrechen und der Tatort ist Deutschland”. Sie grenzt sich von politisch instrumentalisierten Jugendgruppen wie Fridays for Future, der Identitären Bewegung und der Antifa ab.

Was ist also die “Junge Bewegung”? Ist es eine rechte, oder eine linke Jugendbewegung? Ist sie ein Rebranding der Identitären Bewegung, um mehr Jugendliche aus der politischen Mitte einzufangen, oder ein eigenständiges Projekt? Ist sie überhaupt ernst gemeint, oder nur eine scherzhafte Reaktion auf den politisch korrekten Kitsch, den die öffentlich-rechtlichen mal wieder auf unsere Kosten produziert haben?

Die Jugend erhebt sich

Was können wir also aus dem Entstehen der Jungen Bewegung, wie auch den anderen politischen Jugendgruppen der letzten Jahre lernen?

Viele in den späten 20er oder frühen 30er Jahren ihres Lebens kämpfen durch hohe Mieten und Lebenshaltungskosten jeden Monat um ihre wirtschaftliche Existenz, während ihre Eltern und Großeltern im selben Alter häufig schon ein Eigenheim und eine Familie hatten. Bei immer mehr jungen Menschen fällt der Groschen, dass sie sich in einer schlechteren wirtschaftlichen Situation befinden, als die Generationen zuvor.

Dabei ist unsere Generation keinesfalls faul. Wir haben studiert und häufig schon mehrere Praktika absolviert. Viele von uns sind unternehmerisch tätig und haben Startups gegründet. Trotzdem sind wir von der Gesamtsituation her offenbar deutlich schlechter gestellt, als die Generationen vor uns.

Die junge Generation ist unzufrieden und zwar aus gutem Grund. Allerdings leiten sich die verschiedenen politischen Lager die schlechte Situation der Jugend unterschiedlich her.

Diejenigen, die sich mit libertären Ideen und den wirtschaftsphilosophischen Lehren der Österreichischen Schule befasst haben, erklären es sich mit den wirtschaftlichen Fehlentscheidungen der Politik. Die Generation vor uns hat uns enorme Staatsschulden überlassen, in der Politik einen überbordenden und bürokratischen Umverteilungsapparat aufgebaut und gleichzeitig zu wenig Nachkommen hervorgebracht, um diese Gesellschaft langfristig tragfähig zu halten.

Als Antwort darauf wenden sich junge Menschen, die dies erkennen, oft der Kryptowirtschaft zu. Letzten Endes sind Kryptowährungen und die Blockchain-Technologie auch eine Art Jugendbewegung. Mit dem Gedanken der Dezentralisierung und der wirtschaftlichen Eigenverantwortlichkeit versuchen wir, den ökonomischen Scherbenhaufen, den uns unsere Eltern und Großeltern hinterlassen haben, irgendwie zu reparieren.

Auf der anderen Seite gibt es Jugendliche aus dem links-grünen Lager, die sich ihre schlechte Situation über die Ausbeutung der Umwelt erklären und sich zum Beispiel bei Fridays for Future engagieren. Das ist nicht ganz ohne Berechtigung. Ähnlich wie Staatsverschuldung und Niedrigzinsen zu zukünftigen Problemen führen, müssen die nachfolgenden Generationen auch die Rechnung für unseren CO2-Ausstoß bezahlen. Allerdings fehlt den FFF-Jugendlichen die Einsicht darüber, welche Maßnahmen tatsächlich sinnvoll und durchführbar sind.

Durch den Ausbruch von COVID-19 wurde eine weitere Umverteilung zu Lasten der Jugend und zu Gunsten der älteren Generation nötig. Das Coronavirus stellt fast ausschließlich für ältere Menschen eine Gefahr dar, aber die Zeche zahlt erneut die Jugend, deren wirtschaftliche Zukunft gerade durch die Lockdowns geopfert wird. Dadurch erklären sich Corona-Parties und Jugendliche, die geradezu absichtlich versuchen, sich mit dem Coronavirus anzustecken.

Wieder andere aus dem rechten Spektrum sehen das Hauptproblem in der Zuwanderung. Diese wenden sich nationalistischen Jugendbewegungen wie der Identitären Bewegung und womöglich auch bald der Jungen Bewegung zu.

Dass die Junge Bewegung aus der Feder von öffentlich-rechtlichen Drehbuchautoren stammt und jetzt im wirklichen Leben die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks fordert, ist gleichfalls ironisch, wie bezeichnend. Schließlich sind es verstärkt Jugendliche, welche die Notwendigkeit eines durch Zwangsgebühren finanzierten Fernsehens nicht mehr erkennen, während wiederum hauptsächlich die ältere Generation davon profitiert. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk mag zwar in den jungen Jahren der Bundesrepublik sinnvoll gewesen sein. In den Zeiten des Internets und der sozialen Medien wirkt er jedoch wie ein Anachronismus.

Wenn man eine demografische Gruppe zu lange von der politischen und ökonomischen Teilhabe ausschließt, so wird diese zwangsläufig versuchen, die von ihr wahrgenommenen Probleme mit radikalen Maßnahmen zu bekämpfen, sei es durch das absichtliche verbreiten des Coronavirus, durch Öko-Extremismus, durch Nationalismus und die Forderung nach Remigration und den Rückbau der Globalisierung, oder durch den Aufbau eines alternativen Finanzsystems.

In der medialen Berichterstattung über Jugendbewegungen wie Fridays for Future wird, oft auch von Kritikern, gelobt, dass sich eine politisch aktive Jugend herausgebildet hat. Allerdings kann sich dies schnell zu einem Problem auswachsen, wenn sich die Jugend zunehmend radikalisiert.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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