Krypto-Startups müssen kreatives Marketing und Fundraising betreiben: Interview mit Mik Mironov

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IN KÜRZE
  • Mik Mironov, Partner bei SMC.Capital gab uns ein Interview.

  • Er sagt, dass IEOs immer noch durchführbar sind. Allerdings sollen diese in Verbindung mit Equity-Fundraising betrieben werden.

  • Im DeFi-Sektor geht der Trend hin zu einer echten Risikoübernahme.

  • promo

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BeInCrypto hat sich kürzlich mit Mik Mironov, Partner bei SMC.Capital getroffen. Wir haben über die Zukunft des Fundraisings durch institutionelle Investoren und IEOs, sowie aufkommende Trends im DeFi-Sektor gesprochen.



BeInCrypto: Das Funding durch ICOs ist auf dem absteigenden Ast und die meisten IEO Tokens sind in den roten Zahlen. Sehen Sie irgendeine Zukunft für Token Sales?

Mik Mironov: Eine sehr gute Frage, besonders in Hinblick auf meinen Hintergrund als ehemaliger Mitarbeiter bei ICORating, einem führenden Forschungsunternehmen für Krypto-Startups auf dem Höhepunkt des ICO-Markts 2017. Damals wurden diese Informationen von Krypto-Investoren der Community dringend gebraucht.



Mit ICORating konnten Sie einiges an Informationen in unverzerrt herausfiltern. Jemand muss diese Forschung betreiben, damit Investoren Startups mit Vertrauen unterstützen können.

Was passierte war folgendes: 2017 war wirklich verrückt. Jedes Unternehmen mit einem Whitepaper und einer Präsentation konnte durch ICOs eine Finanzierung erhalten. Die Menschen wussten noch nicht viel darüber, worum es in der Blockchain-Industrie mit ihren einzelnen Projekten geht.

Die Investoren haben sich nicht wirklich die Frage gestellt, ob es einen wirklichen Anwendungsfall für die Blockchain-Technologie gab. Sie haben sich einfach in viele Projekte eingekauft und abgewartet was passiert, sobald die Tokens öffentlich gehandelt wurden. Diese Leute haben einen Haufen Geld verdient, bevor der Markt zusammenbrach.

Dann ist Bitcoin auf $3000 abgerutscht und es gab keine ICOs mehr. Danach haben wir das Aufkommen von Initial Exchange Offerings gesehen. Die erste Handelsplattform, die damit geworben hat war natürlich Binance mit der IEO von BitTorrent. Allerdings war Binance nicht die erste Börse, die IEOs organisiert hat.

Die Idee dahinter ist dass die Börse die Sorgfaltspflicht übernimmt. Sie durchleuchtet die einzelnen Projekte und gibt ihren Nutzern die Möglichkeit, sich nur in die besten Projekte einzukaufen.

Auch hier gab es wieder eine Menge Hype. Einige Börsen mussten sogar Lotterien abhalten, um zu bestimmen, wer investieren durfte und wir wissen mittlerweile, wie das endete. Manche Leute in China und anderen Ländern haben mehrere Computer gekauft und mehr Accounts auf den Handelsplattformen anlegen zu können, nur um die begehrten Lotterielose zu ergattern, an der IEO teilzunehmen und die Tokens sofort zu verkaufen, wenn die Preise stiegen.

Wenn Sie sich die Performance der Tokens nach der IEO ansehen, sind die meisten in den roten Zahlen und haben den Großteil ihres Handelswerts vielleicht fünf oder zehn Tage nach ihrer Kotierung verloren. Wenn Sie allerdings einige der ersten IEOs betrachten, geht ihr Preis immer noch nach oben.

Was wir ebenfalls wissen, ist dass IEOs kein Hilfsmittel für das Fundraising sind. Sie sind ein Hilfsmittel für Marketing. Dabei bietet die Börse eine Plattform für die Projekte, um eine Finanzierung zu erhalten, aber im Gegenzug müssen die Projekte einen Teil ihrer Gelder für das Marketing beiseite legen, um die Handelspreise stabil zu halten und den Investoren Profite zu gewährleisten.

Das hat wie ein Uhrwerk funktioniert, bis auch einige kleinere Börsen ihren Teil vom IEO-Kuchen abhaben wollten. Diese Exchanges, welche keine bedeutende Community hinter sich hatten haben angeboten, IEOs im Gegenzug zu einer nur geringen Gebühr durchzuführen. Daher haben viele Projekte eine IEO ohne große Erwartungen gestartet. Das hat den gesamten IEO-Markt abgewertet, da sie nun jeder durchführen kann und immer mehr betrügerische Projekte haben mit IEOs begonnen.

Kürzlich ist die chinesische Regierung eingeschritten, die keine Wiederholung von 2017 wollten, als sich viele Leute über ihre ICO-Verluste beschwerten. Die Regierung hat alle IEOs zu Betrugsmaschen erklärt, also haben die IEOs aufgehört. Erst jetzt kommen sie langsam wieder auf.

Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ich glaube nicht, dass IEOs tot sind und ich glaube nicht, dass sie per se schlecht sind. Crowdfunding ist in den meisten bedeutenden Volkswirtschaften immer noch ein lebendiger Weg zur Finanzierung und sollte allen Investoren zur Verfügung stehen. Wir meinen allerdings, dass es faire Praktiken geben muss. Die Industrie muss Regeln etablieren, um sicherzustellen, dass es nicht zu wahnsinnigen Pump and Dumps kommt, wie wir sie bei so vielen IEOs gesehen haben.

Wir brauchen diese Fundraising-Methode auf jeden Fall und ich hoffe, dass dies so weitergeht und die Handelsplattformen Projekte fair behandeln, um sicherzustellen, dass nur die besten Projekte die Möglichkeit bekommen, auf diesem Weg zu einer Finanzierung zu gelangen.

BeInCrypto: Was können Projekte noch tun, um einen großen Ausverkauf nach einem Token Sale zu verhindern?

Mik Mironov: Da gibt es mehrere Dinge. Als erstes müssen sie mit einem guten Kursmakler (engl. market maker) arbeiten, der die Dynamiken auf den Börsen algorithmisch versteht und eine genügende Finanzierung hat, um den Marktwert der Tokens zu stützen.

Auch eine gute Beziehung zu den Handelsplattformen ist sehr wichtig. Das wichtigste ist allerdings, mit der eigenen Community gut zusammenzuarbeiten und sicherzustellen, dass das Team ständig ihr Produkt weiterentwickelt. Das sollten Projekte auch in den Medien so kolportieren, um ihrer Community zu zeigen, dass sie aktiv an etwas gutem arbeiten.

Haltet eure Community begeistert für euer Projekt und sorgt für ein stetiges Wachstum der Community. Macht eure Community zu Evangelisten für euer Projekt und euren Token. Cosmos und Chainlink sind sehr gute Beispiele, die wir zur Zeit sehen. Ihren Tokens steigen im Wert und zwar aus gutem Grund, da sie konstant an ihren Produkten arbeiten.

BeInCrypto: Außer Token Sales gibt es noch einige andere Möglichkeiten, Tokens zu verteilen, wie beispielsweise Airdrops und Bounties. Glauben Sie, dass irgendwas davon ein besseres Modell für die Verteilung darstellt?

Mik Mironov: Derzeit sind Airdrops zu einer Art Norm in der Industrie geworden. Wenn Sie ein Fundraising durchführen und Ihren Token auf einer Börse listen, möchte diese, dass Sie die Community der Börse ansprechen. Das kann durch Airdrops, oder auch Trading-Wettbewerbe geschehen. Das ist OK.

Allerdings ist es eine gut erforschte Tatsache, dass Leute, die Tokens in einem Airdrop erhalten die Tokens meist zum erstmöglichen Zeitpunkt wieder verkaufen, wodurch der Kurs des Tokens einbricht. Ich denke also dass Airdrops nur als Belohnung für bestimmte Dienste eingesetzt werden sollten, wie zum Beispiel Bounties.

Sie können Ihre Community aktivieren, indem Sie ihr Belohnungen für bestimmte Aufgaben anbieten. Gleichzeitig sollten Sie klar machen, warum Ihr Token gut und wertvoll ist, damit die Leute auch die Zuversicht haben, Ihre Tokens auch für einen längeren Zeitraum zu halten. Ich glaube nicht, dass es zielführend ist, alle Tokens durch einen Airdrop an Leute zu verteilen, die Ihre Tokens gar nicht haben wollen, die keine Evangelisten für Ihr Produkt sind und die ihre Tokens zum schnellstmöglichen Zeitpunkt verkaufen werden.

Wir glauben dass zweigleisiges Fundraising, sowohl mit Equity und Tokens einen zusätzlichen Anreiz für Equity-Investoren darstellen kann, indem man ihnen obendrauf Tokens mit einer langen Sperrfrist gibt. Von der VC-Perspektive ergibt es viel Sinn, Investoren sowohl Equity, als auch Tokens an die Hand zu geben, da das den Investoren einen Anreiz gibt, das Projekt anzupreisen. Wir glauben dass diese Art von Airdrop, wenn man das so nennen kann, sehr viel Sinn macht, da es institutionellen Investoren einen Mehrwert gibt.

BeInCrypto: Wo stehen VC-Firmen in dieser Gleichung? Werden sie die Finanzierung von Blockchain-Projekten übernehmen, wenn ICOs und IEOs auf dem absteigenden Ast sind?

Mik Mironov: Nun, VCs und Angel Investoren sind immer schon ein Eckstein des Fundraisings gewesen. Es ist richtig, dass 2017 Projekte sich auch ohne ihre Hilfe finanzieren konnten. Im Moment sehen wir allerdings, dass der Hauptteil des Fundings von privaten Finanzierungsrunden kommt, da ICOs tot und IEOs nur noch eingeschränkt möglich sind.

Nur ein kleiner Teil der benötigten Finanzierung wird der IEO zugeteilt. Die Handelsplattformen verkaufen dabei nur einen kleinen Teil des Token Pools, während der ganze Rest durch institutionelle Investoren gestützt wird. Mein Rat ist, falls Sie nach einer Finanzierung suchen, sollten Sie in Erwägung ziehen, sowohl Equity, als auch Tokens zu verkaufen. Der Trend im Moment ist, dass institutionelle Investoren immer noch Equity bevorzugen und eine klare Exit-Strategie sehen wollen.

IEOs sind definitiv eine gute Ergänzung zum Fundraising, da sie sicherstellen, dass der Token auf einer namhaften Börse gelistet wird. Für eine Finanzierung sollten sie daher in Erwägung ziehen, VCs und Angel Investoren anzusprechen, die in der Industrie ihres Produkts vertreten sind. Lernen sie diese kennen, stellen Sie sich vor und bewerben Sie ihr Projekt. Es ist von höchster Wichtigkeit, eine private Finanzierung von institutionelle Investoren einzuholen, bevor Sie einen Token Sale in Betracht ziehen.

BeInCrypto: Auf was genau schauen Sie, wenn Sie Ihre Projekte auswählen?

Mik Mironov: Im letzten Jahr haben wir in einige Projekte investiert und unser Fokus lag dabei auf FinTech und DeFi. Wir haben uns zwei Arten von Projekten angesehen. Eine davon waren Infrastruktur-Projekte, die die Möglichkeit haben, bestehende Industrien zu zerschlagen. Zum Beispiel haben in ein Projekt namens everiToken investiert. Dieses baut die Infrastruktur für Micropayments und hat jetzt ein Pilotprojekt mit der größten ehrenamtlichen Organisation in China gestartet.

Im DeFi-Sektor haben wir in Plutus investiert, welcher ein Aggregator für verschiedene DeFi-Kreditplattformen ist. Der DeFi-Markt wächst und wir denken, dass es noch viel Raum für Innovationen gibt, aber wir sehen uns genau an, wie ein Projekt den Markt revolutionieren wird. Versuchen sie den Mittelsmann zu entfernen? Heben sie die Industrie auf die nächste Stufe? Versuchen sie, Kosten zu senken?

Es muss wirklich ein Element geben, welches uns denken lässt, dass es sich um ein mögliches Einhorn handelt. Dann brauchen wir die Zuversicht, dass die Gründer sachkundig im Fundraising und dem Aufbau einer Community sind. Wir glauben dass es sowohl wichtig ist, Finanzierungen zu erhalten, als auch kontinuierlich an dem Produkt zu arbeiten und dabei ein gutes und günstiges Marketing zu betreiben.

Dem Budget für Startups sind extrem enge Grenzen gesetzt, aber gleichzeitig müssen Sie präsent sein und andere Leute für Ihre Marke begeistern. Sie müssen also gleichzeitig kreativ im Fundraising und im Marketing sein. Mit anderen Worten, sie müssen ein Geschäftsmann sein.

BeInCrypto: Gibt es spezifische Entwicklungen im DeFi-Sektor auf die wir schauen sollten?

Mik Mironov: Stablecoins fallen mir ein. Abgesehen davon geht der Trend ein eine eindeutige Richtung. Im Moment preisen viele DeFi als Ersatz für Banking an. Allerdings gibt noch keine wirkliche Risikoübernahme bisher. Jeder Kredit wird nur vergeben, wenn er mit Kryptowährung übersichert wird. Man sperrt seine ETH in einem Smart Contract und erhält dann einen Kredit. Da findet keine Risikoübernahme wie bei Banken statt.

Risikoübernahme bedeutet auch Risikobewertung und man bekommt auf diese Risikoeinschätzung einen Kredit. Man kann zwar den Kredit ein wenig besichern, aber in den meisten Fällen ist der Kredit ungedeckt. Der Trend ist, dass wir das Aufkommen von Risikoübernahme sehen werden und dieser Trend ist bereits im Gange.

MakerDAO ist einer der größten Spieler im DeFi-Raum und ist auf dem besten Weg, ein Monopol zu werden, da sie bereits einen riesigen Marktanteil hat. Wir sehen, dass der Gesamtwert an ETH, welcher im DeFi liegt, steigt, aber wir sehen auch eine Menge an beeindruckenden Kollaborationen, zum Beispiel zwischen MakerDAO und Coinbase in einer E-Commerce Plattform.

Sie implementieren DAI auf der Plattform, damit Leute damit in vielen Teilen der Welt bezahlen können. DeFi bewegt sich also in Richtung des traditionellen E-Commerce und der nächste Schritt wird echte Risikoübernahme sein, wie beispielsweise durch Versicherungen.

BeInCrypto: Vielen Dank für dieses aufschlussreiche Interview.

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