Kryptobroker Genesis insolvent? FTX bringt gesamten Markt ins Wanken

Von Marc
22. November 2022, 12:40 GMT+0100
Aktualisiert von Toni Lukic
22. November 2022, 12:40 GMT+0100
IN KÜRZE
  • Die FTX-Lawine bahnt sich ihren Weg durch das Tal der Krypto-Dienstleister.
  • Auch der Kryptobroker Genesis vertraute auf die Dienste von Sam Bankman-Fried.
  • Die Auswirkungen eines Bankrotts von Genesis könnten auch den GrayScale Bitcoin Trust treffen.
  • promo

Der Fall von FTX bringt den Krptobroker Genesis ins Schwanken. Ein Fehlbetrag von 1 Milliarde US-Dollar an Krediten belastet das Unternehmen schwer. Nach eigenen Aussagen führen die Verantwortlichen konstruktive Gespräche mit Gläubigern, um einem Insolvenzantrag zu entgehen.

Erst gestern sagten Vertraute aus dem Dunstkreis von Genesis dessen Konkurs voraus. Laut eines Berichts habe das Unternehmen Schwierigkeiten, Geld für seine Krediteinheit zu beschaffen. Darauf reagierte Genesis prompt mit folgendem Statement:

„Wir haben keine Pläne, unmittelbar Insolvenz anzumelden. Unser Ziel ist es, die aktuelle Situation einvernehmlich zu lösen, ohne dass ein Insolvenzantrag gestellt werden muss. Genesis führt weiterhin konstruktive Gespräche mit Gläubigern.“

Kann Genesis tatsächlich dem Konkurs entkommen?

Zunächst fällt auf: Ein überzeugendes Statement klingt anders. Zwar bestehen “unmittelbar” keine Pläne für eine Insolvenzanmeldung, doch ein Konkurs wird nicht klar dementiert. Die Kryptofirma Genesis sieht sich nach dem Insolvenzantrag von FTX einer beunruhigenden Prognose gegenüber. Der Kreditgeber ist mit einer Liquiditätskrise konfrontiert und sucht nach einem massiven Notkredit, um sich vor der drohenden Insolvenz zu retten.

Die Höhe des notwendigen Rettungskapitals beläuft sich wohl “nur” auf 500 Millionen US-Dollar, statt der vorher gemeldeten 1 Milliarde US-Dollar. Möglicherweise ein Schritt nach vorne, auf der Flucht vor dem Konkurs. Dennoch: Genesis steht ohne einen Zufluss an frischen Finanzmitteln wohl am Rande des Bankrotts.

Ausgangspunkt der Genesis-Krise war das unvorhergesehene Desaster rund um die Kryptobörse FTX. Denn das Derivatengeschäft von Genesis verfügte über gesperrte Gelder in Höhe von 175 Millionen US-Dollar auf einem FTX-Konto. Kurz darauf gab das Unternehmen bekannt, Auszahlungen vorübergehend auszusetzen, unter Berufung auf “beispiellose Marktturbulenzen”.

Ein Tweet fasst die Meldungen von Genesis übersichtlich zusammen. Wobei der Beitrag noch vor der Verkündung entstand, dass Genesis wohl “nur” 500 Millionen US-Dollar für die Rettung benötigt.

Bereits am 16. November versuchte Genesis, seine Kunden zu beruhigen:

“Wir haben die besten Berater der Branche eingestellt, um alle möglichen Optionen zu prüfen. Nächste Woche werden wir einen Plan für das Kreditgeschäft liefern. Wir arbeiten unermüdlich daran, die besten Lösungen für das Kreditgeschäft zu finden, unter anderem auch an der Beschaffung neuer Liquidität.”

Entsprechend der Ankündigung sollten wir also im Laufe dieser Woche erfahren, wie es weitergeht. Inzwischen, so wird berichtet, fragte Genesis bei Binance und Apollo finanzielle Unterstützung an. Binance lehnt eine Unterstützung wohl ab.

Der Sturz von FTX löste einen Domino-Effekt aus

So meldete beispielsweise der Krypto-Kreditgeber BlockFi bereits am 15. November 2022 Insolvenz an, während das dezentrale Finanzprotokoll Ren ankündigte, dass es keine Gelder mehr von Alameda Research, einem Hedgefonds mit engen Verbindungen zu FTX, erhalten werde.

Bemerkenswerterweise kontrolliert die Muttergesellschaft von Genesis, die Digital Currenc Group, einen der größten Krypto-Investmentfonds, nämlich den GrayScale Bitcoin Trust (GBTC). Letzterer ermöglicht es institutionellen Investoren, in Bitcoin zu investieren. Derzeit befinden sich Assets im Wert von über 10,7 Milliarden unter der Verwaltung des GBTC. Laut Bernstein ist der Grayscale Bitcoin Trust beim Schwesterunternehmen Genesis Global vor einem Fallout geschützt. Wenn Genesis gezwungen ist, Konkurs anzumelden, haben die Gläubiger keinen Anspruch auf das GBTC-Vermögen, heißt es in dem Bericht.

Dennoch wird eines ganz deutlich: Der Domino-Effekt, den die FTX-Pleite ausgelöst hat, wird uns noch lange begleiten. Uns bleibt zu hoffen, dass die Lehren daraus gezogen werden und das Desaster die Zukunft zentraler Kryptobörsen letztlich stabilisiert.

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