Libra heißt jetzt Diem – neue Hoffnung auf Erfolg?

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Rund um Facebooks Kryptowährung Libra gab es in den vergangenen Monaten ausreichend Kontroversen. Nun versucht das Team hinter der virtuellen Währung eine neue Strategie und hat Libra kurzum in „Diem“ umbenannt. Die Rebranding-Phase soll scheinbar die anhaltenden regulatorischen Auseinandersetzungen mindern.



Anfang des Jahres 2020 erhielt das Projekt Libra deutlich negative Kritik durch Aufsichtsbehörden und Zentralbanken. Diese kritisierten die Pläne und befürchteten, dass das Unternehmen auf diese Weise die Kontrolle der Geldpolitik untergraben könnten. Ferner führten die Behörden an, dass Libra möglicherweise die Privatsphäre der Nutzer gefährden könnte. Diskutiert wird, ob die Bemühungen Libra schnellstmöglich an den Start zu bringen auch den Aufbau von digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs) eingeheizt hat.

Neuer Name, neues Glück?

Der Namenswechsel ist Teil einer neuen Struktur für die digitale Coin. Auch intern hat Facebook einen Namenswechsel durchgeführt. Die Facebook´sche Zahlungseinheit Calibra heißt nun „Novi Financial“. Novi Financial ist eines der 27 Mitglieder der Diem Association.



Stuart Levey, CEO der in Genf ansässigen Diem Association erklärt gegenüber Reuters:

Der ursprüngliche Name war an eine frühe Iteration des Projekts gebunden, die von den Aufsichtsbehörden nur schwer aufgenommen wurde. Wir haben diesen Vorschlag dramatisch geändert.

Diem ist Latein und bedeutet „Tag“. Noch nicht klar ist, wann „Tag“ starten soll. Ein möglicher Starttermin könnte aber bereits der Januar 2021 sein. Das Team hinter Diem versucht nun die Genehmigung durch die Schweizer Behörden zu erhalten, um dann mit dem Launch der virtuellen Währung voranzuschreiten.

Um dies zu erreichen, fokussiert sich Diem nun auf die Einhaltung von Richtlinien zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Ferner bemüht sich das Team Sanktionen zu umgehen, indem frühere Pläne verworfen und neue aufgebaut werden.

Diem: Stablecoin-Korb?

Zu den Veränderungen gehört nicht nur der neue Name. Auch soll sich die Art und Weise der Währung grundlegend verändern. Die Facebook-Coin war ursprünglich durch Fiat-Währungen unterstützt. Das soll sich nun wandeln, und zwar in Diems mehrere Stablecoin-Arten. Diese sollen dann wiederum an bestimmte nationale Fiat-Währungen gebunden sein.

Fraglich bleibt aber weiterhin, ob Diem die regulatorischen Hürden stemmen und die Behörden langfristig überzeugen kann. Schließlich kämpft Diem/Libra bereits seit September 2019 um eine behördliche Genehmigung durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA). Bisher allerdings ohne Erfolg. Einer der Hauptgründe gegen Libra war damals die enge Verbindung zum Konzern Facebook – daran dürfte sich auch mit dem neuen Namen nichts geändert haben.

Ferner scheint die politische Grundeinstellung gegenüber privaten Stablecoin dem Projekt nicht zuträglich zu sein. Denn Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), sprach kürzlich über die möglichen Gefahren, die private Stablecoins für die Stabilität des Finanzmarktes mit sich bringen. Insgesamt soll es strengere Vorschriften für Stablecoins geben, während die Regierungen gleichzeitig an eigenen CBDCs basteln.

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Alex hat ihren Bachelor in Orient- und Asienwissenschaften an der Friedrich-Wilhelms Universität Bonn absolviert, danach Deutsch als Fremdsprache am Goethe Institut studiert und ihren Master in Arabistik an der Freien Universität Berlin absolviert. Seit 2017 ist sie als Krypto-Journalistin tätig.

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