Marc Friedrich im Interview: „Wir sind mitten im großen Reset“

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IN KÜRZE
  • Der Sachbuchautor und Vermögensverwalter Marc Friedrich gab BeInCrypto ein Interview.

  • Er sagt, dass wir den „Great Reset“ nicht mehr aufhalten, sondern nur noch mitgestalten können.

  • Fest steht, dass die Notenbanken weiter Geld drucken werden.

Das Trust Project ist ein internationales Konsortium von Nachrichtenorganisationen, die Standards für Transparenz entwickeln.

Der „große Reset“, der von wirtschaftlichen Einflussträgern seit Jahren propagiert wird, ist bereits in vollem Gange, sagt Marc Friedrich. Wie das Endergebnis aussehen wird, liegt jedoch in unserer Hand.


Als Sachbuchautor für Wirtschaft und Finanzen hat Marc Friedrich bereits fünf Bücher herausgegeben, die auf der SPIEGEL-Bestseller-Liste gelandet sind. Seit 2017 ist er zudem in der Vermögensverwaltung tätig.

Notenbanken werden weiter Geld drucken

BeInCrypto: Die Präsidentschaftswahlen in den USA sind nun entschieden, allerdings fechtet Donald Trump den Wahlausgang an. Welche Auswirkungen können die verschiedenen Ausgänge für die USA und Europa haben?


Marc Friedrich: Unabhängig davon wer gewinnt, werden die Notenbanken weiter Geld drucken. Egal welche Partei an die Macht kommt, sie wird ein Konjunkturpaket historischen Ausmaßes implementieren. Wenn Biden gewinnt hofft man ja, dass wieder Normalität einkehrt und wir wieder in die alte Welt zurück kommen. Das glaube ich allerdings nicht und ich glaube auch nicht, dass er seine gesamte Amtszeit durchhalten wird. Falls Donald Trump gewinnt, wird er natürlich die westlichen Regierungen und Presseorgane in eine große Krise stürzen.

BeInCrypto: Viele haben in Hinblick auf die Wahl auch gespannt auf den Goldmarkt geschaut. Die Begründung war dass es unter Biden ein riesiges Konjunkturprogramm geben wird und die Notenbank weiter Geld drucken wird. Nun war in den Tagen nach der Wahl das exakte Gegenteil der Fall. Wie ist das zu bewerten?

Marc Friedrich: Nun, der Goldpreis ist ja nicht wegen der US-Wahl gefallen. Das hängt vielmehr damit zusammen dass BioNTech jetzt einen Impfstoff gefunden hat, was natürlich die Hoffnung birgt, dass wir bald wieder in die alte Normalität zurückkehren können. Ich sehe das allerdings eher skeptisch und glaube, dass sich der Goldpreis nächstes Jahr in die gleiche Richtung bewegen wird, wie dieses Jahr. Die Notenbanken müssen weiter Geld in das System pumpen, um das Karussell am laufen zu halten. Wir werden deshalb neue Höchststände bei Bitcoin und Edelmetallen sehen.

BeInCrypto: Unabhängig von dem Impfstoff, wie geht es mit der Wirtschaft weiter und wie sollte sich die Politik am besten verhalten?

Marc Friedrich: Meine persönliche Meinung dazu ist ja weithin bekannt und wird auch gerne kritisiert. Aber ich ich denke dass Lockdowns grundsätzlich falsch sind und insgesamt mehr Schaden anrichten, als das Virus selbst. Da werden Existenzen vernichtet und eigentlich gesunde Unternehmen in die Insolvenz getrieben. Die Kollateralschäden sind jetzt schon gigantisch und teilweise auch irreparabel.

Ein Bild von BeInCrypto.com.

Die Folgen davon sind Konjunkturpakete, Steuererhöhungen und Notenbanken, die alles aufkaufen was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Das wird das größte Notenbankexperiment, das wir je gesehen haben. Es wird Negativzinsen geben, wodurch die Asset-Preise ansteigen werden. Das betrifft Aktien, Immobilien, oder generell alles was limitiert ist.

Great Reset: Der Knopf ist bereits gedrückt

BeInCrypto: Viele internationale Einflussträger wie das Weltwirtschaftsforum oder der IWF sprechen bereits von einem „großen Reset”. Was ist davon zu halten?

Marc Friedrich: In Davos wurde kürzlich erst wieder vom Great Reset gesprochen, also wir sind mitten drin, statt nur dabei. Aber das ganze ging schon vor Corona los. In meinem letzten Buch, das im Oktober 2019 herausgekommen ist, habe ich bereits darüber geschrieben. Wir stehen vor einer Zeitenwende und dem größten wirtschaftlichen Paradigmenwechsel aller Zeiten und das können wir auch nicht mehr stoppen. Die Frage ist jetzt, in welche Richtung es geht, in Unterjochung, Überwachung und Diktatur, oder in die Freiheit.

Ein Bild von BeInCrypto.com.

Die Entscheidung liegt bei uns, aber wie wir aus der Vergangenheit wissen, werden Krisen von der Politik immer genutzt, um uns vor vollendete Tatsachen zu stellen. Die Schuldenunion, welche ja eigentlich vertraglich ausgeschlossen wurde, ist jetzt unter dem Deckmantel der Corona-Krise dennoch implementiert worden und es gab keinen Aufschrei. Das wäre unter normalen Umständen niemals möglich gewesen.

Der große Reset geschieht bereits, man muss sich nur mal umsehen. Wir leben nicht mehr so wie früher, niemand fliegt mehr für 39€ nach Kreta oder Stockholm, um dort seinen Bachelor zu feiern. Wir sollen alle eine App bei uns haben und sollen uns testen lassen. In manchen Ländern darf man nicht mal mehr das Haus verlassen. Der digitale Euro steht bereits am Horizont. Wie gesagt, wir sind gerade mitten drin und der große Reset ist schon im vollen Gange.

BeInCrypto: Was genau plant denn das Weltwirtschaftsforum im Einzelnen? Was kommt da noch auf uns zu?

Marc Friedrich: Eine Neuordnung, die Karten werden neu gemischt. Nach außen hin wollen sie umweltfreundlicher werden. Es geht darum, dass wir zu viele Menschen auf dem Erdenball sind und zu wenig Ressourcen haben. Der Hintergrund ist allerdings dass das Geldsystem seit der Finanzkrise 2008 im Dauerkrisenmodus ist und durch die Notenbanken ständig wiederbelebt werden muss.

Von dem Schock 2008 haben sich die Finanz-, Geld- und Wirtschaftsmärkte nie wieder erholt. Seitdem leben wir praktisch auf Speed und werden ständig mit Liquidität zugedröhnt. Jetzt sind wir mathematisch am Ende und man versucht das Ende nur noch durch Ablenkungsmanöver hinauszuzögern. Das wird uns teuer zu stehen kommen, weil die Kollateralschäden immer größer werden. Der Knopf für den großen Reset ist schon gedrückt und wir können diesen Prozess nicht mehr aufhalten.

BeInCrypto: Gibt es denn nach dem großen Reset irgendeine Möglichkeit, um wieder zu einem stabilen Finanzsystem zurückzufinden?

Marc Friedrich: Wir werden nie wieder in der gleichen alten Welt aufwachen. Das wird es nicht geben. Wir müssen diesen Transformationsprozess annehmen und mitgestalten, denn wenn er nur von den Falschen gestaltet wird, werden wir in die Unterjochung laufen. Dann werden uns Demokratie und Wohlstand abhanden kommen. Damit das nicht passiert sollte man auch aktiv werden und unter Umständen auf die Straße gehen. Es gibt jedoch Lösungen, um eine demoratischeres, gerechteres und faireres System herbeizuführen und eine davon ist unter anderem Bitcoin.

 

Gold ist nach wie vor eine sichere Anlage

BeInCrypto: Wie viele andere Staaten auch sitzt die Bundesregierung auf großen Goldreserven, die sie im Krisenfall verkaufen könnte. Ist Gold tatsächlich die sichere Anlageform, für die sie immer gehalten wird.

Marc Friedrich: Absolut. Gold ist limitiert und hat sich seit 5000 Jahren bewährt. Aus diesem Grund haben auch die Notenbanken stets Gold im Schließfach, obwohl wir seit 1971 keinen Goldstandard mehr haben. Seit der Finanzkrise 2008 kaufen sie sogar in Rekordmengen hinzu. Das heißt aber auch dass die Notenbanken ihrem eigenen Papiergeld nicht so sehr trauen wie Gold.

BeInCrypto: Aber würde es nicht einen massiven Preissturz verursachen, falls die Notenbanken ihre Goldreserven verkaufen?

Marc Friedrich: Natürlich, aber dadurch würden sich die Notenbanken selbst schaden, weil sie die größten Besitzer sind.

BeInCrypto: Könnten die Regierungen nicht beschließen, den privaten Goldbesitz zu verbieten?

Marc Friedrich: Das denke ich nicht, da wir keinen Goldstandard mehr haben. Das wurde 1933 nur getan weil der US-Dollar in Gold gedeckt war. Mit einem Markt von 11 Billionen Dollar ist Gold ist viel zu uninteressant. Viel eher werden sie das Bargeld abschaffen und Immobilien höher besteuern. Diese sind zusammen hunderte von Billionen wert und sind auch einfacher zu besteuern als Gold. In absehbarer Zeit wird es auf gar keinen Fall ein Goldverbot geben.

Vielen Dank, Marc!

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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