QuadrigaCX operierte wie ein Ponzi-Schema

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IN KÜRZE
  • Neuer Bericht über QuadrigaCX

  • Monate lang ein Ponzi-Schema

  • Scheitern war unvermeidbar

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Ein neuer, detaillierter Bericht über die Krypto-Börse QuadrigaCX zeigt, dass die Handelsplattform monatelang wie ein Ponzi-Schema operierte, bevor sie pleite ging.



Vom Handel mit Fake-Assets bis zur Abdeckung von Verlusten durch die Einzahlungen der User betrieb der mittlerweile verstorbene Gerald Cotten QuadrigaCX so, dass die Plattform von vorne herein zum Scheitern verurteilt war. Die Ontario Securities Commission (OSC) hat jetzt detaillierte Befunde veröffentlicht, welche zeigen, dass der Niedergang von Kanadas größter Krypto-Börse unvermeidlich war.

Unerlaubter Handel mit Einzahlungen der Nutzer

Laut dem Bericht der OSC behielt Cotten die einseitige Kontrolle der Wallets seiner Nutzer. Der verstorbene CEO von QuadrigaCX hat missbräuchlich von diesen Einzahlungen profitiert, indem er sie von Quadriga abzog und auf anderen Börsen damit Handel trieb. Ein Ausschnitt von dem Bericht, der diesen Trend aufzeigt, liest sich wie folgt:



Cotten sagte einem Kunden von Quadriga, dass eine bestimmte Wallet-Adresse der kalten Aufbewahrung dienen würde. In Wirklichkeit war es die Einzahlungsadresse für Cottens Konto auf einer anderen Handelsplattform für Krypto-Assets.

Die Nutzer von Quadriga waren sich nicht darüber bewusst, dass keine Trennung zwischen dem Kapital der Plattform und den Einzahlungen der Nutzer stattfand. Stattdessen hat die Handelsplattform alle Kundengelder in einer Wallet gesammelt, die von Cotten kontrolliert wurde.

Abgesehen davon, dass er es unterlassen hat, solche Trennungen zu errichten, hat Quadriga anscheinend auch ihre Buchführung vernachlässigt. Der Bericht der OSC kommt zu dem Schluss, dass die Krypto-Börse nach 2016 keine Aufzeichnungen über ihren Finanzstatus mehr erhoben hat. Stattdessen hat sie lediglich ihre Verbindlichkeiten gegenüber den Kunden, also Auszahlungsanfragen aufgezeichnet.

Zusätzlich zur der zerstörerischen Mischung der fehlenden Buchhaltung und dem ungeprüften Zugang zu den Nutzergeldern, hat Cotten die Kundengelder durch den Handel auf anderen Krypto-Börsen veruntreut. Laut den Ermittlern der OSC hat Cotten sogar Fake-Accounts mit gefälschten KYC-Details angelegt, um auf diesen Plattformen zu handeln.

Ein Ausschnitt von diesem Bericht zeigt das Ausmaß eines sich immer stärker zusammenbrauenden Problems:

Im Grunde genommen hat Cotten mit einem unbegrenzten Kreditrahmen spekuliert: Er konnte so viel handeln, wie er wollte, ohne dass seine eigenen Assets, oder die Assets von Quadriga diese Trades gestützt haben. Die Kunden von Quadriga waren seine unwissenden Kreditgeber. Sie haben das Risiko getragen und erlitten letztlich die Auswirkungen von Cottens Trading-Verlusten.

Fake-Assets und Ponzi-Schema

Da ihm sein unbegrenzter Kreditrahmen anscheinend nicht ausreichte, hat Cotten auch noch mit Fake-Assets gehandelt. Der verstorbene CEO hat routinemäßig mit nicht vorhandener Fiatwährung (CAD) Krypto-Assets gekauft und mit nicht vorhandenen Krypto-Assets CAD-Abhebungen veranlasst.

Mit Fake-Assets sowohl auf der Fiat- als auch der Krpyto-Seite für Cottens Margin Trades haben negative Preisbewegungen zu signifikanten Verlusten für Cotten geführt. Da er Zugriff auf die Gelder von Quadriga hatte, konnte Cotten für einige Zeit die neuen Einzahlungen seiner Kunden verwenden, um Abhebungen abzudecken.

Im Jahr 2017 gab es einen Boom auf den Krypto-Märkten und Cottens Long-Positionen haben substantielle Profite eingefahren. Tatsächlich gab es 2017 einen massiven Bull-run über alle Märkte, wobei Bitcoin beinahe die $20.000-Marke überschritt.

Dann kam 2018 und ein Jahr des Bärenmarktes, der die meisten Gewinne des Vorjahres wieder auffraß. Da er Ethereum (ETH) mit Fake-Assets (BTC und CAD) kaufte, musste Cotten Geld auftreiben, um Auszahlungsanträge auf Quadriga bedienen zu können.

Die Situation spitzte sich weiter zu, nachdem Quadriga Probleme mit seinen Zahlungsvermittlern bekam. Nachdem kanadische Banken die Konten von Partnern der Plattform sperrte, hat Quadriga den Zugriff auf diese Gelder schnell verloren.

An diesem Punkt zeigten sich bereits die ersten Risse in Quadrigas Fassade. Die Kunden mussten dabei lange auf ihre Auszahlungen warten. Laut der OSC hat Cotten die Plattform seit dem März “wie eine Drehtür” betrieben. Neue Einzahlungen wurden dabei genutzt, um Auszahlungen in der Warteschleife zu bedienen.

Der OSC-Bericht beschuldigt damit Quadriga, ein Ponzi-Schema betrieben zu haben. Ähnlich wie Schneeballsysteme zeichnen sich Ponzi-Schema dadurch aus, dass Profite und Auszahlungen nur durch neue Einzahlungen gedeckt werden können. Dadurch operieren Unternehmen nicht, beziehungsweise nicht mehr nachhaltig.

Der Bankrott und die Nachwirkungen

Soweit wir wissen, verstarb Cotten Ende 2018 in Indien. Quadriga schuldet ihren Nutzern eine Gesamtsumme von 215 Mio. USD in Krypto- und Fiatwährungen. Laut den Ermittlern der OSC hat Cottens Trading-Verluste einen Schaden von 115 Mio. USD mit weiteren 28 Mio. USD auf externen Plattformen verursacht. Der Bericht weist weiterhin darauf hin, dass Cotten zusätzlich 2 Mio. USD für persönliche Ausgaben veruntreute.

2019 hat Cottens verwitwete Frau Jennifer Robertson den Zorn der Quadriga-Gläubiger auf sich gezogen, indem sie ebenfalls eine Rückzahlung im Rahmen des Insolvenzverfahrens beantragte. Durch das Verfahren konnten die Insolvenzverwalter insgesamt 46 Mio. USD für die Gläubiger zurückgewinnen. Davon stammten 12 Mio. USD von Robertson.

Als Teil ihrer Untersuchungen hat sich auch das FBI Mitte 2019 dieses Falls angenommen. Im Januar 2020 gab es Berichte, nach denen die US-Sicherheitsbehörde einige Opfer der insolventen Handelsplattform kontaktierte. Auch beantragten einige Anwälte, dass Cottons Leiche exhumiert werden soll.

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