#Tilonomics trendet auf Twitter: Armchair-Ökonomie auf Steroiden [Glosse]

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IN KÜRZE
  • Unter #Tilonomics macht sich die Twitter-Community über die ökonomischen Ansichten von Tilo Jung lustig.

  • Die Debatte zwischen Marktliberalen und Sozialisten heizt sich weiter auf.

  • Einigkeit besteht jedoch darin, dass die EZB ihre Politik der letzten 10 Jahre verfehlt hat.

  • promo

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Der Journalist und Podcaster Tilo Jung ist Namensgeber für einen Hashtag geworden. Unter #Tilonomics macht sich die Twitter-Gemeinde über sein (mangelndes) ökonomisches Verständnis lustig.



Der Hashtag ging vermutlich nach einem Live-Stream viral, in dem der Gründer des Interviewmagazins Jung & Naiv mit dem Ökonomen Peter Bofinger sprach. Zur Bewältigung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Krise schlägt Bofinger eine Variante der seit einigen Jahren umstritten diskutierten Eurobonds vor.



Dabei soll die EU gemeinschaftlich Staatsanleihen herausgeben und dabei auch gemeinschaftlich die Haftung übernehmen. Dies soll insbesondere hoch verschuldeten EU-Staaten den Zugang zum Kapitalmarkt erleichtern. Auf die Frage, wer diese Anleihen kaufen würde, antwortet Bofinger, dass dies in letzter Konsequenz die EZB selbst tun müsste, falls sich keine privaten Anleger finden. Das bedeutet, einfach ausgedrückt, dass EZB zusätzliches Geld schaffen müsste.

#Tilonomics: Twitter Männliche marktradikale, libertäre und rechte Minderheit macht sich über Jung lustig

Als Reaktion auf die ökonomischen Thesen Jungs tauchte bei Twitter der Hashtag #Tilonomics auf und erreichte Trendstatus. Die Aussichten darauf, dass die EZB Geld drucken soll, stieß viele User sauer auf.

Die Twitter-Community scherzte mit abstrusen Vergleichen über Jungs Veständnis von Wirtschaft.

Jung, der für seine ökonomisch sehr weit links stehende Haltung bekannt ist, trat in seinem Interview mit Bofinger für ein bedingungsloses Grundeinkommen, sowie die Umstellung auf eine sozialistische Produktionsweise für den Klimaschutz ein. Wie genau diese Produktionsweise aussehen soll, konnte der Journalist und Podcaster allerdings nicht näher benennen. Jedenfalls konnte sein Interviewpartner der leicht unbeholfen wirkenden Kapitalismuskritik nichts abgewinnen. Auch die Twitter-Community war nicht überzeugt.

Tilo Jung spaltet die Gemüter

COVID-19, sowie die dadurch drohende Wirtschaftskrise, hat offenbar noch einmal Öl in das Feuer der Meinungsverschiedenheiten zwischen dem marktliberalen und dem sozialistischen Lager gegossen. Einige Twitter-User sprangen Jung mit scharfen Worten zur Seite.

Darunter befand sich auch Daniel Kerekeš, Kreissprecher der LINKE Essen. Dieser nannte die Vertreter der marktliberalen Seite “Menschenhasser”.

Leider finden sich unter den Tweets der Gegenseite von #Tilonomics keine Argumente, die über eine Ad-Hominem-Attacke hinausgehen, dafür einige kreative Wortschöpfungen:

Die Debatte um unsere Produktionsweise wird nach den radikalen Thesen von Tilo Jung erbitterter denn je geführt. SchokoMania (@Lord_Schoko) bringt es auf den Punkt:

Einigkeit über verfehlte Geldpolitik

In dem Interview spracht Bofinger über mögliche Finanzhilfen, welche Unternehmen hauptsächlich durch Kredite zur Verfügung stehen sollen. Jung befürchtete, dass dies eine Fortsetzung der “Politik der schwarzen Null” sein könnte. Auch zu diesem Thema gab es unter #Tilonomics einen heißen Take:

Man kann Marktliberalen wohl vieles vorwerfen, aber nicht mangelnden Realitätssinn. Das Ausmaß der verfehlten Politik der letzten zehn Jahre geht allerdings über die hohe Staatsverschuldung weit hinaus.

Mit ihrer Niedrigzinspolitik hat die Europäische Zentralbank (EZB) eines geldpolitischen Mittels bedient, welches eigentlich zur kurzfristigen Überbrückung von Krisen, wie der derzeitigen Coronavirus-Pandemie, vorbehalten sein sollte. Darüber herrscht in beiden ökonomischen Lagern weitgehend Einigkeit.

Nun, da die Anleihezinsen der EZB bereits bei Null liegen, hat sie nicht mehr viele Möglichkeiten, um der Krise entgegenzusteuern. Vermutlich wird sie wohl nicht darum herumkommen, Geld zu drucken, was Europa in eine starke Inflation treiben könnte. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln werden.

Richtigstellung: In diesem Artikel wurde der Hashtag #Tilonomics mit dem Inteview Tilo Jungs mit Peter Bofinger in Zusammenhang gebracht. Wie Jung BeInCrypto gegenüber bekanntgab, war dieses Interview NICHT der Auslöser dafür, dass der Hashtag viral ging. Wir möchten weiterhin betonen, dass es NICHT die gesamte Twitter-Community war, die sich über ihn lustig machte, sondern eine ausschließlich männliche, marktradikale, libertäre und rechte Minderheit.

https://twitter.com/TiloJung/status/1246504829658243081

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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