Warnung vor Kreditausfällen – Platzt jetzt die Finanzblase?

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Im Zuge der Coronavirus-Krise stehen viele Unternehmen unter Druck. Dadurch könnte es zu Kreditausfällen, Masseninsolvenzen und weiteren Problemen kommen.



Wie das [Handelsblatt] heute berichtete, rechnet die Ratingagentur Standard & Poor’s damit, dass sich die Ausfallrate für Unternehmenskredite verdreifachen wird. Diese wird damit in den USA auf mehr als zehn Prozent und in der EU auf einen “hohen einstelligen Bereich” steigen wird.

Was Kreditausfälle für die Wirtschaft bedeuten

Unternehmen, die aufgrund von Zahlungsunfähigkeit ihre Kredite nicht mehr bedienen können, müssen ein Insolvenzverfahren eröffnen. Falls das Unternehmen nicht durch einen Schuldenschnitt, Übernahme durch ein anderes, zahlungsfähiges Unternehmen, oder andere Maßnahmen gerettet wird, kommt es im Rahmen des Insolvenzverfahrens zu einer Unternehmensauflösung. Dadurch verlieren die Mitarbeiter des Unternehmens ihren Arbeitsplatz.



Da auch andere Firmen von einem insolventen Unternehmen abhängig sind, zum Beispiel dessen Produkte benötigen, oder offene Forderungen an dieses Unternehmen haben, steigt das Risiko, ebenfalls in die Zahlungsunfähigkeit abzurutschen. Es entsteht somit ein Schneeballeffekt, der in eine Wirtschaftskrise führen kann. Auch kann es dadurch zu Problemen in der öffentlichen Versorgung kommen.

Aufgrund der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) seit der Finanzkrise 2007 wurden Unternehmen, welche eigentlich nicht mehr konkurrenzfähig sind, am Leben gehalten und zeitweise vor einer Insolvenz bewahrt. [Tagesschau] Das Risiko eines Schneeballeffekts, der schlagartig viele Unternehmen in den Abgrund reißen könnte, ist durch diese “Zombie-Firmen” enorm gestiegen.

Selbstverständlich stehen auch Banken durch die drohenden Kreditausfälle vor Problemen, da diese meist die Hauptgläubiger insolventer Unternehmen sind. Durch die Niedrigzinspolitik ist der Bankensektor bereits angeschlagen. Sollte es zu einer Welle von Kreditausfällen kommen, droht daher eine erneute Bankenkrise.

Auch Fiat ist kein sicherer Hafen

Zur Abfederung kurzfristiger Konjunkturkrisen können sich Zentralbanken fiskalpolitischer Mittel bedienen. Dabei senkt die Zentralbank meist die Zinsen, um das Risiko von Unternehmensinsolvenzen zu senken, Investitionen günstiger zu machen und die Verbraucher zu einem erhöhten Konsum anzuregen.

In der derzeitigen Situation steht den Zentralbanken dieses Mittel nicht zur Verfügung, da die Leitzinsen bereits nahe null, oder im Fall der EZB bereits bei null liegen. Der nächste Schritt besteht in einer expansiven Geldpolitik, welche auch Quantitative Lockerung genannt wird. Dadurch stellt die Zentralbank den Geschäftsbanken zusätzliche Liquidität bereit. Die EZB betreibt diese Geldpolitik bereits seit 2015.

Ein noch unkonventionellerer Schritt wäre die Bereitsstellung von Helikoptergeld. Dabei wird neu geschaffenes Zentralbankgeld direkt an den Staat, oder die Bürger ausgezahlt. Heute hat die US-Regierung beschlossen, Schecks mit Helikoptergeld an die Bevölkerung zu verschicken. Es ist jedoch noch nicht bekannt, in welcher Höhe diese Schecks ausfallen werden. [Handelsblatt]

Bereits im Februar hat die Regierung in Hongkong eine ähnliche Maßnahme beschlossen. Dabei wurden umgerechnet 1180€ an jeden erwachsenen Bürger ausgegeben. [Tagesspiegel] Diese Mittel wurden jedoch nicht durch Erhöhung der Geldmenge erzeugt, sondern aus Staatsreserven entnommen. Auch in Europa wir derzeit über Helikoptergeld diskutiert.

Was diese geldpolitischen Maßnahmen vereint, ist dass sie zu einem inflationären Wertverfall der Fiatwährung führen. Zwar ziehen Investoren ihre Positionen derzeit von allen Märkten ab, da Fiatwährung die geringste Volatilität bietet, allerdings nehmen sie dadurch in Kauf, dass sie durch diese Inflation schleichend enteignet werden.

Kryptowährungen als Abischerung gegen Inflation?

Aufgrund der hohen Volatilität auf den Krypto-Märkten sind die Anleger derzeit extrem ängstlich. In der letzten Woche stürzte der Markt daher um 34,4% ab. Aufgrund des bevorstehenden Halvenings und der Möglichkeit einer steigenden Nachfrage können Anleger, welche das Risiko nicht scheuen, auf lange Sicht derzeit hohe Gewinne erwarten.

Es ist jedoch nicht absehbar, auf welchen Preis Kryptowährungen noch fallen werden. Sollten Regierungen extreme Maßnahmen ergreifen, wie beispielsweise die Einschränkung des Internetzugangs, könnte dies der Kryptowirtschaft einen Schlag versetzen, von dem sie sich vorerst nicht wieder erholen wird. “High Risk, High Reward” ist daher derzeit das Mantra der Krypto-Investoren.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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