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Wall Streets Inflationswarnung aus Iran – was sie für Krypto bedeutet

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Geschrieben von
Oihyun Kim

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Redigiert von
Leonard Schellberg

03 März 2026 12:30 CET
  • Der Iran-Konflikt könnte die Inflation anheizen und die Zinsen länger hoch halten.
  • Anleihenmärkte signalisieren sinkende Erwartungen auf Zinssenkungen.
  • Die Krypto-Märkte reagieren mit unsicheren Schwankungen und Flucht in sichere Häfen.
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Die Wall Street warnt vor neuer Inflation. Von den Anleihemärkten bis zu den Chefetagen gibt es immer mehr Zeichen dafür, dass die US-israelischen Angriffe auf den Iran den Preisdruck wieder erhöhen könnten — auch auf dem Krypto-Markt.

Jetzt stellt sich die Frage, ob der Öl-Schock durch den Iran-Krieg dafür sorgt, dass die erwarteten Zinssenkungen später kommen als gedacht.

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Iran-Konflikt & Krypto: Anleihenmarkt legt vor

Der US-Anleihemarkt hat sehr schnell auf diese Gefahr reagiert. Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen stiegen um 10 Basispunkte auf 4,03 Prozent. Das war der größte Anstieg an einem Tag seit Oktober. Gleichzeitig stieg der Ölpreis um über 6 Prozent, weil durch die Straße von Hormus fast keine Tanker mehr fahren.

Erwartungen für schnelle Zinssenkungen sind zugleich gefallen. Händler rechnen jetzt erst im September mit der ersten Zinssenkung der Fed, eine dritte Senkung im Jahr 2026 wird kaum noch erwartet. Noch vor wenigen Wochen waren die Märkte viel optimistischer, dass Zinsen bald sinken.

Die Botschaft vom Anleihemarkt ist klar: Die Gefahr von Inflation ist zurück, und die Fed hat wenig Spielraum.

Yellen und Dimon schlagen Alarm

Zwei der wichtigsten Stimmen in der US-Finanzwelt haben diese Warnung am Montag bestätigt.

Die frühere US-Finanzministerin Janet Yellen warnte, dass der Iran-Konflikt die Fed „noch vorsichtiger“ macht und Zinssenkungen schwieriger werden. Schon jetzt liegt die Inflation in den USA bei etwa 3 Prozent – das sind ein Prozent mehr als das Ziel der Fed. Die Zölle aus Trumps Zeit sorgen laut Yellen dafür, dass die Inflation etwa einen halben Prozentpunkt höher ist.

Noch wichtiger war für sie der psychologische Effekt. Die Fed muss laut Yellen Angst haben, dass die Märkte denken: „Ja, sie haben es auf 3 Prozent geschafft, aber sie meinen es nicht ernst mit den 2 Prozent.“ Wenn das viele glauben, könnten dauerhaft höhere Inflationserwartungen entstehen – das wäre für die Zentralbank das schlimmste Szenario.

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Auch JPMorgan-Chef Jamie Dimon hat ähnlich gewarnt. Er sagte, dass höhere Inflation für die US-Wirtschaft so störend wie ein „Stinktier auf einer Party“ sein könnte. Ein kurzer Konflikt hätte seiner Meinung nach nur einen kleinen Einfluss auf die Inflation. Doch falls der Krieg länger dauert, könnten die Auswirkungen deutlich schlimmer werden.

Was Inflation für die Märkte bedeutet

Wenn die Inflation länger hoch bleibt, spüren das alle Anlageklassen.

Bei Aktien führen länger hohe Zinsen dazu, dass die Bewertungen sinken – besonders bei Wachstums- und Tech-Aktien, die stark von Zinssätzen abhängen. Am Montag fiel der S&P 500 im Tagesverlauf um über 1 Prozent, bevor er sich wieder erholte. Energie- und Rüstungsaktien waren gefragt, während Fluggesellschaften stark verloren.

Bei Krypto ist die Lage komplizierter. Bitcoin stieg am Montag um 5,7 Prozent auf 69.424 USD, obwohl gleichzeitig Anleihen verkauft wurden. Manche sehen darin eine Flucht in sichere Anlagen wegen geopolitischer Unsicherheit und Inflationsangst. Auch der Goldpreis kletterte auf über 5.300 USD und stützte diese Sichtweise.

Allerdings macht eine längere Phase hoher Zinsen das bullische Szenario für Krypto schwieriger. Der Bärenmarkt 2022 hat gezeigt, wie stark digitale Coins an Wert verlieren können, wenn die Liquidität knapper wird und die Fed mehr auf Inflation achtet. Wenn die Hoffnung auf Zinssenkungen weiter sinkt, könnte es auch im Krypto-Markt schwieriger werden.

Nicht alle sind pessimistisch

Allerdings rechnen nicht alle an der Wall Street mit einem schlimmen Ausgang.

Strategen von Morgan Stanley um Mike Wilson meinen, der Konflikt im Nahen Osten gefährdet ihre bullische Sicht auf US-Aktien nur dann, wenn der Ölpreis deutlich steigt und hoch bleibt. Das Team von JPMorgan sieht in der Eskalation sogar eine Kaufchance, da die grundlegenden Daten weiter positiv seien.

Der erfahrene Analyst Louis Navellier geht noch weiter. Er sagt voraus, dass die Militäraktion am Ende „große Unsicherheit beseitigen“ und zu einer Erholung an den Märkten führen könnte, wenn in Iran eine pro-westliche Regierung kommt und der Ölexport wieder anläuft. Das schreibt er in InvestorPlace.

Auch das Atlantic Council gibt Entwarnung. Die weltweite Energie-Infrastruktur ist laut dem Rat intakt und vor dem Konflikt war das Öl-Angebot stabil. Wie lange die Lage unsicher bleibt, ist wichtiger als die Angriffe selbst.

Die Frage nach der Dauer

Am Ende hängt fast alles von einer Frage ab: Wie lange bleibt die Straße von Hormus praktisch geschlossen?

Wenn es schnell eine Lösung gibt, dürften höhere Preise nur kurz ein Problem sein – unangenehm, aber erträglich. Hält die Störung jedoch mehrere Wochen an, könnte das zusammen mit der Umstellung auf Sommerbenzin, dauerhafter Inflation und neuen Zöllen die Fed zwingen, die Zinsen bis 2026 hoch zu halten.

Für Krypto-Anleger sind der Iran-Konflikt sowie der geopolitische Kalender generell jetzt mindestens genauso wichtig wie On-Chain-Daten. Bitcoin legt heute wegen sicherer Häfen zu, aber wenn Yellen und Dimon mit ihrer Einschätzung zur Inflation richtig liegen, könnte der weitere Weg erst noch schwieriger werden, bevor es leichter wird.

Haftungsausschluss

In Übereinstimmung mit den Richtlinien des Trust Project verpflichtet sich BeInCrypto zu einer unvoreingenommenen, transparenten Berichterstattung. Dieser Artikel zielt darauf ab, genaue und aktuelle Informationen zu liefern. Den Lesern wird jedoch empfohlen, die Fakten unabhängig zu überprüfen und einen Fachmann zu konsultieren, bevor sie auf der Grundlage dieses Inhalts Entscheidungen treffen.

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