Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sagt, die größten Krypto-Plattformen handeln heute wie Banken und Prime-Broker. Sie nehmen einlagenähnliche Gelder an, müssen aber keine vergleichbaren Vorsichtsregeln einhalten. Dadurch entstehen auf dem Krypto-Markt Risiken wie im Schattenbanken-System.
Ein neues Papier des Financial Stability Institute (FSI) bezeichnet die größten Krypto-Dienstleister als „multifunktionale Krypto-Asset-Vermittler”. Die Autoren meinen, diese Unternehmen brauchen Regeln für Eigenkapital, Liquidität, Verwaltung und Stresstest, wie sie auch bei regulierten Banken gelten.
Kryptos Schattenbanken-Problem
Der 38-seitige Bericht beschreibt, wie Rendite– und Ertragsprogramme das Eigentum an Kundenvermögen auf den Anbieter übertragen. So entstehen kurzfristige Verbindlichkeiten, die sich ähnlich wie Bankeinlagen verhalten. Für Krypto-Halter gibt es jedoch kein Gegenstück zu einer Einlagensicherung oder zu den Liquiditätslinien einer Zentralbank.
Zusätzlich sorgen Margin Lending, Derivatehandel und Token-Ausgaben für weitere Kredit- und Marktrisiken. Nach Ansicht der Autoren führt diese Mischung zur gleichen Fristentransformation und Liquiditätsumwandlung, die seit Langem mit dem Schattenbanken-System verknüpft ist. Die dazugehörigen Schutzmaßnahmen gelten aber nicht.
Das Papier nennt die Zusammenbrüche von Celsius Network und FTX im Jahr 2022 als frühe Warnzeichen. Die Autoren nennen zudem den Flash-Crash vom Oktober 2025. Dieses einzelne Ereignis hat rund 19 Milliarden USD an gehebelten Positionen ausgelöscht.
Regelungslücken und Hürden bei grenzüberschreitender Überwachung
Transparenz bleibt eine zentrale Schwäche. Forschende haben die Vertragsbedingungen mehrerer großer Anbieter zwischen November 2025 und März 2026 überprüft. Viele veröffentlichen weiterhin keine Finanzberichte oder geben nicht bekannt, wie die Vermögenswerte der Kunden eingesetzt werden.
Die Autoren empfehlen eine Mischung aus regulierungsbezogenen Regeln nach Unternehmen und nach Tätigkeit. Eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Aufsicht würde Kreditvergabe und Kreditaufnahme erfassen, die derzeit außerhalb der bisherigen Regelwerke liegen. Begrenzte Aufsichtsressourcen und schwache Berichtsstandards verhindern weiterhin eine wirksame Überwachung.
Die starken Verbindungen zwischen den Anbietern verschärfen die Risiken. Viele Vermittler handeln, verleihen und verwahren Vermögenswerte gegenseitig. Stress bei einem wichtigen Unternehmen kann sich innerhalb von Tagen im Sektor ausbreiten. Institutionelle Investoren haben begonnen, die Verwahrung außerhalb der Börsen zu legen, um das Risiko zu begrenzen.
Große Krypto-Unternehmen dringen weiter in den traditionellen Finanzsektor vor. Das BIZ-Papier zeigt, dass Aufsichtsbehörden diese Firmen nicht länger nur als Handelsplätze sehen können. Die Frage ist, wie schnell nationale Behörden den Schritt von der Diagnose zu verbindlichen Regeln machen werden.





