Cowens neues Bitcoin-Modell warnt: Mondziele rücken für Trader in weite Ferne

  • Benjamin Cowens Modell zeigt: Künftige Bullenmarkt-Höchststände sind weiterhin möglich, doch enorme Gewinne wie 2017 oder frühe Bitcoin-Erfolge werden mit steigendem Bitcoin-Volumen immer unwahrscheinlicher.
  • Ältere Modelle wie Stock-to-Flow waren zu bullisch, da sie davon ausgingen, dass sich Bitcoin weiterhin wie ein kleiner Vermögenswert verhält.
  • Für Trader gilt: Nutzen Sie alte Kursziele nicht als Grundlage. Bitcoin könnte langfristig weiter steigen, aber Gewinne in kommenden Zyklen werden voraussichtlich kleiner, langsamer und schwieriger zu timen.
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Ein neues Bitcoin-Preismodell des quantitativen Analysten Benjamin Cowen setzt eine statistische Grenze für die abnehmenden Renditen der Kryptowährung. Die Arbeit zeigt, dass sich die Kursverteilung von Bitcoin am oberen Ende schneller abflacht als am unteren Ende.

Die Studie mit dem Titel „Asymmetrische Krümmung am Rand in den Quantilen des Bitcoin-Kurses” baut auf der bestehenden wissenschaftlichen Literatur zum Bitcoin-Kursmodell auf. Sie stellt berühmte Modelle infrage, die stets immer höhere Zyklusspitzen vorhersagten. Für die Analyse werden 16 Jahre täglicher Daten bis Mai 2026 genutzt.

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Warum die alten Bitcoin-Preismodelle scheiterten

Im Abschnitt 3 der Studie vergleicht Cowen drei der bekanntesten Bitcoin-Preismodelle mit den tatsächlichen Kursen von 2019 bis 2026. Alle drei waren zu optimistisch. Je ehrgeiziger das Modell, desto größer fiel dessen Abweichung aus.

Die ursprüngliche Power-Law-Anpassung, die bis 2018 kalibriert wurde, lag an 77,2% der Handelstage über dem tatsächlichen Kurs. Im Mittel lag der Fehler 32,1% über dem echten Wert.

PlanBs Stock-to-Flow-Modell überschätzte den Kurs an 94,9% der Tage, mit einem mittleren Fehler von 294,5%. Das damit verwandte S2FX-Modell prognostizierte einen Überschuss von 1.699%, was auf Bitcoin-Kurse über 5 Millionen USD hinauslaufen würde.

Cowens Diagnose ist eindeutig: Diese Modelle haben die frühe Reflexivität von Bitcoin berücksichtigt, als bereits kleine Kapitalzuflüsse massive Kursbewegungen auslösten. Sie rechneten mit diesem Muster auch für einen Markt, der mittlerweile von Institutionen und Billionen-Bewertungen dominiert wird, weiter.

Aktuell notiert Bitcoin knapp unter 70.000 USD, mit einer Marktkapitalisierung von über 1,4 Billionen USD. Die Kryptowährung fiel in den vergangenen 24 Stunden um 4% und bleibt gemessen am Marktwert die größte Kryptowährung.

Neu angeordnete Quantil-Regressionsbänder. Quelle: benjamincowen.com
Neu angeordnete Quantil-Regressionsbänder. Quelle: benjamincowen.com

Was die neue Studie tatsächlich zeigt

Cowens Modell verwandelt das klassische Power-Law-Modell von Bitcoin in eine Kurve. Anstelle einer einzigen Geraden im Log-Log-Chart setzt er verschiedene Bänder auf unterschiedlichen Preis-Perzentilen an. Danach prüft er, ob sich die oberen Bänder anders krümmen als die unteren Bänder.

Das ist das zentrale Ergebnis der Studie: Die oberen Bänder, die spekulative Spitzen widerspiegeln, biegen sich mit der Zeit nach innen und flachen ab. Die unteren Bänder, welche die strukturelle Unterstützung anzeigen, bleiben ungefähr gerade. Die Spitzenniveaus rücken mit jedem neuen Zyklus näher an den Trend heran. Der Boden steigt weiter auf seinem bisherigen Pfad an.

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Die Zahlen zeigen das Gleiche: Die Krümmung des oberen Randbereichs liegt bei etwa minus 0,33 und ist statistisch klar vom Wert null zu unterscheiden. Die Krümmung am unteren Rand liegt bei etwa minus 0,02 und lässt sich nicht von einer Geraden unterscheiden. Der Unterschied ist im Modell auf dem 1%-Niveau signifikant.

Über 27 aufeinanderfolgenden Zeitfenstern bleibt die Krümmung am oberen Rand in einem engen Band nahe minus 0,3. In jeder einzelnen Periode fällt der Symmetrietest negativ aus.

Erweiterter Fenster-Asymmetrie-Test. Quelle: benjamincowen.com
Erweiterter Fenster-Asymmetrie-Test. Quelle: benjamincowen.com

Abnehmende Reflexivität – formal bestätigt

Die Ursache, die Cowen in der zweiten Hälfte der Studie präsentiert, ist das, was Trader seit Jahren als Theorie der abnehmenden Renditen bezeichnen. Cowen nennt es abnehmende Reflexivität.

In den frühen Bitcoin-Jahren war der Markt klein. Bereits ein paar Hundert Millionen USD Kapital konnten den Preis um 10.000% in einem Jahr steigen lassen. Wuchs die Marktkapitalisierung von Bitcoin jedoch in den Billionenbereich, war für denselben prozentualen Anstieg deutlich mehr Kapital nötig. Deshalb liegt das zyklische kurstechnische Hoch mit jedem Zyklus näher am Langzeittrend.

Die Reflexivitätsamplitude im Modell nimmt mit zunehmender Größe von Bitcoin ab. Die strukturelle Nachfrage nach Bitcoin als Währungs-Asset wächst weiter stetig auf einem stabilen Power-Law-Pfad. Die spekulative Amplitude schrumpft hingegen. Diese beiden Kräfte führen dazu, dass sich die Bänder im oberen Bereich zusammenziehen.

Diese Sichtweise ist entscheidend, weil sie der These abnehmender Renditen eine einzige Kennzahl mit einem Konfidenzintervall gibt. Sie ersetzt damit die zuvor meist willkürlichen zyklischen Verhältnisse durch eine formale Schätzung.

Wie ernst man das Ergebnis nehmen sollte

Die Studie widmet sieben Abschnitte ihren eigenen Einschränkungen. Diese Offenheit trägt wesentlich zur Glaubwürdigkeit bei.

Der erste Vorbehalt betrifft die Stichprobengröße. Bislang hat Bitcoin erst vier Halving-Zyklen erlebt. In kurzen Zeiträumen schwankt Cowens Krümmungswert stark, was er selbst als schwache Identifikation kennzeichnet.

Der zweite Vorbehalt betrifft die Wahl des Ausgangspunktes. Verschiebt man den Start des Modells von Januar 2009 auf Januar 2010, sinkt die Krümmung am oberen Rand nahezu auf null. Das Ergebnis ist also davon abhängig, wie stark die Kursdaten aus der Zeit mit geringer Liquidität von 2010 bis 2011 gewichtet werden.

Ein weiterer Punkt ist die funktionale Form: Eine negative Krümmung im Log-Log-Modell bedeutet mathematisch, dass das Modell irgendwann fallende Bitcoin-Kurse erwartet, wenn es ins Unendliche fortgeschrieben wird. Cowen betont jedoch ausdrücklich, dass dies keine wörtliche Interpretation hat. Das Modell beschreibt nur einen endlichen Zeitraum und kein Kursziel.

Ein vierter Vorbehalt bezieht sich auf den Boden selbst. In früheren Phasen, wie in den Stressperioden von 2010 bis 2015 oder beim FTX-Kollaps im November 2022, wurde das untere Band zeitweise unterschritten.

Cowen schreibt, dass die Nicht-Ablehnung der niedrigen Schwankungsbreite nicht gleichbedeutend mit einer Zustimmung ist. Das Vertrauensintervall ist so breit, dass echte Krümmungen verdeckt bleiben können.

Was das für den nächsten Bitcoin-Zyklus bedeutet

Für Leser, die den Bitcoin-Vierjahreszyklus verfolgen, heißt das vor allem, die eigenen Erwartungen zu setzen und nicht auf Markt-Timing zu setzen. Falls die Krümmung am oberen Rand echt und stabil ist, werden die prozentualen Kursgewinne an den Spitzen der kommenden Zyklen weiterhin kleiner ausfallen.

Das passt zu dem Muster des aktuellen Zyklus. Bitcoin erreichte Anfang Oktober 2025 ein Allzeithoch nahe 126.080 USD und hat seitdem etwa 44 % verloren. Die Kryptowährung steht in den vergangenen zwölf Monaten 33 % im Minus.

Cowen selbst meint, der Vierjahreszyklus gilt weiterhin. Falls das zutrifft, ist die Bandbreite realistischer Höchststände jetzt enger als in den Zyklen 2017 oder 2021. Das passt zu sich verlängernden Bitcoin-Zyklen und abnehmenden Kurspotenzialen.

Die Analyse trifft keine Aussage darüber, wo Bitcoin im nächsten Monat, im nächsten Quartal oder 2028 notiert. Sie zeigt vielmehr, wie die langfristige Verteilung realistischer aussieht. Dabei baut sie auf die Tradition der Potenzgesetze auf, die von Trolololo, Giovanni Santostasi sowie dem Quantil-Band-Ansatz von Plan C angestoßen wurde.

Eine wichtige Beobachtung bezieht sich auf die sogenannten „Moonshot”-Modelle. Sie sind nicht gescheitert, weil Bitcoin enttäuscht hat, sondern weil sie von einem Umfeld ausgegangen sind, das es so nicht mehr gibt.


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