Blockchain-Technologie bietet neue Möglichkeiten, in Gold zu investieren

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IN KÜRZE
  • Klassischerweise kaufen Goldinvestoren physisches Gold oder Zertifikate.

  • Goldgedeckte Tokens profitieren zusätzlich von den Vorteilen der Blockchain-Technologie.

  • Dezentrale Derivate und Prognosemärkte sind experimentelle Spekulationsformen für Gold.

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Das Trust Project ist ein internationales Konsortium von Nachrichtenorganisationen, die Standards für Transparenz entwickeln.

Im Zuge der Coronavirus-Krise suchen viele Anleger nach einem sicheren Hafen. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Gold kommt es derzeit bereits zu Lieferengpässen. Doch nicht nur physische Goldbarren und Zertifikate sind Möglichkeiten, in Gold zu investieren. Durch die Blockchain-Technologie eröffnen sich völlig neue Wege.



Es gibt gute Gründe für die starken Überschneidungen zwischen der Krypto-Community und Goldinvestoren, auch wenn sich diese gelegentlich nicht einig sind. Nicht zuletzt hat der GoldMoney-CEO Roy Sebag dazu aufgerufen, das Kriegsbeil zu begraben und eine “Wirtschaftliche Gemeinschaft soliden Geldes” aufzubauen.

Physisches Gold und Zertifikate

Eine Möglichkeit, in Gold zu investieren ist es, das Edelmetall selbst in physischer Form von Barren oder Münzen aufzubewahren. Durch die momentan hohe Nachfrage, in Verbindung mit Lockdowns und Leiferengpässen, zahlen Anleger derzeit einen hohen Preis für physisches Gold. Auch Sebag sucht über seinen Twitter-Account derzeit händeringend nach Bezugsquellen für Goldbarren:



Eine andere beliebte Möglichkeit sind Goldzertifikate. Dabei lagert ein Finanzinstitut Goldbarren in seinem Tresor ein und vergibt Eigentumsscheine an dem eingelagerten Gold. Diese können bei dem Finanzinstitut jederzeit gegen physisches Gold eingetauscht werden.

Ursprünglich war auch der US-Dollar ein solche goldgedeckte Währung. Die Scheine enthielten dabei den Hinweis, dass einem Überbringer der Betrag in Gold auszuzahlen ist. 1933, nach der Abkehr der USA vom Goldstandard, wurde dies durch die Aufschrift “In God we trust” ersetzt. Die Fiatwährung (“gemachtes Geld”) war geboren. In Deutschland übernahm zwischen 1871 und 1914 die Goldmark die Funktion einer goldgedeckten Währung.

Beim Kauf von Goldzertifikaten sollte darauf geachtet werden, dass nicht jeder Anbieter vertrauenswürdig ist. Mit gefälschten und teilweise oder vollständig ungedeckten Goldzertifikaten wird reger Handel betrieben. Sollte ein Goldhändler, wie jüngst die PIM Gold GmbH insolvent werden, löst sich das Vermögen in Luft auf. [Focus]

Goldgedeckte Tokens

Eine relativ neue Möglichkeit, in Gold zu investieren sind goldgedeckte Blockchain-Tokens, wie beispielsweise PAX Gold (PAXG) und Tether Gold (XAUT). Funktionell gesehen sind goldgedeckte Tokens das selbe wie Goldzertifikate, profitieren aber von den Vorteilen digitaler Assets. Da sie fungibel sind und schnell und günstig über die Blockchain übertragen werden können, eignen sie sich hervorragend als Zahlungsmittel. Darüberhinaus können diese auf Kryto-Börsen gehandelt werden.

Wie bei Papierzertifikaten auch, sollte hier Vertrauenswürdigkeit im Mittelpunkt des Interesses stehen. Eine wichtige Aufgabe der Herausgeber einer solchen Kryptowährung ist es daher, nachweisen zu können, dass die Tokens auch tatsächlich durch physisches Gold gedeckt sind. Bei einem anderen Herausgeber, InfiniGold (PMGT), wird dies durch die australische Münzprägeanstalt Perth Mint überwacht.

Auch kann Blockchain-Technologie dafür eingesetzt werden, um den Prozess der Aufbewahrung von physischen Goldbarren und der Herausgabe von Zertifikaten/Tokens transparenter zu machen. So wird beispielsweise bei der DigixDAO (DGX) der Zustand jedes Goldbarrens auf der Ethereum-Blockchain überwacht und vierteljährlich von der Regierung Singapurs überprüft. Erst gestern ging ein weiteres australisches Unternehmen (Meld) an den Start. Dieses will die gesamte Lieferkette des Edelmetalls auf der Algorand-Blockchain aufzeichnen. [CoinHero]

Gold-Derivate

Neben dem Kauf von physischem Gold, Zertifikaten und Tokens gibt es noch eine Reihe weiterer Möglichkeiten, auf den Goldpreis zu spekulieren, zum Beispiel über Goldderivate. Derivate sind Verträge, deren Wert an eine bestimmte Kenngröße gekoppelt ist, in diesem Fall der Goldpreis. Ein Problem mit Derivaten ist, dass sie im Falle einer Insolvenz der Gegenpartei ihren Wert verlieren.

Klassische Goldderivate haben daher für Privatanleger keinen Vorteil gegenüber Zertifikaten, da das Risiko einer Insolvenz im Fall von Zertifikaten weitaus niedriger ist. Mit dem Aufkommen von dezentralen Finanzprodukten (DeFi) könnte sich dies ändern. Dabei werden diese Finanzprodukte durch eine Einlage in Form von Kryptowährung vollständig besichert, was das Risiko einer Insolvenz ausschließen, oder zumindest minimieren kann.

Ein Beispiel hierfür ist die Derivatplattform Synthetix, auf der neben verschiedenen Derivaten auf Krypto-Assets, Fiatwährungen (Sprich: Stablecoins) und Blockchain-Indizes auch einen Goldtoken (sXAU) und einen Silbertoken (sXAG). Diese werden durch den nativen Token von Synthetix (SNX) besichert. Eine Gegenseite, welche insolvent werden könnte, gibt es daher nicht. Dies hat den Vorteil, dass Goldanleger keiner zentralen Verwahrstelle mehr vertrauen müssen, dass die Goldzertifikate und -tokens vollständig durch physisches Gold gedeckt sind. Der Nachteil ist, dass die Besicherung nicht mehr garantiert werden kann, falls der Kurs von SNX stark einbrechen sollte.

Prognosemärkte

Eine weitere Möglichkeit könnte darin bestehen, über Prognosemärkte wie Augur (REP) auf den zukünftigen Goldpreis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu spekulieren. Dies kann über skalare Märkte geschehen, die dem Besitzer eines Tokens einen Betrag, abhängig vom Goldpreis zum Ablaufdatum des Markts auszahlen. Zum Beispiel könnte dadurch ein Token geschaffen werden, der dem Besitzer am 1. Mai 0,001 ETH für jeden US-Dollar auszahlt, den eine Feinunze Gold auf dem Markt wert ist.

Dadurch wird im Grunde ein dezentraler Terminhandelsvertrag geschlossen. Alternativ dazu könnte man auch auf einen Markt mit diskreten Ausgängen spekulieren, also beispielsweise einen Token erwerben, der 1 ETH auszahlt, falls der Goldpreis am 1. Mai über einem bestimmten Betrag liegt. Dies wäre das Pendant einer binären Option.

Die Gegenseite in diesen Märkten sind in jedem Fall andere Spekulanten, die den Auszahlungsbetrag durch ihre Einlagen vollständig absichern. Eine Insolvenz ist somit ausgeschlossen. Es besteht jedoch ein gewisses Risiko, dass ein Markt nicht ordnungsgemäß mit dem tatsächlichen Ergebnis abschließt. Das Problem sind hierbei “Oracles”, also Instanzen, die das Ergebnis auf der Blockchain aufzeichnen.

Im Fall von Augur werden dezentrale Oracles verwendet, wobei in einem Disput die Benutzer von Augur über das Ergebnis entscheiden. Dabei stellen ökonomische Anreize sicher, dass die Benutzer das Ergebnis korrekt wiedergeben. Dadurch kommen die Prognosemärkte praktisch immer zu einem korrekten Ergebnis, allerdings ist dieser Prozess sehr langsam und kann sich, falls das Ergebnis mehrfach angefochten wird, über einige Wochen hinziehen.

Im Gegensatz dazu nutzen andere Plattformen für Prognosemärkte, wie Stox (STX) oder Gnosis (GNO), zentralisierte Oracles. Dadurch schließen die Märkte schneller ab, allerdings können die Oracles unter Umständen bestochen, oder auf eine andere Weise kompromittiert werden.

Zusammenfassung

Nicht nur physisches Gold und Goldzertifikate sind eine Möglichkeit, in Gold zu investieren. Durch die Blockchain-Technologie eröffnen sich viele neue Wege von steigenden Goldpreisen zu profitieren. Dabei sind insbesondere goldgedeckte Tokens beachtenswert. Durch die geschickte Nutzung von Blockchains lassen sich einige Probleme lösen, die derzeit im Handel mit Goldzertifikaten auftreten. Zusätzlich profitieren Goldtokens von Fungibilität und einem schnellen und günstigen Weg, sie zu übertragen.

Weiterhin gibt es durch dezentrale Derivate und Prognosemärkte noch einige experimentelle Formen, auf den Goldpreis zu spekulieren. Während diese ebenfalls ein gewisses Potential haben, Probleme anzugehen, sind sie derzeit noch wenig erforscht. Im Umgang mit diesen experimentellen Anlageformen ist daher Vorsicht geboten.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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