Die Broadcom-Aktie fiel um etwa 16%, obwohl das Unternehmen ein Rekordquartal im Bereich Künstliche Intelligenz meldete und neue Kursziele von Bank of America sowie Morningstar erhielt.
Der Kursrückgang wirft Fragen auf. Ein Rekordquartal und bullische Kursziele treffen auf eine Aktie, die deutlich fällt. Die Ursache liegt jedoch in der Qualität der Gewinne und den Geldströmen, nicht in den Schlagzeilen.
Broadcom-Aktie: Rekordquartal und neue Kursziele
Broadcom (NASDAQ: AVGO) hat den Bullen viele Argumente geliefert. Der Umsatz im zweiten Quartal erreichte 22,2 Milliarden USD, das sind 48% mehr als vor einem Jahr — ein neuer Rekord. Dennoch rutschte der Kurs jetzt deutlich ab.
Die Umsätze mit KI-Halbleitern lagen bei 10,8 Milliarden USD, das sind 143% mehr als im Vorjahr. Die Aufträge überstiegen 30 Milliarden USD, während 10,8 Milliarden USD ausgeliefert wurden. Dieser Auftragsbestand sichert eine starke Nachfrage bis zum Jahr 2028.
Auch die Prognosen wurden erhöht. Das Management erwartet für das dritte Quartal etwa 29,4 Milliarden USD Umsatz, ein Zuwachs von 84%. Für das Jahr 2026 wird ein KI-Umsatz von 56 Milliarden USD vorhergesagt, etwa 180% Wachstum, und für 2027 bekräftigte Broadcom das Ziel von über 100 Milliarden USD.
Auch die Sparte für Infrastruktursoftware trug zum Ergebnis bei. Dieser Bereich steuerte 7,2 Milliarden USD bei, ein Plus von 9%. Der jährlich wiederkehrende Umsatz stieg um 17%.
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Auch Analysten reagierten positiv. Morningstar erhöhte sein Kursziel laut FinViz von 550 auf 650 USD. Bank of America folgte diesem Schritt. Die Broadcom-Aktie legte dieses Jahr bereits 37,86% zu und verzeichnete seit Ende März eine Rallye von etwa 70%.
Diese Rekorde verdecken jedoch eine Entwicklung beim Gewinn je Aktie, die den Kursrückgang mit erklären kann.
Die stillen Zahlen unter der Oberfläche der Broadcom-Aktie
Im Mehrquartalsvergleich zeigen die drei Diagramme unterschiedliche Bilder. Der Umsatz steigt stetig — von 11,96 Milliarden USD Anfang 2024 auf 19,31 Milliarden USD und nun auf 22,2 Milliarden USD in diesem Quartal.
Der GAAP-Gewinn je Aktie entwickelt sich jedoch nicht so konstant. Der GAAP-Gewinn ist der offizielle Netto-Gewinn je Aktie, berechnet nach allen Kosten. Dazu zählen auch Sondereffekte wie Aufwendungen für Übernahmen, weshalb dieser Wert schwankt.
Der Gewinn je Aktie lag bei 0,28 USD, dann bei 0,44 USD, verzeichnete aber in einem Quartal des Jahres 2024 einen Verlust von 0,40 USD wegen Übernahmekosten. Danach erholte sich der Wert uneinheitlich auf 1,50 USD und zuletzt auf 1,91 USD.
Eine weitere Entwicklung ist die Anzahl der ausgegebenen Aktien, die weniger im Fokus steht. Sie stieg von 4,63 Milliarden auf 4,74 Milliarden, was zu einer Verwässerung für Halter führt, obwohl das Unternehmen eigene Aktien zurückkauft.
Auch im aktuellen Quartal zeigt sich ein Rückgang bei der Qualität der Gewinne. Die Bruttomarge, also der Anteil des Umsatzes nach Abzug der direkten Chip-Herstellungskosten, lag bei 77,1%. Das sind 230 Basispunkte oder 2,3 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr.
Broadcom erwartet diese Kennzahl im nächsten Quartal bei etwa 74%. Der Grund liegt in der Zusammensetzung des Geschäfts: Spezielle KI-Chips bringen geringere Margen als die bisherigen Chip- und Softwarelinien. Je stärker dieser Bereich wächst, desto stärker sinkt die durchschnittliche Marge des Unternehmens.
Das ist die stille Warnung trotz Rekordergebnissen: Die starke Nachfrage nach KI-Produkten sorgt zwar für hohe Umsätze, doch jeder neue Umsatz-Dollar bringt weniger Gewinn ein. An der Oberfläche glänzen die Umsätze, doch unter der Oberfläche sinkt die Qualität.
Wenn das Wachstum so stark ist, die Qualität aber abnimmt, stellt sich die Frage: Haben die Geldströme, die über den Kurs entscheiden, diese Entwicklung bereits erkannt und beginnen, auszusteigen?
Geldflüsse und Options-Trader werden vorsichtiger
Bereits vor den Quartalszahlen nahm die Dynamik ab. Der Chaikin Money Flow (CMF), ein Indikator für Kauf- und Verkaufsdruck institutioneller Investoren, blieb zwar mit 0,11 positiv, fiel jedoch von etwa 0,5 Anfang Mai.
Etwa vom 14. Mai bis zum 2. Juni stieg der Kurs, während der CMF sank. Diese bärische Divergenz, zusammen mit Verkaufsvolumen von etwa 50 Millionen Aktien, deutet darauf hin, dass institutionelle Käufer sich während der Rallye zunehmend zurückgezogen haben.
Optionstrader entscheiden sich ähnlich. Das Put-Call-Verhältnis vergleicht Aktivitäten von Puts und Calls, wobei ein Wert über 1 eine bärische Tendenz markiert. Vor dem Bericht lag der Open-Interest-Wert bei 1,12.
Nach den Ergebnissen vom 3. Juni ging dieser Wert nur leicht auf 1,09 zurück. Das Volumenverhältnis stieg dagegen von 0,51 auf 0,54 durch neue Put-Käufe. Die Options-Community kaufte weiterhin Absicherung für fallende Kurse, statt auf Gewinne zu setzen.
Das steht im Zusammenhang mit den Geldflüssen. Der CMF zeigt, ob Kapital in die Aktie fließt oder abzieht, und der Wert sank. Das Put-Call-Verhältnis zeigt die Positionierung am Optionsmarkt; es blieb defensiv.
Eine Kennzahl beobachtet die Geldströme, die andere die Derivate. Beide deuten auf Vorsicht während der Rallye.
Da die Käufe zurückgehen und Absicherungen zunehmen, entscheiden die Positionierungsdaten den weiteren Verlauf.
Die entscheidenden Positionierungsdaten
Auch Krypto-native Trader, die in Aktien einsteigen, sind vorsichtig. Bei Hyperliquid ist die Smart-Money-Gruppe vollständig short mit etwa 1,06 Millionen USD, die Long-Seite ist leer.
Whales zeichnen ein noch klareres Bild. Diese Gruppe hält rund 4,00 Millionen USD in AVGO, davon 2,63 Millionen USD short und 1,36 Millionen USD long. Es entsteht also eine Netto-Short-Position. Die einzige reine Long-Gruppe, öffentliche Persönlichkeiten, hält nur 2.100 USD, was zu wenig ist, um relevant zu sein.
Das Portfolio eines Whales zeigt, warum dies AVGO-spezifisch ist und kein Rückzug aus dem KI-Bereich. Dieser Trader hält eine Long-Position von 1,69 Millionen USD beim S&P 500 sowie 1,42 Millionen USD long auf Nvidia.
Allerdings hält die gleiche Wallet nur etwa 25.000 USD in AVGO, eine kleine Long-Position, die in der Nähe von 409 USD nach dem Kursrückgang eröffnet wurde. Damit ist die Positionierung bullisch für den Gesamtmarkt und den KI-Sektor, während Broadcom kaum ins Portfolio kommt.
Diese Kontrakte sind synthetische Krypto-Kontrakte, die das Sentiment abbilden, ohne die zugrunde liegende Aktie zu bewegen. Dennoch entspricht die Positionierung der Vorsicht, die auch in den klassischen Märkten sichtbar ist.
Insgesamt ergeben die Signale ein einheitliches Bild. Broadcom meldete Rekorde, aber die Trader, die den Kurs bestimmen, setzen nach dem Kursrückgang auf Short-Positionen oder warten ab. Das gilt auch für Wallets, die andere KI-Aktien weiterhin long halten.
Der Rückgang ist kein existenzielles Problem für das Unternehmen. Vielmehr traf hier eine sehr stark besetze Investition auf ein Ergebnis, dessen Prognose solide blieb, aber nicht die höchsten Erwartungen übertraf. Für Investoren geben die Positionierungsdaten Orientierung; Panik ist nicht angebracht.





