Chinesische Volksbank will Blockchain-Technologie nicht einführen

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Die Chinesische Volksbank arbeitet fieberhaft an der Einführung einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC). Wie es scheint, soll diese jedoch nicht auf Basis der Blockchain-Technologie funktionieren.



Digitale Währungen üben Druck auf Zentralbanken aus

Die mögliche Einführung von privaten Stablecoins wie Facebooks Libra bringt Zentralbanken in eine Zwickmühle. Einerseits wollen diese keine Konkurrenz durch private Digitalwährungen, auf der anderen Seite liegen die Vorteile von digitalen Währungen klar auf der Hand, da diese den nationalen und internationalen Zahlungsverkehr erheblich vereinfachen können.

Dazu kommt die Konkurrenz, die andere Zentralbanken mit der geplanten Einführung einer CBDC ausüben. Beispielsweise plant China, seine wirtschaftliche Position durch die Einführung eines digitalen Yuan zu stärken. Dies könnte im Gegenzug die Vormachtsstellung anderer Reservewährungen, insbesondere des US-Dollars erheblich schwächen.



Insbesondere die Europäische Zentralbank (EZB) steht unter Druck, da bereits einige nationale Zentralbanken innerhalb des Euroraums die Einführung einer eigenen CBDC planen. Bereits 2017 musste die EZB einschreiten, um Estlands Pläne zu stoppen [Reuters]. Nun steht auf Frankreich kurz vor dem Pilottest einer CBDC. [Cointelegraph]

Um den Euro als einheitliche Währung in Europa zu erhalten, muss die EZB wohl selbst eine CBDC herausbringen, allerdings gibt es noch viele offene Frage dazu, wie eine solche digitale Zentralbankwährung gestaltet werden sollte.

Chinesische Volksbank: CBDC ohne Blockchain-Technologie

Während Kryptowährungen zumeist auf öffentliche, erlaubsnisfreie Blockchains setzen, scheint diese Option für Zentralbanken nur wenig interessant zu sein.

Um ihre Kontrolle über eine solche Währung, insbesondere über Angebot und Nachfrage zu behalten, werden CBDCs wahrscheinlich mittels Konsortium-Blockchains, oder zumindest über hybride Blockchains umgesetzt. Dabei ist noch unklar, welche Teilnehmer das Recht erhalten sollen, an der Erzeugung von Blöcken und damit an der Verarbeitung von Transaktionen beteiligt sein soll. Weiterhin ungeklärt ist, wie diese Teilnehmer dafür entlohnt werden sollen und welcher Konsensalgorithmus zur Sicherung einer solches Blockchain geeignet ist.

Aufgrund dieser ungeklärten Fragen erscheint es vielen Zentralbanken einfacher, auf die Einführung von Blockchain-Technologie komplett zu verzichten. Das Ergebnis wäre dann eine vollständig zentralisierte Digitalwährung in den händen der Zentralbank, welche die Konten über eine zentrale Datenbank verwaltet.

Genau diesen Weg scheint die Chinesische Volksbank gewählt zu haben. In einem kürzlich erschienenen Bericht sagt die chinesische Zentralbank aus, dass sie aufgrund des Konflikts zwischen der Dezentralisierung durch Blockchain-Technologie und ihrem traditionellen zentralisierten Währungssystem, die Einführung von Blockchain-Technologie nicht empfiehlt.

Während eine solche zentralisierte CBDC zwar eine einfache Lösung bietet, welche darüberhinaus schnell umgesetzt werden kann, verzichtet die Chinesische Volksbank damit auf die Vorteile der Dezentralisierung. Dadurch schafft China einen einzelnen Ausfallpunkt für seinen geplanten digitalen Yuan.

Es bleibt abzuwarten, ob sich andere Zentralbanken dem Vorbild Chinas anschließen werden, oder ob diese eine dezentralere Lösung wählen.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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