DeFi Daily: Angriff der Klon-Plattformen

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IN KÜRZE
  • Derzeit tauchen viele DeFi-Projekte auf, welche lediglich Klone existierender Plattformen sind.

  • Hotdog, ein Klon von Uniswap erreichte kurzzeitig einen Tokenkurs von knapp $8000, wurde danach aber komplett wertlos.

  • Tatsächlich nützliche DeFi-Projekte lassen sich leicht von vampirischen Klon-Plattformen unterscheiden.

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Das Trust Project ist ein internationales Konsortium von Nachrichtenorganisationen, die Standards für Transparenz entwickeln.

Der DeFi-Sektor spuckt laufend neue Governance Tokens aus. Der Nutzen dieser Tokens ist allerdings begrenzt. Die Entstehung von Spekulationsblasen ist sehr wahrscheinlich.

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Nach Yam, Ham und Sushi tauchen nun weitere DeFi-Plattformen auf, die nach Lebensmitteln benannt sind, wie Kimchi, Pizza und Hotdog. Die Plattformen selbst sind dabei meist ebenso kreativlos wie ihre Namensgebung.

Vampire Mining: Die DeFi-Revolution frisst ihre Kinder

Wie BeInCrypto vor wenigen Tagen berichtete, wurde eine neuer Token-ökonomischer Angriffsvektor auf DeFi-Plattformen unter der Bezeichnung Vampire Mining bekannt. Das Aufkommen von so vielen unkreativen Plattformen zeigt, wie real die Gefahr tatsächlich ist. Bei diesen Plattformen handelt es sich meist um Code-Forks von existierenden DeFi-Projekten.

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Durch die Herausgabe eines eigenen Governance Tokens geben diese Plattformen ihren Nutzern einen Anreiz, in die Plattform zu investieren und dabei gegebenenfalls Liquidität von der angegriffenen Plattform abzuziehen. Mittlerweile werden bereits die ersten Angreifer selbst Opfer von weiteren Vapiren. So läuft beispielsweise ein Fork von Yam unter dem Namen Sumo Finance und ein Fork von Sushi unter dem Namen Shroom.

Leider sind diese Plattformen lediglich dazu geeignet sind, einen kurzfristigen Hype zu generieren. Bestenfalls schaffen sie es, einen signifikanten Teil der Liquidität von der ursprünglichen Plattform abzuziehen, von der sie geklont wurden, nur um dann darauf zu warten, dass ein neuer Vampir daher kommt und seinerseits den Klon auffrisst.

Hotdog – Die Mutter aller Pump and Dumps

Ein Paradebeispiel für Vampire im DeFi-Sektor ist HotdogSwap, nach Sushi ein weiterer Klon von Uniswap. Kurz nach dem Start der Plattform schoss der HOTDOG Token auf über 4.000 USD. Zeitweise wurde er sogar für knapp 8.000 USD gehandelt, nur um danach wieder fast vollständig zusammenzubrechen. Derzeit steht Hotdog auf Uniswap nur noch bei einem Kurs von 0,0057 USD.

Anscheinend gibt es einige DeFi-Nutzer, die auf jede neue Plattform aufspringen und die dadurch gewonnenen Tokens schnellstmöglich zu verkaufen. Dadurch können sie ihre Einlage innerhalb von wenigen Stunden vielleicht verdoppeln oder verdreifachen. Auf ein ganzes Jahr hochgerechnet ergibt das zeitweise eine Rendite von über einer Million Prozent.

Dass Gewinne in diesem Bereich langfristig nicht haltbar sein können, dürfte auf der Hand liegen. Dazu kommt, dass diese Plattformen keinerlei ökonomischen Mehrwert bieten und sich lediglich parasitär an bestehenden und nützlichen DeFi-Plattformen nähren. Die Leidtragenden sind letzten Endes unwissende Trader, welche in der Hoffnung auf Gewinne die “wertlosen” Governance Tokens der Plattform kaufen, sowie die Investoren, welche ihr Geld den Klon-Plattformen als Liquidität bereitstellen und ihr Geld gegebenenfalls an Hacker verlieren, welche Programmierfehler in den Smart Contracts der Plattformen ausnutzen.

SushiSwap wird auditiert

Die Firma Quantstamp hat ein Sicherheits-Review für SushiSwap angefertigt und fand einige leichte bis mittelschwere Risiken.

Dies unterstreicht erneut die Gefahr von neuen DeFi-Plattformen. Bei SushiSwap handelt es sich um einen Klon der dezentralen Börse Uniswap. Noch dazu greift SushiSwap den Liquiditätspool von Uniswap vampirisch an.

Aller Voraussicht nach dürfte dieser Angriff erfolgreich sein, da die überwiegende Mehrheit der Liquidität von Uniswap bereits durch Sushi verwaltet wird. Mit dem Ethereum Block 10.850.000 wird diese Liquidität von Uniswap abgezogen und auf die eigene Handelsplattform von Sushi überführt.

Tinlake startet Liquidity Mining

Auch die DeFi-Plattform Tinlake steigt in das Liquidiy Mining ein. Tinlake spezialisiert sich auf die dezentrale Kreditvergabe mit tokenisierten Assets als Sicherheit. Investoren können dabei für verschiedene Asset-Pools DROP Tokens erwerben, welche einen festen Zinssatz bieten. Zu jedem Asset-Pool gibt die Plattform zusätzlich TIN Tokens an Investoren heraus, welche das Risiko von Kreditausfällen tragen und daher einen höheren Zinssatz erwarten können.

Um Investoren und den Nutzern der Plattform einen zusätzlichen Anreiz zu geben, bringt Tinlake nun zusätzlich einen Governance Token namens Radial (RAD) an den Start, welcher an die Investoren und die Ersteller von Asset-Pools ausgeschüttet wird.

Die Plattform reagiert damit auf den Druck, welcher von Yield Farming Plattformen wie yearn.finance oder den oben genannten vampirischen Plattformen ausgeht. Einerseits können DeFi-Projekte ohne eigenen Governance Token nur wenig Anreize für Investoren bieten. Andererseits unterliegen sie nun der Gefahr, durch vampirische Plattformen feindlich übernommen zu werden.

Der Silberstreif am Horizon dieser nicht nachhaltigen Entwicklung auf dem DeFi-Markt ist, dass Projekte nun schnell dazu gezwungen werden, auf eine dezentrale Governance umzusteigen, um die Gefahr einer feindlichen Übernahme abzuwenden. Zusätzlich sind RAD Tokens für das Staking auf der Centrifuge Chain verfügbar, welche Tinlake hostet.

Welche Plattformen sind vertrauenswürdig?

In der Geschischte passiert alles zwei mal. Ein mal als Tragödie und ein mal als Farce. Dieses frei nach Karl Marx zitierte Bonmot trifft wohl auch auf den DeFi-Sektor zu. Der ICO-Hype der Jahre 2017 und 2018 war die Tragödie, der Hype um “wertlose” DeFi Governance Tokens, mit exorbitant hohen Renditeversprechen, sowie massiven Pump and Dumps, ist die Farce.

Alternativ könnte man die derzeitige Lage auch mit der Vielzahl an Bitcoin-Forks vergleichen, welche sich etwa im selben Zeitraum ereigneten. Die meisten dieser von Bitcoin abgespaltenen Krytowährungen haben heute kaum noch einen Wert, sofern sie denn überhaupt auf Krypto-Börsen gelistet sind. Bei momentane DeFi-Hype wird aller Wahrscheinlichkeit nach ein ähnliches Ende finden.

Dabei werden sich wenige Plattformen herausbilden, die noch eine nennenswerte Liquidität und über ihre Governance Tokens eine bedeutende Marktkapitalisierung erzielen können. Alle anderen Plattformen werden in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Dadurch stellt sich die Frage, welchen DeFi-Plattformen man noch vertrauen kann.

1. “Echtes” DeFi – Interessensausgleich

Um diese Frage zu beantworten, sollte man sich genau informieren, welche ökonomische Funktion eine Plattform genau erfüllt. Mit anderen Worten, findet auf der Plattform ein Austausch zwischen Nutzern mit unterschiedlichen Interessen statt. Ein einfaches Beispiel dafür sind Lending-Plattformen wie zum Beispiel Aave.

Auf der einen Seite stehen Nutzer, welche Krypto-Assets als Sicherheit auf der Plattform hinterlegen, um einen Kredit zu erhalten. Auf der anderen Seite stehen Investoren, welche diese Kredite bereitstellen. Um diesen Interessensausgleich zu schaffen zahlen die Kreditnehmer einen festen Zinssatz an die Kreditgeber.

Ein komplexeres und daher interessanteres Beispiel ist Tinlake. Hier stehen auf der einen Seite Investoren mit unterschiedlicher Risikobereitschaft Kreditnehmern gegenüber, welche eine Vorauszahlung auf illiquide Assets (z.B. Unternehmensforderungen) wünschen.

Diese Plattformen übernehmen eine wichtige und dringend benötigte Funktion innerhalb der DeFi-Wirtschaft. Daher stehen hier die Chancen für ein nachhaltiges Wachstum sehr gut. Zusätlich genießen diese Plattformen einen erhöhten Schutz vor einer feindlichen Übernahme durch Vampire Mining, da die Vampire für einen gelungenen Angriff Nutzer von beiden Seiten anziehen müssten.

2. Yield Farming – Einseitiges Interesse

Im Vergleich dazu stehen DeFi-Plattformen, welche lediglich Liquiditätsgeber haben. Oft haben diese Plattformen durchaus eine ökonomische Funktion, durch die Investoren tatsächlich Gewinne erwarten können. Ein Beispiel dafür sind dezentrale Börsen wie Uniswap. Die Liquiditätsgeber vereinfachen den Handel und erhalten als Ausgleich dafür die Handelsgebühren, welche auf der Börse anfallen.

Auch reine Yield Farming Plattformen wie yearn.finance fallen in diese Kategorie. Diese Plattformen haben lediglich den Zweck, die angelegten Gelder automatisch auf Plattformen der ersten Kategorie anzulegen und dabei die größtmögliche Rendite zu erwirtschaften. Zwar können Yield Farming Plattformen damit durchaus nützlich sein, allerdings können sie auch sehr leicht durch vampirische Plattformen geklont werden.

3. Vampire Mining – Feindliche Übernahme

Schließlich gibt es DeFi-Plattformen, welche, im Gegensatz zu Yield Farming Plattformen, existierende DeFi-Projekte nicht legitim nutzen, sondern diese durch einen Code-Fork klonen und damit in Konkurrenz zu bestehenden Projekten treten. Die Initiatoren dieser vampirischen Plattformen können darüberhinaus Kursmanipulation betreiben, um die vorherrschenden Plattformen zusätzlich zu schädigen und sich selbst zu bereichern.

SushiSwap ist ein Paradebeispiel für Vampire Mining. Bei der Plattform handelt es sich um einen Klon der beliebten dezentralen Krypto-Börse Uniswap. Durch den SUSHI Token haben DeFi-Anleger einen Anreiz, Liquidität von Uniswap anzuziehen und auf SushiSwap zu überführen. Sobald Ethereum den Block 10.850.000 erreicht, geht SushiSwap mitsamt der eingezahlten Liquidität mit einer eigenen Handelsplattform an den Start. Die feindliche Übernahme ist damit vollständig.

Wie allgemein bekannt ist, kann man durch das drucken von Geld keinen Wohlstand schaffen. Folglich kann man auch durch die Herausgabe ständig neuer Tokens auch keinen ökonomischen Mehrwert schaffen. Dazu kommt, dass DeFi starken Netzwerkeffekten unterliegt.

Bei einem vampirischen Angriff kann es daher prinzipiell nur zu drei Ergebnissen kommen. Bei einem erfolgreichen Angriff zieht der Angreifer die Liquidität von der eingesessenen Plattform nahezu komplett ab.

Schafft es der Angreifer wie im Fall von Hotdog nicht, genügend Liquidität einzusammeln, wird die angreifende Plattform wertlos. Die Angreifer haben dabei allerdings ohnehin nichts zu verlieren und können gegebenenfalls mit einer anderen Plattform einen neuen Angriff starten. Einzig die Trader, welche den Token der angreifenden Plattform kaufen, verlieren dabei.

Im dritten Fall bleibt ein Teil der Nutzer mit ihrer Liquidität bei der eingesessenen Plattform, während ein anderer Teil auf die angreifende Plattform migrieren. Dabei sinkt der Gesamtwert der Plattformen, da sie zusammen nur in geringerem Maß von Netzwerkeffekten profitieren können.

Egal wie es ausgeht, haben vampirische Plattformen keinerlei Schutz davor, selbst durch einen neuen Vampir angegriffen zu werden. Dies zeichnet sich derzeit bei Yam und SushiSwap ab.

Marktbericht

DeFiPulse berichtet zur Stunde ein Total Value Locked (TVL) von 9,04 Mrd. USD (-2,0 %). Die größten DeFi-Plattformen sind derzeit Uniswap (1,79 Mrd., +11,5 %), Maker DAO (1,51 Mrd., -0,4 %), Aave (1,45 Mrd., -3,1 %), Curve Finance (1,19 Mrd., +5,1 %) und yearn.finance (940 Mio., +10,2 %).

Stand: 3. September 2020, 22:53 Uhr.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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