In den letzten Monaten tauchten einige neue Governance Tokens für das Yield Farming auf. Dadurch könnte sich die Gefahr ergeben, dass neue DeFi-Plattformen die Liquidität bestehender Plattformen feindlich übernehmen.

Wie BeInCrypto berichtete, ist bereits eine dieser neuen Plattformen, YAM, spektakulär gescheitert. Ein Teil der eingezahlten Gelder ging dabei verloren.

Yield Farming – kaum ökonomischen Mehrwert

DeFi-Plattformen wie YAM, HAM, yearn.finance und das neue Projekt namens SushiSwap setzen darauf, die Einzahlung existierender Tokens auf die Plattform durch die Herausgabe eines Governance-Tokens zu belohnen. Diese als Yield Farming bekannte Praxis ist zwar legitim, allerdings ist ihre Nützlichkeit durchaus fraglich.

Einerseits ist es nur verständlich, dass ein Governance-Token einen wirtschaftlichen Wert besitzt, da seine Besitzer über das Wohlergehen der Plattform und der angelegten Gelder bestimmen. Allerdings handelt es sich bei Yield Farming nicht um eine neues DeFi-Produkt. Bestenfalls könnte man diese Plattformen mit einem Investmentfonds vergleichen, der seine Gelder bei verschiedenen DeFi-Protokollen anlegt.

Für die Nutzer der Plattformen stellt sich dabei meist keine Frage, welche Anlageform attraktiver ist. Mittels Yield Farming erhalten sie Governance-Tokens zusätzlich zu den Erträgen, die sie durch eine direkte Anlage auf einem DeFi-Protokoll erhalten würden. Letzten Endes landen ihre Gelder jedoch als Liquidität bei verschiedenen Protokollen. Ein tatsächlicher ökonomischer Mehrwert wird dadurch nicht erzeugt.

Vampire Mining – Feindliche Übernahme

Moralisch fragwürdig wird es, wenn die Yield-Farming-Plattformen, wie im Fall von SushiSwap, zu einem eigenen DeFi-Protokoll migrieren und dabei Liquidität von dem ursprünglichen Protokoll abziehen. Der Schweizer Krypto-Forscher Martin Krung prägte dafür den Begriff Vampire Mining. Viele Nutzer werden dabei ihre Liquidität von der alten Plattform abziehen und auf die neue Plattform migrieren, da diese durch ihre Governance-Tokens einen höheren Gesamtertrag verspricht.

Es geht noch perfider. Die Initiatoren der neuen Plattform könnten die Governance-Tokens des alten Protokolls shorten und dessen Liquidität absaugen, um die leerverkauften Tokens zu einem geringeren Preis zurückzukaufen. Auf seinem Blog beschreibt Krung diese Taktik wie folgt:

Stellen Sie sich zwei klassische Banken, A und B, vor, die ähnliche Dienstleistungen anbieten. B ist sehr jung und hat keine Liquidität, also verteilt B seine Unternehmensanteile als Anreiz für Kunden, die ihnen Liquidität bereitstellen. B weiß, dass A, wie jede Bank, Liquidität benötigt. Also nimmt sich B einen Kredit und verkauft die Unternehmensanteile von A mit Leverage.

Dann sagt B den Kunden von A, dass sie Liquidität von der Bank abziehen und B zuführen können. Dafür erhalten die Kunden Unternehmensanteile von B, zuzüglich zu den selben Zinsen, die sie bei A erhalten würden. Die Kunden migrieren daher ihre Liquidität von A nach B. Als Resultat geht A pleite und der Wert ihrer Anteile fällt auf null. Dann zahlt B die nun wertlosen Anteile von A zurück und verteilt die Gewinne an ihre Anteilseigner.

Attraktiv, aber wenig sinnvoll

Für die Nutzer von DeFi-Plattformen ist Yield Farming sehr attraktiv, da sie dadurch einen höheren Ertrag erhalten. Allerdings werden dadurch keine neuen Anwendungsfälle für DeFi geschaffen. Auch die Verteilung der Ertäge ist höchst einseitig. Dabei werden stets die ersten Nutzer einer neuen Yield-Farming-Plattform, meist die Initiatoren des Projekts, am stärksten belohnt.

Soll so etwa die Zukunft des dezentralen Finanzwesens aussehen? Eigentlich sollte DeFi ein geschäftlicher Vorgang zwischen zwei Teilnehmern sein, die dabei beide einen Mehrwert aus dem Geschäft ziehen. Bei der Lending-Plattform stellt ein Nutzer der Plattform Liquidität bereit, damit die Plattform Kredite vergeben kann. Der Kreditnehmer zahlt dabei den Liquiditätsgebern einen Zinssatz. Auf Yield-Farming-Plattformen fehlt diese Gegenpartei.

Stattdessen haben diese Plattformen das Potenzial, ungehindert neue Tokens auszuspucken. Insgesamt erinnert diese Form des DeFi an den Versuch, mehr Wohlstand durch das Drucken von Geld zu erzeugen. Dass das nicht ewig gut gehen kann, sollte jedem einleuchten. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass die Initiatoren von Yield-Farming-Plattformen ihre Smart Contracts oft nicht von unabhängigen Entwicklern testen lassen.

Bereits früher fiel YAM einer fehlerhaften Programmierung in den Smart Contracts der Plattform zum Opfer. Auch SushiSwap weist darauf hin, dass ihre Smart Contracts nicht auditiert wurden. Aufgrund der schieren Vielzahl ähnlicher Projekte ist es nur eine Frage der Zeit, bis es zu weiteren Desastern kommt.