Wie wir in diesem Jahr schon mehrfach gesehen haben, kommt der DeFi-Boom mit enormen Risiken daher. Um DeFi-Projekte nach ihrer Sicherheit zu bewerten führt das beliebte Analyse-Tool DeFiPulse daher die Economic Safety Grade ein.

Diese Metrik soll auf einer Skala von 1 bis 100 bewerten, wie hoch das Risiko eines Verlustes unter verschiedenen Marktbedingungen ist.

Quantifiziertes Risiko

In Partnerschaft mit Gauntlet Network führt DeFiPulse eine neue Metrik ein, mit der Nutzer die Risiken von den unterschiedlichen DeFi-Protokollen abschätzen können. Dabei setzt Gauntlet auf Simulationen, welche auf den Daten von sowohl dezentralen, als zentralisierten Handelsplattformen, sowie On-Chain Metriken basieren.

Als Testfälle bewerteten DeFiPulse und Gauntlet das Risiko von Compound und Aave anhand historischer Daten über die Liquidität und Volatilität von Kollateral-Assets. Sie berechneten ein Raten von 95 für Aave und 91 für Compound.

Höchstwert nicht unbedingt am besten

Zu dem Bewertungssystem erklärt Gauntlet folgendes:

Wir schätzen das Risiko für Nutzer eines Systems, welches sie für die Kreditaufnahme von Stablecoins im Gegenzug für die Hinterlegung von Kollateral-Assets eingehen. Dieses Risiko wird normalisiert, um eine Skala von 1 bis 100 zu erzeugen, welche Sie auf DeFiPulse einsehen können.

Gauntlet erklärt weiterhin wie diese Skala zu verstehen ist. Eine Bewertung von weniger als 50 Punkten bedeutet dabei, dass auch unter normalen Marktbedingungen ein hohes Risiko besteht, Verluste zu erleiden. Für eine Bewertung zwischen 50 und 80 besteht unter extremen Marktbedingungen das Risiko eines Verlusts. Eine Bewertung von mehr als 90 weist zwar auf ein sehr niedriges Verlustrisiko, aber auch auf eine geringe Kapitaleffizienz hin.

Economic Safety Grade Skala. Quelle: Gauntlet Network.

Gauntlet weist darauf hin, dass diese Bewertung nur ökonomische Risiken, wie zum Beispiel das Risiko von Liquiditationen beinhaltet, nicht jedoch mögliche Unsicherheiten, welche sich aus Smart Contracts ergeben. Für diese sind strikte Auditierungen und formelle Verifikationen erforderlich.

Governance: Uniswap und die Zentralisierung

Die dezentrale Handelsplattform Uniswap durchläuft gerade ihre erste Governance-Abstimmung. Was von dem Uniswap-Gründer Hayden Adams als wichtiger Meilenstein bezeichnet wird, könnte jedoch schwerwiegende Konsequenzen für die Dezentralisierung der Börse haben.

Genau geht es darum, dass die Börse den Grenzwert für neue Governance-Vorschläge von einem Prozent der Versorgung von UNI Tokens auf 0,3 % absenken soll. Gleichzeitig soll das Quorum um Vorschläge anzunehmen von 4 % auf 3 % der gesamten Versorgung gesenkt werden.

Was oberflächlich wie eine Schritt aussieht, um die Governance von Uniswap leichter zugänglich für kleinere Token-Eigner zu machen, birgt bei näherer Betrachtung die erhebliche Gefahr einer Zentralisierung. Um den Anteil der abgegeben Stimmen bei Governance-Abstimmungen zu erhöhen, können die Eigner von UNI-Tokens ihre Stimmen auch delegieren, um nicht selbst abstimmen zu müssen.

Das Problem dabei liegt darin, dass dadurch wenige Wale eigenhändig Entscheidungen durchsetzen können. Der Vorschlag für die vorliegende Abstimmung wurde von der DeFi-Kreditplattform Dharma eingereicht, welche selbst einer der mächtigsten Delegierten ist. Zusammen mit einem weiteren UNI-Wal könnten sie jede Abstimmung ohne größere Schwierigkeiten durchboxen.

Für die vorliegende Abstimmung entfallen 98 % der abgegebenen Stimmung für den Antrag. Davon kommen laut einem Blogeintrag allerdings 60 % von den zwei größten Delegierten, Dharma und Gauntlet Network. Dharma hat also tatsächlich großes Interesse daran, den Vorschlag durchzubringen, um seinen Einfluss auf Uniswap zu erhöhen. Der Autor des Blogbeitrags, David Felton, ruft daher alle UNI-Eigner dazu auf, den Vorschlag abzulehnen.

Marktbericht

DeFiPulse berichtet derzeit ein Total Value Locked (TVL) von 11,39 Mrd. USD (+0,3 %). Der DeFiPulse Index steht bei 89,52 (-2,0 %). Die größten DeFi-Plattformen sind derzeit Uniswap (2,73 Mrd., +5,0 %), Maker DAO (1,97 Mrd., -0,9 %), Aave (1,12 Mrd., -1,1 %) und Curve Finance (1,01 Mrd., -2,7 %).

Laut Messari haben DeFi Tokens im gewichteten Schnitt -6,3 % verloren. Der größte Verlierer war Airswap (-15,9 %). Der größte Gewinner war Akropolis (+7,8 %).

Stand: 15. Oktober 2020, 3:03 Uhr.