Deutschland führt in der EU bei MiCA-Lizenzen: Krypto-Startups verlassen jedoch den Markt

  • Deutschland führt bei MiCA-Lizenzen in der EU: Hub-Status steht vor ernsthaften Risiken
  • Branchenexperten warnen: BaFin wendet MiCA strenger an als nötig, Unternehmen verlagern ihren Standort
  • Bybit, KuCoin, AMINA: Entscheidung für Österreich statt Deutschland als Hauptsitz

Deutschland ist führend in der EU bei den vergebenen MiCA-Lizenzen. Außerdem gibt es in Deutschland mehr Bitcoin-Nodes als in jedem anderen europäischen Land.

Große Banken wie die Deutsche Bank, DZ Bank und Commerzbank sind unter dem neuen Regulierungsrahmen in den Krypto-Bereich eingestiegen.

Das offizielle Bild: Die Realität sieht anders aus

Auf dem Papier sehen die Zahlen stark aus. Allerdings nehmen Branchenkenner, die der Industrie am nächsten sind, eine andere Realität wahr. Trotz der offiziellen Erfolgskennzahlen gehen Aktivität und Talent in andere europäische Länder.

Die Lücke zwischen dem, was die Statistiken zeigen, und den tatsächlichen Entwicklungen zeigt eine strukturelle Herausforderung, die Deutschlands langfristigen Status als Hub gefährdet.

Marktentwicklung Europa/Deutschland
Marktentwicklung Europa/Deutschland, Quelle: BankingHub by zeb

Über 30 Krypto-Lizenzen wurden vergeben, mehr als in fast jedem anderen EU-Land. Luxemburg hat nur drei genehmigt.

Auf dem Papier liegt Deutschland klar vorne. Allerdings gingen die meisten dieser Lizenzen an traditionelle Banken, die nur begrenzte Dienstleistungen anbieten. Die Start-ups und Krypto-native Unternehmen, die an der nächsten Generation digitaler Infrastruktur arbeiten, lassen sich in anderen Ländern lizenzieren und bieten ihre Dienste über den EU-Passport wieder in Deutschland an.

Deutschland hat im vierten Quartal 2025 sechzehn neue MiCA-lizenzierte Institute hinzugefügt, aber diese Zahl verschleiert einen bedenklichen Trend. Die meisten sind traditionelle Banken, die nur eine einzige Dienstleistung wie Auftragserteilung oder Übertragung anbieten. Diese starke Eingrenzung wirft Fragen auf, welchen Krypto-Markt Deutschland eigentlich aufbaut – einen Markt, der von etablierten Institutionen dominiert wird und nicht von Innovation.

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Berlin und Frankfurt verlieren an Bedeutung

Beim BeInCrypto-Expertengremium zu MiCA und Krypto-Regulierung äußerte Matthias Steger, ein Krypto-Steuerberater, der direkt mit dem Bundesfinanzministerium zur Regulierung digitaler Vermögenswerte zusammengearbeitet hat, klare Worte zur aktuellen Lage.

„Wir haben unsere großen Hubs in Berlin und in Frankfurt verloren”, sagte Steger. „Und ich glaube, das hängt nicht direkt mit MiCA zusammen, sondern damit, wie wir Deutschen die MiCA-Regeln anwenden.”

Dieser Satz bringt das Hauptproblem auf den Punkt. Deutschland wendet die MiCA-Regeln strenger an als fast jedes andere EU-Land. Diese Lücke sorgt dafür, dass Unternehmen nach Wien, Lissabon und in andere, flexiblere Länder ausweichen.

In der Kommunikation zeigt Deutschland sich pro Krypto, doch mit der strengsten Regulierung in der EU besteht ein Widerspruch, den Unternehmen durch Verlagerung ihrer Aktivitäten lösen.

MiCA gilt seit Dezember 2024 in der gesamten EU. Die meisten EU-Länder haben das volle achtzehnmonatige Übergangsfenster genutzt. Deutschland hat es auf zwölf Monate verkürzt, mit einer festen Frist zum 31.12.2025 für alle Krypto-Dienstleister, welche die Umstellung auf die CASP-Lizenz bei der BaFin vollenden müssen. Diese enge Frist erhöht den Druck auf Unternehmen, die ohnehin bereits mit den hohen Kosten für die Einhaltung von Vorgaben zu kämpfen haben.

Krypto-Adoptionsrate Deutschland
Krypto-Adoptionsrate Deutschland, Quelle: Datawallet

Wien entwickelt sich zum echten Hub

Die österreichische Finanzmarktaufsicht ist eine der zugänglichsten MiCA-Lizenzbehörden in der EU. Der Vorteil ist deutlich: Die Verfahren dauern weniger als sechs Monate, während der Prozess in Deutschland deutlich länger ist. Wiens Regulierung bietet Klarheit, ohne die bürokratische Belastung, die Unternehmen in Deutschland erleben.

Die Ergebnisse sind sichtbar und bedeutsam. Bybit hat nach der MiCA-Lizenzierung durch die FMA sein Europageschäft in Wien angesiedelt und plant, mehr als 100 Mitarbeitende einzustellen.

KuCoin hat Österreich als Basis für seine EU-Regulierung gewählt. AMINA, eine Schweizer Digital-Asset-Bank, entschied sich für Wien und nicht für Frankfurt oder Berlin. Das ist besonders bemerkenswert, da Deutschland im institutionellen Bereich stark ist.

Steger nimmt die breitere Bewegung wahr:

„Wir haben es in Österreich sehr gut, wir haben es in Portugal sehr gut. Es gibt wirklich Orte wie Deutschland, die pro Krypto sind.” Die Formulierung ist wichtig. Deutschland wird weiterhin als pro Krypto beschrieben. Allerdings entstehen für andere Chancen, wenn Sentiment und tatsächliche Umsetzung auseinanderfallen.

Steger empfiehlt daher klar:

„Ich würde die BaFin auffordern, das Niveau zu senken. MiCA sollte die Mindestanforderung sein, nicht das höchste Level, wie die Deutschen es sehen.”

Das spiegelt die Meinung vieler Branchenpraktiker wider. Deutschland verfügt über Infrastruktur, institutionelle Basis und regulatorische Glaubwürdigkeit. Es gibt hier die meisten Bitcoin-Nodes in Europa sowie enge Bankbeziehungen und Finanzkompetenz. Ob die Unternehmen, die darauf aufbauen, auch langfristig bleiben, ist jedoch eine ganz andere Frage.


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Gemäß den Richtlinien des Trust Project werden in diesem Artikel Meinungen und Perspektiven von Branchenexperten oder Einzelpersonen vorgestellt. BeInCrypto ist um eine transparente Berichterstattung bemüht, aber die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die von BeInCrypto oder seinen Mitarbeitern wider. Die Leser sollten die Informationen unabhängig überprüfen und einen Fachmann zu Rate ziehen, bevor sie Entscheidungen auf der Grundlage dieses Inhalts treffen.

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