Die Blockchain und Dezentralisierung schützen die Meinungsfreiheit

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IN KÜRZE
  • In einer dezentralisierten Welt müssen wir nicht mehr darauf hoffen, dass irgendwelche mächtigen Gatekeeper die richtigen Entscheidungen für uns treffen

  • Menschen, Organisation und Regierungen treffen oft fatale Entscheidungen.

  • Mit der Blockchain und dezentralen Lösungsansätzen können wir sozialen Medien verbessern.

  • promo

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Das Trust Project ist ein internationales Konsortium von Nachrichtenorganisationen, die Standards für Transparenz entwickeln.

Die Blockchain Technologie und deren dezentrale Lösungsansätze haben das Potenzial, gesellschaftliche und politische Entscheidungsprozesse zu optimieren oder sogar von Grund auf zu verändern.



Kryptowährungen haben nicht nur das Potenzial, die Finanzwelt z.B. durch eine digitale Demokratisierung für immer zu verändern – die Zahl der Anwendungsgebiete und die Innovationskraft der Blockchain Technologie ist wesentlich größer, als es sich die meisten Menschen vorstellen können.

In einer dezentralisierten Welt müssen wir nicht mehr darauf hoffen, dass irgendwelche mächtigen Gatekeeper die richtigen Entscheidungen für uns treffen. Im Gegenteil. Die Menschen hätten in einer dezentralisierten Welt wesentlich mehr Möglichkeiten, selbstständig (mit) zu entscheiden.



Ein dezentrales System ist gerechter, transparenter und bietet sogar mehr Sicherheit als ein System, in dem die Macht zentralisiert ist und zum Beispiel die CEOs privater Unternehmen einfach entscheiden können, was jetzt genau freie Meinungsäußerung ist und was nicht.

Wie ein kleiner Zufall die Kryptowelt für immer verändert hat

Vitalik Buterin ist der Gründer der Ethereum-Blockchain (ETH). Buterin war einer der ersten Menschen, die dafür gesorgt haben, dass das enorme Potenzial der Blockchain Technologie in der Öffentlichkeit bekannt wird.

Ursprünglich wollte er damals nur die Bezahlfunktion von Bitcoin optimieren. Allerdings ist ihm damals ziemlich schnell aufgefallen, dass man mithilfe der Blockchain Technologie nicht nur Geld, sondern theoretisch unendlich viele verschiedene Daten, Codes, Anweisungen oder jede andere beliebige Informationen versenden kann. Doch wie funktioniert das alles ungefähr?

Ein Bild von BeInCrypto.com

Mit sogenannten „Smart Contracts“ ist das Ganze möglich. Jeder Smart Contract kann mit einem einzigartigen Code versehen werden. Sobald einige vorher festgelegte Parameter erreicht bzw. vorher festgelegte Bedingungen erfüllt sind und das Netzwerk die Aktionen verifiziert, aktiviert sich der Smart Contract automatisch.

Wenn man genauer darüber nachdenkt, dann fällt einem ziemlich schnell auf, dass die meisten unserer täglichen Interaktionen irgendeinen vertraglichen Aspekt besitzen. Darum ist auch das Anwendungsspektrum bzw. die Zahl der Use Cases der Smart Contracts extrem groß.

Sind Smart Contracts und die Blockchain Technologie bald Teil unseres Alltags?

Ein einfaches, klassisches Beispiel für einen Use Case ist das Management von Kauf- bzw. Verkaufstransaktionen. Allerdings sind Smart Contracts auch für die Optimierung komplexer Aufgabenbereiche wie beispielsweise für das Identitäts- und Reputationsmanagement, für institutionelle Entscheidungsprozesse oder sogar für die Strafverfolgung geeignet.

Da Smart Contracts autonom bzw. automatisch arbeiten sind sie von Natur aus effizienter und eignen sich zur Lösung von Problemen daher meist wesentlich besser als andere, klassische Ansätze. Kontrollmechanismen wie z.B. eine externe Überwachung oder ein Mittelsmann bzw. ein Gatekeeper sind nicht mehr notwendig.

Ein Bild von BeInCrypto.com

Das wirklich Spannende ist jedoch, dass Smart Contracts nicht auf menschliches Vertrauen oder gute Absichten angewiesen sind, um zu funktionieren. Leider sind diese zwei Sachen in der modernen Welt nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit.

Wenn die zuvor in Smart Contract einprogrammiert Bedingungen erfüllt sind, dann verifiziert das Netzwerk die Transaktion mithilfe einiger mathematischen Kalkulationen. Nach der Bestätigung des Netzwerks ist die Transaktion beendet und kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Das Hauptproblem der Zentralisierung

Der Krypto-Experte Chris Dixon ist der Überzeugung, dass der Entwicklungsverlauf eines zentralisierten Systems einer S-Kurve gleicht. Dixon meint:

In der Anfangsphase tun die Gründer eines zentralisierten Systems alles Mögliche, um möglichst viele Teilnehmer bzw. Nutzer, aber auch Drittparteien wie Entwickler, andere Unternehmen und sogar teilweise Medien auf ihre Seite zu ziehen, damit das System an Wert gewinnt.

Allerdings „steigt nach der Anfangsphase die Macht über die Teilnehmer sowie die Größe des Systems erstmal stetig an“.

Ab einem gewissen Punkt, wenn die Kurve in der Nähe des Maximums angekommen ist, ist die Beziehung zwischen den Teilnehmern und denen, die an der Macht sind, ein Nullsummenspiel. So viele Daten wie möglich von den Nutzern abzugreifen und die eigentlich für die Nutzer gedachten Angebote auszuschlachten ist einer der einfachsten Methoden, mit der ein zentrales System ab diesem Punkt noch weiterwachsen kann.

Bitcoin Blockchain Dance. Ein Bild von BeInCrypto

Dixon bezieht sich bei seiner Argumentation auf die Gefahren der Zentralisierung von Technologie bzw. Technik. Es ist allerdings offensichtlich, dass sich die Argumentation auch auf andere Gebiete übertragen lässt.

Zentralisierung führt auf kurz oder lang dazu, dass einige Menschen immer mehr Macht bekommen und der Großteil seine Macht verliert. Im Laufe der Zeit entstehen immer mehr Interessenskonflikte zwischen der Spitze des Systems und den restlichen Teilnehmern. Mangelnde Transparenz oder „Rent-Seeking“ sind typische Beispiele dafür, dass sich die Systeme ihrem Ende nähern.

Der Fehler liegt im System

Jedes zentralisierte System entwickelt ab einer gewissen Größe einen sogenannten „Single Point of Failure“. Sobald ein Bestandteil (der Single Point) des Systems nicht mehr funktioniert, ist das ganze System in Gefahr und kann sogar in letzter Konsequenz ganz zusammenbrechen.

Ein Bild von BeInCrypto

Genau das ist beispielsweise 2008 passiert. Damals haben die Probleme einiger großer systemrelevanter Banken („too big to fail“) eine globale Rezession ausgelöst. Der Sturm auf das US-Capitol und die Entscheidung von mehreren Social Media Anbietern, Donald Trump für immer zu bannen, sind zwei weitere Beweise dafür, dass sowohl Regierungen als auch Unternehmen teilweise erhebliche Fehlentscheidungen treffen bzw. das Ausmaß der Konsequenzen falsch einschätzen.

Lücken bzw. Fehler im System oder ein Angriff auf ein solches sind nicht der einzige Grund, warum ein System scheitert. Menschen, Organisation und auch Regierungen treffen immer wieder schlechte Entscheidungen. Inkompetenz und Korruption sind zwei klassische Ursachen für Fehlentscheidungen, deren Folgen katastrophal sein können.

Bitcoin-Blockchain Ein Bild von BeInCrypto

Die Blockchain und die Zukunft der Menschheit

Buterin hat außerdem betont, dass es drei wichtige und unterschiedliche Ebenen gibt, bei denen die Dezentralisierung eine große Rolle spielen könnte. Der den Grad der Dezentralisierung kann anhand der folgenden Fragen grob eingeschätzt werden:

  • Strukturelle Ebene: Wie viele physische Komponenten sind Teil des Ganzen? Wie wirken sie sich auf das System aus?
  • Politische Ebene: Wie viele Individuen oder Organisationen kontrollieren das System wirklich?
  • Logisch/technisch Ebene: Gibt es nur ein einziges Interface bzw. eine zentrale Schnittstelle oder gibt es mehrere, Schnittstellen mit einer dynamischen Struktur?

Die Blockchain Technologie hat tatsächlich das Potenzial, politische und auch andere strukturelle Zentralisierung zu ersetzen. Die Teilnehmer profitieren nicht nur von den verbesserten Sicherheitsmechanismen, die die Blockchain Technologie anbietet. Dank des neuen Steuerungsmechanismus haben die Teilnehmer und nicht die Spitze des Systems die Macht über die Entscheidungen.

Ein dezentrales, vertrauensunabhängiges und staatenloses System bietet den Menschen die Möglichkeit, auf staatlichen Einfluss zu verzichten. Das ist besonders dann hilfreich, wenn dieser nicht zwingend notwendig ist.

Ein solches System kann Menschen, die teilweise aufgrund von willkürlichen Einstiegshürden keinen Zugriff auf die traditionellen Systeme haben, neue Chancen bieten.

Ein Bild von BeInCrypto.com.

Außerdem kann uns die Blockchain Technologie dabei helfen, zentralisierte Organisationen wie Twitter zu verbessern. Mithilfe der Blockchain kann nicht nur die Sicherheit und der Schutz der Privatsphäre auf Social Media Plattformen verbessert werden. Interessensgruppen, die wissen, wie man das System manipuliert, können nicht mehr ohne weiteres das Narrativ nach ihren Wünschen abändern.

Die Blockchain alleine wird natürlich nicht auf magische Weise alle gesellschaftlichen Missstände beseitigen. Sie gibt uns aber die Möglichkeit, die Gatekeeper oder Drittparteien aus den Entscheidungsprozessen auszuschließen und echte peer-to-peer Transaktionen durchzuführen. Dadurch können wir unsere Interessen und Bedürfnisse wesentlich besser untereinander koordinieren und sind in der Lage, selbstständig zu entscheiden.

Übersetzt von Maximilian M.

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Adrien ist der Gründer und CEO von METACO, einem führenden Anbieter sicherheitskritischer Infrastrukturen, die Finanzinstituten den Zugang zum Ökosystem digitaler Assets ermöglichen. Als Doktorand des Schweizerischen Finanzinstituts widmete er sich im Zuge seiner Doktorarbeit einer Hochfrequenzsprunganalyse des Bitcoin-Marktes. Er ist seit 2012 aktives Mitglied der Fintech-Community und hat zahlreiche Banken, Hedgefonds und Verbände im Distributed Ledger-Technologie beraten. Er hält Vorlesungen an der École Polytechnique de Fédérale de Lausanne und der Universität Lausanne über Kryptographie und die finanziellen Anwendungen der Blockchain und veröffentlichte bereits in führenden internationalen Fachzeitschriften.

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