Fälschen Krypto-Börsen ihr Handelsvolumen? Ein Forschungsbericht des Blockchain Research Lab legt nahe dass bis zu 98 % des Volumens von Ethereum (ETH) auf manchen Krypto-Börsen könnte künstlich erzeugt könnte.  Doch welchen Handelsplattformen kann man noch vertrauen?

Durch eine Analyse der Handelsbewegungen fanden die Forscher einen überraschend hohen Anteil an so genannten “Wash Trades”. Wash Trading tritt immer dann auf, wenn die gehandelten Währungen nicht den Besitzer wechseln, aber dennoch in das von den Börsen berichtete Handelsvolumen eingehen.

Das Paper teilt die Börsen in drei Gruppen ein. Einige gaben ihr Handelsvolumen ehrlich an, bei anderen fanden die Forscher Hinweise auf mögliches Wash Trading. Wiederum andere Börsen berichteten definitiv ein viel zu hohes Handelsvolumen.

Je höher das Handelsvolumen, desto höher werden die Börsen auf Seiten wie CoinGecko und CoinMarketCap gelistet. Dadurch erhalten die Börsen auch mehr Traffic. CoinMarketCap benutzt einen eigenen Algorithmus um die Validität und Verlässlichkeit des berichteten Handelsvolumen zu prüfen.

Die Handelsplattformen haben daher hohe Anreize, um ihr Handelsvolumen künstlich aufzublähen. Zu diesem Zweck können sie beispielsweise Fake-Accounts anlegen, welche untereinander Handelsbewegungen austauschen.

Ein Who is Who der Lügen

In die erste Kategorie der ehrlichen Krypto-Börsen fielen unter Anderem Bitfinex, Bitstamp, Bittrex, Kraken und Poloniex. In der zweiten Kategorie mit unschlüssigen Hinweisen auf Wash Trading finden sich Größen wie Binance und HitBTC, sowie kleinere, wenig etablierte Börsen wie KuCoin und YoBit.

Die Liste der dritten Kategorie von Börsen mit offensichtlich überhöhtem Volumen beinhaltet FCoin, Huobi und OKEx. Die Forscher verwendeten Daten von der ehrlichen Gruppe, um sie mit den Handelsvolumen der betrügerischen Börsen zu vergleichen.

Das Blockchain Research Lab griff dabei auf Indikatoren wie das berichtete Volumen, Kontobewegungen auf den Börsen, die Anzahl der Wallets und den Web-Traffic zurück, um zu schätzen, wie hoch der Anteil des Wash Tradings an dem berichteten Volumen ist. Sie verglichen die Handelsvolumen von BTC, ETH, XRP, USDT und USD.

Das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen in der ehrlichen Gruppe  lag bei rund 42 Mio. USD. Die zweite Gruppe verzeichnete ein weit höheres Handelsvolumen von 170 Mio. USD. Die manipulierten Börsen verzeichneten 490 Mio. USD.

CoinMarketCap zeigt verschiedene Confidence-Wertungen für die unterschiedlichen Börsen.

Das Verhältnis des Handelsvolumens zu den Aufrufzahlen der Börsen war in der dritten Gruppe 138 mal so hoch wie in der ersten Gruppe. In der zweiten Gruppe war das Verhältnis des ETH-Handelsvolumen zu den Kontoständen der Börsen stark erhöht.

Auf der Basis dieser Datenlage schätzen die Analysten das tatsächliche Handelsvolumen der untersuchten Börsen. Dieses lag bei den Börsen der Gruppen zwei und drei im Schnitt nur etwa halb so hoch wie das “offizielle” Handelsvolumen, welches die Börsen berichten.

Die Forscher schätzen darüberhinaus dass 96 bis 98 % des ETH-Volumens auf den Börsen mit gefälschten Berichten künstlich erzeugt wurde. Insgesamt legt die Analyse der Kontostände nahe dass 72 bis 97 % des gesamten Handelsvolumens gefälscht sein könnte.

Nicht der erste Hinweis auf gefälschtes Handelsvolumen

Die Analysten des Blockchain Research Lab sind nicht die ersten, die zu diesem Schluss kommen. Im Juli veröffentlichte CoinMetrics einen Forschungsbericht, in dem sie die Verlässlichkeit der berichteten Handelsvolumen untersuchen. Laut dem Bericht gaben nur etwa ein Dutzend Börsen ein korrektes Volumen an.

Im letzten Jahr schrieb das Forbes Magazine dass bis zu 95 % des BTC-Handelsvolumens auf Wash Trading zurückzuführen ist. Gavin Brown, Dozent bei der Manchester Metropolitan University sagte Forbes gegenüber:

Die meisten Krypto-Börsen sind unreguliert. Sie haben daher einen Anreiz, Handelsvolumen zu fälschen, ohne juristische Konsequenzen fürchten zu müssen.

Zusätzlich zu dem Wash Trading mit Bitcoin und Ether machen es Stablecoins sehr einfach, ein gefälschtes Volumen zu erzeugen, da sie relativ einfach hin- und herbewegt werden können. Zu allem Überfluss halten einige Handelsplattformen auch Trading-Wettbewerbe ab, bei dem Nutzer für das Erzeugen von Handelsvolumen belohnt werden.

Die Freiheit, Regulierungen umgehen zu können, birgt daher auch große Risiken für die Nutzer von Krypto-Börsen. Aufgrund des weit verbreiteten Wash Tradings müssen Nutzer ihre eigenen Nachforschungen anstellen, um eine vertrauenswürdige Handelsplattform zu finden.

Originalartikel von Harry Leeds. Aus dem Englischen übersetzt von Tobias W. Kaiser.