Der Parlamentspräsident des Iran widersprach am Sonntag den US-Behauptungen über den Einfluss auf den Energiemarkt. Er sagte, Teheran habe noch nicht alle Lieferoptionen genutzt, da die Ölexporte durch die Straße von Hormus weiterhin um 95% niedriger als üblich seien.
Mohammad Bagher Ghalibaf verglich die Lage mit einem Poker-Spiel, bei dem Angebot und Nachfrage als Spielkarten genutzt werden. Er machte sich über Washington lustig und betonte, dass die US-Nachfrage nach Benzin im Sommer die Preise im eigenen Land weiter steigen lasse.
Ghalibaf widerspricht US-Prahlen mit Rechnerei zu den Karten
Ghalibaf ist Hardliner und war Kommandant der Revolutionsgarden. Er spricht oft internationale Trader an. Seine jüngste Botschaft richtet sich an US-Vertreter, die ihren Energieeinfluss betonen.
Er stellte eine Bilanz auf: Angebotskarten gegen Nachfragekarten. Die iranische Seite umfasst die Straße von Hormus, Bab el-Mandeb und regionale Pipelines.
Laut Ghalibaf sei die Karte „Hormus” zum Teil ausgespielt. Bab el-Mandeb und die Pipelines blieben aber ungenutzt. Die USA hätten ihre Freigabe der Strategischen Ölreserve bereits eingesetzt und auch eine gewisse Nachfragerückgang hingenommen.
Sein abschließender, ironischer Hinweis war jedoch, dass die US-Bürger ihre Sommerferien nicht absagen werden. Die höheren Preise werden daher an den Tankstellen spürbar.
„Sie müssen die Sommerferien dazurechnen, es sei denn, die USA wollen darauf verzichten!”
Laut Ghalibaf zielt dieser Kommentar besonders auf die Spitzenzeiten beim Autofahren in den USA zwischen Mai und September ab.
Goldman Sachs bestätigt historischen Angebotsschock
Goldman Sachs-Daten zeigen das Ausmaß der Störungen. Die gesamten Ölexporte durch die Straße von Hormus sind um etwa 95% gegenüber dem Normalwert von rund 20 Millionen Barrel pro Tag eingebrochen.
Die Ölproduktion am Golf ist um etwa 14,5 Millionen Barrel pro Tag, also 57% im Vergleich zu den Zahlen vor dem Krieg, gesunken. Die verfügbare, freie Tankerkapazität in der Region hat sich halbiert und entspricht etwa 130 Millionen Barrel.
Allerdings weisen Analysten von Goldman darauf hin, dass eine Erholung von der Kapazität der Pipelines, den verfügbaren Tankern und der Fördermenge der Ölquellen abhängt.
Sie schätzen, dass nur 70% der verlorenen Liefermenge innerhalb von drei Monaten nach einer Öffnung zurückkehrt; nach sechs Monaten könnten es 88% sein.
Längere Sperrungen könnten jedoch zu Schäden an den Lagerstätten führen. Die vollständige Wiederherstellung könnte mehrere Quartale dauern.
US-Präsident Trump bewirbt US-Öl während die Belastung im Sommer anhält
Unterdessen weist US-Präsident Trump den Vorwurf zurück, Washington hätte keinen Einfluss. Seiner Meinung nach produziert die USA mehr Öl als Russland und Saudi-Arabien zusammen und importiert selten über die Straße von Hormus.
Trump hat China und europäische Käufer aufgefordert, ihre Bestellungen an US-Produzenten weiterzuleiten. Zudem rät er britischen Verbündeten, in der Nordsee zu bohren und verteidigt seine Agenda „Drill, Baby, Drill”.
Anders als bei früheren Krisen warnt er die US-Wähler, dass die Preise an den Zapfsäulen hoch bleiben und vor den Kongresswahlen im November steigen könnten.
Diese Aussage passt zu Ghalibafs Hinweis auf die Spitzenzeiten beim Benzinverbrauch. Der Brent-Ölpreis liegt weiterhin bei rund 100 USD pro Barrel. Die Märkte reagieren empfindlich auf mögliche weitere Eskalationen und Preissteigerungen.
Das Signal aus Teheran erfolgt, während sich die physische Angebotslage verhärtet. Ob der Iran seine verbleibenden Karten einsetzt oder aufhebt, wird den Benzinpreis für Autofahrer in den USA in den kommenden Wochen beeinflussen.
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