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Ist die Inflation überstanden oder droht auch den USA noch eine Rezession?

4 min
Von Bary Rahma
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IN KÜRZE

  • Die wirtschaftliche Lage 2023 spaltet die Analysten: Während einige eine Expansion voraussehen, glauben andere an eine tiefe Rezession der US-Wirtschaft.
  • Die aggressive Zinspolitik der FED spielt für den Ausgang dieser Situation eine zentrale Rolle.
  • Ökonomen raten Anleger:innen, eine langfristige Perspektive beizubehalten, sich auf hochwertige Aktien zu konzentrieren und Kryptowährungen zu meiden.
  • promo

Mit dem Aufkommen erster Gerüchte über eine mögliche US-Rezession nimmt die Nervosität an den Märkten zu. Aber droht die wirtschaftliche Dürre als Konsequenz der Inflation tatsächlich oder handelt es sich mal wieder um FUD?

“Ökonomen haben neun der letzten fünf Rezessionen vorhergesagt.”

Dieser Spruch beschreibt die aktuelle Situation wohl ziemlich passend. Dennoch, werfen mir einmal einen Blick auf die Meinungen einiger Finanzexperten.

Die US-Wirtschaft könnte in eine “Expansionsphase” eingetreten sein

Tom Lee, Wall Street Analyst bei Fundstrat Global Advisors, gehört der optimistischen Fraktion an. Seiner Meinung nach gerate die Wirtschaft gerade nicht in eine Rezession, sondern vielmehr in eine Expansionsphase.

Lees Argumente stützen sich auf verschiedene Faktoren: sinkende Rohstoffpreise, eine sich erholende Lieferkette und ein unbesiegbarer Arbeitsmarkt:

“Ich denke, aktuell sind alle Voraussetzungen erfüllt, um die letzten Gewinne zu übertreffen, und das, obgleich die meisten Anleger:innen sich aus dem Markt halten. Ich denke nicht, dass die Aktien überbewertet sind. Ich denke, Facebook, Amazon, Netflix und Google haben [die diesjährige Rallye] angeführt. Wenn wir in eine Expansion geraten, werden auch viele andere Namen davon profitieren.”

US-BIP Prognose
Prognose des US-Bruttoinlandprodukts | Quelle: Statista

Auch Jay Hatfield von Infrastructure Capital Management meint, die Inflation werde zurückgehen und es der Federal Reserve ermöglichen, die Zinserhöhungen zu beenden.

Zwar beschloss die FED erst diese Woche, die aktuellen Zinssätze beizubehalten, neue Prognosen lassen dennoch etwas anderes vermuten. Demnach könnte eine weitere Zinserhöhung um bis zu einem halben Prozent dieses Jahr noch durchaus erforderlich sein. In diesem Fall wäre der Bärenmarkt wohl noch nicht vorbei.

Hatfield hält dennoch an seiner Meinung fest. Die sinkende Inflation und der AI-Boom könnten die Aktien in Schwung halten und die Wirtschaftstätigkeit ankurbeln:

“Wir glauben, die FED wird gezwungen sein, vor ihrer ‘verfestigten’ Inflationstheorie zu kapitulieren, genauso wie sie vor ihrer ‘vorübergehenden’ Theorie kapitulierte. Schließlich bestätigen die Daten im Jahresvergleich, dass die Inflation sinkt.”

Währenddessen befürchten Anleihehändler und ein großer Teil der Finanzexperten, dass eine fortschreitende aggressive Zinserhöhung die Wirtschaft letztlich in eine Rezession führen könnte. Daher solle sich die Federal Reserve nicht ausschließlich auf die Inflationskontrolle konzentrieren.

Die Meinungen zur Inflation bleiben geteilt

Wie eine kürzlich durchgeführte Umfrage zeigte, ist die Angst vor einer baldigen Rezession immanent. Die meisten der Befragten sind davon überzeugt, dass die straffere Geldpolitik der FED im nächsten Jahr eine Rezession auslösen könnte. Michael Cudzil, Portfoliomanager bei Pacific Investment Management Co meinte:

“Die FED versuchte eindeutig, eine restriktive Botschaft zu senden und zu kommunizieren, dass sie Inflation noch nicht besiegt hat. Die Zinskurve flacht ab, währende die Zinssätze nicht das volle Ausmaß der Erhöhungen einpreisen. Daher gehen viele von einem baldigen Ende dieser Finanzpolitik aus.”

Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession
Wahrscheinlichkeit einer US-Rezssion | Quelle: Statista

Marktguru Jeremy Siegel unterstützt diese vorsichtige Einschätzung. Er warnt vor einer bevorstehenden Verlangsamung der Aktienmarktrallye und einer möglichen leichten Rezession.

Darüber hinaus hält Siegel das Aussetzen weiterer Zinserhöhungen für möglich, da es Druck aus der Politik gibt, eine tiefe Rezession zu verhindern:

“Die jüngste Rallye bedeutet nicht zwangsläufig das Ende des Bärenmarktes. Zwar habe ich das Gefühl, wir werden das Oktobertief halten, aber ich bleibe dennoch vorsichtig. Ich glaube nicht, dass wir hier den Beginn einer größeren Aufwärtsbewegung erleben.”

Allerdings verhält sich die Wirtschaft derzeit recht paradox. Die Furcht vor einer Rezession veranlasste 93 % der CEOs dazu, sich auf einen möglichen Abschwung vorzubereiten. Dennoch könnte die Wirtschaft weiterhin robuste Verbraucherausgaben, eine niedrige Arbeitslosigkeit und einen steigenden Aktienmarkt erleben.

Liz Ann Sonders, Chief Investment Strategist bei Charles Schwab sagte dazu:

“Zu behaupten, dies sei ein einzigartiger Zyklus, ist eine Feststellung des Offensichtlichen. Aber selbst für die Art dieses Zyklus gibt es keinen historischen Vergleich.”

Vertrauen von Unternehmensvorständen in US-Wirtschaft
Vertrauen von CEOs in die US-amerikanische Wirtschaft | Quelle: Conference Board

Wirtschaftswissenschaftler erklären diese Anomalie als “rollende Rezession” – ein Konzept, bei dem bestimmte Sektoren einen Abschwung erleben, während andere florieren. Ed Yardeni, Präsident von Yardeni Research, liefert dazu ein überzeugendes Argument:

“Wenn wir tatsächlich in eine Rezession kommen, wird es die am meisten erwartete Rezession aller Zeiten sein. Normalerweise überraschen Rezessionen jeden, während jeder in Geschäften feststeckt, die auf der Annahme von Wachstum in der absehbaren Zukunft basieren. Und dann bricht plötzlich der Boden unter ihnen weg.”

Dabei verwies er auf die außergewöhnliche Vorbereitung der Unternehmen auf einen Wirtschaftsabschwung. Dies könnte allerdings auch im mangelnden Vertrauen gegenüber der FED und der US-Wirtschaft begründet sein.

Wie wirkt sich die rückläufige Inflation auf die Märkte aus?

Für Anleger:innen stellt die aktuelle Situation eine Zwickmühle dar. Obwohl die Marktindizes einen Aufschwung verzeichnen, ist ein erheblicher Teil dieser Leistung auf einige wenige Unternehmen zurückzuführen. Diese verzerrte Marktentwicklung und die weit verbreitete Annahme künftiger Zinsanpassungen deuten auf potenzielle Volatilität hin.

Daher raten Experten, langfristig zu denken und sich auf hochwertige Aktien mit starken Bilanzen sowie Anleihen mit hoher Bonität zu konzentrieren. Der Schlüssel liegt darin, so zu investieren, dass die Portfolios möglichen Schwankungen standhalten. Was Kryptowährungen angeht, so meinen viele Finanzexperten, diese Vermögenswerte dienen nicht als Absicherung. Dan Raju, CEO von Tradier meinte dazu:

“Das letzte Jahr hat den bequemen Mythos von Kryptowährungen als Absicherung gegen eine Rezession entkräftet. Die Wahrheit ist, dass die Kurse dieser Vermögenswerte nachweislich von der gleichen Stimmung beeinflusst werden, die auch Aktienanleger beeinflusst.”

Kapitalisierung des Kryptomarktes
Gesamte Kryptomarktkapitalisierung | Quelle: Tradingview

Angesichts der divergierenden Expertenmeinungen und eines noch nie dagewesenen Wirtschaftsklimas ist jedoch weiterhin Vorsicht geboten. Es ist ratsam, die nötige Flexibilität beizubehalten, um auf alle Möglichkeiten reagieren zu können.

Doch unabhängig davon, ob wir in einer Rezession oder Expansion enden, die aktuelle Wirtschaftslage bestätigt eine uralte Weisheit:

“Das Glück begünstigt den vorbereiteten Geist.”

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Leonard Schellberg
Leonard Schellberg stieß im Jahr 2021 auf das Thema Kryptowährungen. Nachdem er sich ein fundiertes Wissen über den breiten Kryptomarkt angeeignet hatte, entwickelte er eine besondere Begeisterung für die Möglichkeiten der Distributed Ledger Technologie und Smart Contracts. Darüber hinaus hegt er ein großes Interesse für das globale Finanzsystem, Makroökonomie und Krypto-Trading. Noch während Leonard im Frühling 2022 seinen Bachelor in Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaften an der...
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