Die Krypto-Märkte erleben zurzeit einen Sturm. Dennoch sagt Tom Lee von Fundstrat, die Branche ist noch lange nicht am Ende.
Tom Lee hat diese Woche bei CNBCs The Exchange erklärt: Der jüngste Bitcoin-Rückgang um 50 Prozent ist kein Zeichen für ein strukturelles Problem, sondern eher ein „Krypto-Sturm“. Gründe sind mehr makroökonomische Schocks als Schwächen in den Blockchain-Netzwerken.
Tom Lee: Krypto erlebt „Sturm“, keinen Winter – Handelszölle erschüttern Märkte
Die Unruhe folgt auf eine Entscheidung des US Supreme Court, die einen Großteil der Notfallzölle von Präsident Trump aufgehoben hat. Diese Entscheidung hat anfangs zu einer positiven Stimmung an den Märkten geführt.
„Anleger sind allgemein erleichtert“, sagte Lee in einem Interview. „Dadurch werden die Macht des Präsidenten beschränkt und Aktien unterteilt: Einige Firmen sind von den Zöllen betroffen, andere bleiben verschont.“
Technologie, Software und Krypto haben die ursprünglichen Zölle kaum gespürt. Tom Lee meint, diese Bereiche könnten jetzt profitieren, weil die Unsicherheit kleiner wird.
Die Freude hielt aber nicht lange. Trump reagierte schnell und erhöhte alternative Zölle nach Abschnitt 122 des Handelsgesetzes auf 15 Prozent. Das sorgte für eine Flucht aus riskanten Anlagen.
Sichere Anlagen wie Gold und Silber stiegen stark: Gold übertraf 5.160 USD pro Unze, Silber erreichte fast 88 USD. Auch die Minenbetreiber für diese Metalle legten zu. Bitcoin hingegen fiel unter 65.000 USD, und der gesamte Krypto-Markt verlor innerhalb von 24 Stunden über 100 Mrd. USD.
Trotz der starken Schwankungen sagt Lee, von einem „Krypto-Winter“ zu sprechen, ist falsch. Ein Grund ist das starke Wachstum bei täglichen Ethereum-Transaktionen. Auch die Tokenisierung nimmt zu und an der Wall Street gibt es mehr Interesse.
„Krypto leidet vor allem, weil Gold im Moment so gut läuft und die Risikobereitschaft dorthin zieht“, stellte Lee fest. „Es gibt keine Hebel bei Krypto, und wer oft handeln will, geht zu Edelmetallen.“
Tom Lee: „Bitcoin-Kursrutsch um 50 Prozent ist nur ein Sturm, kein Crash“
Lee sagte auch: Immer wenn Bitcoin historisch rund 50 Prozent verloren hat (bisher siebenmal), folgten manchmal starke Bärenmärkte. Doch diesmal ist es anders: Der Rückgang ist langsamer und es ist eher ein psychisch anstrengendes Abwärtsdrücken als ein plötzlicher Absturz.
„Wir spüren gerade den typischen Bärenmarkt-Blues“, sagte er. „Die Hochs waren diesmal nicht euphorisch, deshalb gibt es langsame Rücksetzer und keine sofortigen 70-Prozent-Abstürze. Die Muster aus mittleren Jahren sprechen auch eher für Vorsicht als für schnelle Hoffnung.“
Auch die Geldpolitik könnte bald eine Rolle spielen. Wenn neue Zölle die Inflation senken und der Arbeitsmarkt schwächer wird, bekommt die Federal Reserve vielleicht Spielraum für Zinssenkungen. Das könnte zu einem besseren Umfeld für riskante Anlagen wie digitale Coins führen.
Laut Lee sorgen dieser Mix aus weltweiten Ereignissen und echtem Wachstum in der Nutzung dafür, dass Krypto trotz Schlagzeilen stabil bleiben kann.
Gold, Silber und klassische Aktien sind zwar jetzt gefragt, aber der Ausbau von Krypto, mehr Interesse von großen Investoren und die hohe Aktivität im Netzwerk können für eine Unterstützung sorgen.
„Das ist kein Zusammenbruch, sondern ein Sturm“, schloss Lee. „Wer genug Geduld hat und die vergangenen Zyklen versteht, bleibt bei Krypto weiterhin am Ball.“
In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob Krypto stabil bleibt, während klassische Anlagen die Folgen von Zöllen und Gerichtsentscheidungen verdauen müssen.
Laut Lee gelten die alten Krypto-Regeln bei Bärenmärkten nicht mehr vollumfänglich. Chancen könnten genau jetzt im Zentrum des Sturms liegen.