Mark Taylor, Manager für Finanzkriminalität bei CEX.IO – „Traditionelle Sicherheitsmaßnahmen sind für Krypto nicht mehr ausreichend“

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IN KÜRZE
  • Taylor über das Know Your Customer (KYC) Prinzip.

  • Und dessen Vor- und Nachteile.

  • Und darüber, wie Krypto nachhaltig sicherer werden kann.

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Das Trust Project ist ein internationales Konsortium von Nachrichtenorganisationen, die Standards für Transparenz entwickeln.

BeinCrypto im Interview mit Mark Taylor, dem Manager für Finanzkriminalität von CEX.IO. Ein Gespräch über das KYC-Prinzip (Know Your Customer), die Veränderung von Verschlüsselungsprotokollen sowie über neue Möglichkeiten, wie die globale Regulierung zukünftig aussehen könnte.

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Die Zeiten, in denen Kryptowährungen noch eine exotische Erscheinung waren, sind längst vorbei. Und der Anfang war holprig, in einer Welt, die vollständig den Regeln der Börse unterlag. Dazu kam das negative Image, dass der Krypto-Raum der perfekte Nährboden für virtuelle Kriminalität sei. Dadurch waren die Börsen gezwungen, ihre Verschlüsselungsprotokolle verbessern. Seitdem sind Trader und Unternehmen besser vor Betrug geschützt. Auch ist es ein Schutz für die Börse selbst, um nicht in illegale Machenschaften verwickelt zu werden. Die Herausforderung für internationale Kryptobörsen besteht heutzutage eher darin, dass die Verschlüsselungsprotokolle jeweils an die Vorschriften der einzelnen Länder angepasst werden müssen – was bürokratisch gesehen ein hoher Aufwand ist.

Das Know Your Customer (KYC) Prinzip

Die wohl bekannteste Sicherheitsmaßnahme auf Kryptomärkten ist das „Know Your Customer (KYC) Prinzip“, bei dem die Identität des Users erst überprüft wird, bevor er mit dem Trading beginnen kann. Wobei dies am Anfang, als Kryptowährungen noch in den Kinderschuhen steckten, nicht immer durchgeführt wurde. Doch mit der Zeit hatte es sich wie von selbst auf den Märkten manifestiert, wie wichtig solche Sicherheitsvorkehrungen sind. Das führte schließlich dazu, dass sich bestimmte Sicherheitsstandards durchsetzen, wodurch der Handel mit Kryptowährungen reibungsloser und unbürokratischer funktionierte.

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Laut Taylor unterscheiden sich Sicherheitsprotokolle bei Kryptowährungen nicht wesentlich von denen der traditionellen Finanzinstitute. Das liegt vor allem daran, dass die Krypto-Sicherheitsprotokolle – wie die im traditionellen Finanzwesen – von einer Aufsichtsbehörde genehmigt werden müssen. Taylor erklärt:

„Sieht man sich traditionelle Finanz-KYCs und Krypto-KYCs einmal genauer an, gibt es zwar Gemeinsamkeiten in der Technologie und Biometrie, doch in Bezug auf das KYC-Problem gibt es keinen gemeinsamen Nenner. Eine Lösung wäre, wenn die Aufsichtsbehörden mit der Kryptoindustrie, hinsichtlich Effektivität und Akzeptanz, besser übereinstimmen würden. Doch so weit sind wir noch nicht. Wobei ich es interessant finde, dass die Banken im E-Banking Schritt gehalten haben, insbesondere was die Verbesserung der technologischen Standards angeht.“

„Traditionelle Finanzdienstleister wollen bei dieser Entwicklung nicht leer ausgehen und nutzen deshalb dieselben Technologien wie Krypto, E-Geld und Open Banking.“

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Sicherheitslücken gibt es überall

Dennoch hat auch das beste Sicherheitssystem seine Lücken, wie Taylor bestätigt:

„Aktuelle KYC-Protokolle sind heute sicherer denn je. Doch trotz voranschreitender Technologie sind auch sie vor Cyberangriffen nicht sicher. Kriminelle sind immer auf der Suche nach Wegen Verschlüsselungsprotokolle zu hacken.“

Deshalb stuft der Head für Finanzkriminalität alte Verschlüsselungsprotokolle als gefährlich ein, da Kriminelle heute genau wissen, wie man diese Old-School-Techniken hackt.

„Digitale Angriffe gehören heute zu unserem Alltag. Und Verschlüsselungsprotokolle vom alten Stil sind der ideale Nährboden für kriminelle Machenschaften.“

„Was wir brauchen sind hochwirksame CDD-Prozesse (Due-Diligence-Prüfung) mit denen alle Aktivitäten der Kunden nachverfolgt werden können, sobald sie den Gatekeeper passiert haben. Das Risiko für Geldwäsche oder illegale Aktivitäten würde dadurch drastisch reduziert. Ebenfalls bekämen wir mehr Informationen über die Aktivitäten der Kunden, wodurch wir die CDD-Prozesse besser an ihre Bedürfnisse anpassen könnten.“

Die Anwendung traditioneller Sicherheitsmaßnahmen für die Kryptoindustrie stuft Taylor als „nicht optimal“ ein, auch wenn er einräumt, dass innerhalb der gesamten Branche einheitliche Standards notwendig sind. „Egal, ob es sich um den Kryptomarkt oder um eine andere Branche handelt: Althergebrachte Sicherheitsmethoden sind generell ein Risiko für Betrug. Es ist, als ob man Kriminellen und Geldwäschern ein Rätsel vorlegt, das sie bereits kennen und das für sie kinderleicht zu lösen ist.“ Doch trotz möglicher Schwachstellen, ist Taylor nach wie vor für die Setzung einheitlicher Standards innerhalb der Branche, gerade was die Einführung von CDD-Prozessen (Due-Diligence-Prüfung) angeht.

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Nachteile der KYC-Tools

Ein paar Nachteile hat KYC allerdings. Es werden nicht nur Kriminelle ausgesperrt, sondern auch Menschen, die einen Zugang bräuchten wie zum Beispiel Flüchtlinge und Staatenlose. Da diese keine Papiere haben, können sie sich auf einer Kryptobörse nicht ausweisen und erhalten deshalb keinen Zugang. Für Taylor liegt das Problem jedoch auf der Hand:

„Schaut man sich das Thema einmal genauer an, wird klar, dass die eigentliche Lösung im Tool selbst liegt. Der Zweck des KYC-Tools sollte deshalb sein, dass es über die Verifizierung der Identität einer Person hinausgeht.“

„Wenn Staatenlose und Flüchtlinge auf Kryptomärkten aktiv sein wollen, müssen sie die gleichen Kriterien erfüllen, wie alle anderen auch“, betont Taylor. So fordern es die Regulierungs- und die Strafverfolgungsbehörden. „Es muss sichergestellt sein, dass die Personen klar identifiziert werden können – sei es durch aktuelle KYC-Methoden oder neue KYC-Modelle“, so Taylor. In seltenen Fällen können Strafverfolgungsbehörden auch fordern, dass Kundeninformationen herausgegeben werden. Obwohl solche Fälle nicht oft vorkommen, müssen die KYC-Tools dafür gewappnet sein.

Aus diesem Grund sieht Taylor in der Arbeit der UNHCR, die sich gegen Staatenlosigkeit von Bürgern einsetzt, der Schlüssel zur Lösung des Problems: „Ich hoffe sehr, dass die UNHCR und ihre Partnerorganisationen in dieser Mission erfolgreich sind und die Staatenlosigkeit von Menschen langfristig beenden können. Für den Kryptomarkt bedeutet das einen gewinnbringenden Zuwachs für jene, die bisher vom System ausgeschlossen waren. Staatenlose und Flüchtlinge werden in die Gunst einer modernen Finanzwelt kommen, wobei ich finde, dass jeder Mensch ein Recht auf Zutritt haben sollte.“

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Imaginäre Technologien und Werkzeuge

Für Taylor steht die Entwicklung der KYC-Tools erst am Anfang.

„Wenn wir an die KYC-Tools der Zukunft denken, müssen wir unsere eigenen Grenzen der Vorstellungskraft und Technologie sprengen. Wachstum und Verbesserung in allen Funktionen – das wird die Richtung sein, in die sich diese Tools entwickeln werden.“

Für Taylor begrenzen die Regulierungsmaßnahmen der Behörden dieses Wachstum.

In der biometrischen Gesichtserkennungstechnologie sieht Taylor einen weiteren Meilenstein für die Zukunft: „Biometrische Aufenthalts- und Ausweisdokumente werden sich in Zukunft durchsetzen. Vielleicht wird es auch chemische, biologische Identifikationsmethoden (DNA) geben. Das wirft natürlich jede Menge Fragen auf. Wir müssen uns ernsthaft damit auseinandersetzen, ob zentrale Datenbanken – die Informationen über das Erbgut jedes einzelnen Menschen enthalten – ethnisch und moralisch vertretbar sind. Das Recht auf Freiheit und Privatsphäre sollte dabei nicht auf der Strecke bleiben.“

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Globale KYC-Standards stehen noch zur Debatte

Während Taylor bei den KYC-Standards klare Verbesserungen sieht, schwindet seine Hoffnung beim Thema globale Sicherheitsvorschriften auf Finanzmärkten:

„Der schwierigste Part im internationalen Finanzgeschäft ist, dass es weltweit unterschiedliche Regelungen gibt. Im Grunde ähneln sich diese Regeln jedoch, da die Regierungen bemüht sind, das Risiko für Missbrauch und Geldwäscherei zu minimieren sowie um Kunden und Unternehmen vor Verlusten und Cyberangriffen zu schützen.“

Eine Lösung sieht Taylor in der Vereinheitlichung der KYC-Standards: „Würde man sich weltweit auf einheitliche KYC-Standards einigen, würde dies das Spiel drastisch ändern. Insbesondere Unternehmen, die derzeit noch stark reguliert werden, könnten beim Thema Kostensenkung, Effizienz und Kundenservice profitieren.“

Taylor glaubt jedoch nicht, dass dies so schnell passieren wird:

„Im Moment ist es noch unvorstellbar, dass die Regierungen dieser Welt zusammenkommen werden, um gemeinsame Regelungen zu schaffen, die auf allen Kryptomärkten weltweit gelten.“

Danke, Mark Tylor!

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Nachdem sie im Nachrichten- und Lifestyle-Journalismus gearbeitet hatte, beschloss Leila, ihr Interesse an Kryptowährungen und Blockchain in ihren Job zu bringen. Sie leitet jetzt den Feature and Opinions Desk bei BeinCrypto, der perfekt zu ihrer Begeisterung für die sozialen und politischen Auswirkungen von Crypto passt.

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