Die MiCA-Übergangsfrist und die letzte Frist sind abgelaufen, daher gibt es nun einen klaren Wandel für den europäischen Krypto-Markt. Nur Anbieter mit einer gültigen Lizenz nach der EU-Verordnung über Märkte für Krypto-Assets (MiCA) dürfen jetzt rechtlich Dienstleistungen im Europäischen Wirtschaftsraum anbieten.
Die Erleichterung, durch die unlizensierte Anbieter von Krypto-Dienstleistungen weiterhin aktiv sein konnten, ist jetzt vorbei. In den Wochen vor Ablauf der Frist veröffentlichte die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) eine letzte Warnung an nicht autorisierte Unternehmen und forderte diese auf, ihre Aktivitäten im EWR vor Ablauf der Frist zu beenden.
Einheitliches EU-Regelwerk ersetzt 27 Märkte
Erstmals gilt ein harmonisiertes regulatorisches Rahmenwerk für Anbieter von Krypto-Asset-Dienstleistungen in Europa. Aufgrund des Passporting-Prinzips von MiCA, ist eine Lizenz, die in einem EU-Mitgliedstaat erworben wurde, in der gesamten EU gültig.
Dadurch entfällt das Nebeneinander verschiedener nationaler Vorschriften, das bislang für jedes Land eigene Compliance-Anforderungen stellte.
Für institutionelle Investoren ist diese Klarheit sehr wichtig. Wegen regulatorischer Unsicherheiten haben zahlreiche Banken und Vermögensverwalter bisher keine digitalen Vermögenswerte angeboten.
MiCA setzt nun klare Vorgaben zu Verwahrung, Governance und Kapitalanforderungen, sodass traditionelle Finanzinstitute verlässlich planen können.
Simon Schneider, CEO von Sygnum Europe, beschreibt das Ende der Übergangsperiode als entscheidenden Moment für die Wettbewerbssituation:
„Das Ende der Übergangsfrist ist ein Schlüsselereignis: Der Markt wird sich zunehmend um regulierte Anbieter konsolidieren, die nicht nur in Bezug auf Betriebserfahrung und regulatorische Einhaltung, sondern auch bei innovativen Produkten und Dienstleistungen Maßstäbe setzen. Bankübliche Vertrauenswürdigkeit wird durch MiCA zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil.”
Marktkonsolidierung hat bereits begonnen
Die Marktbereinigung findet bereits statt. Bybit hat seine Plattform für EWR-Nutzer eingeschränkt, ebenso hat Binance seine Europapräsenz reduziert.
Auf der anderen Seite hat Coinbase ein MiCA-Zentrum in Luxemburg eröffnet, das alle 27 EU-Staaten abdeckt, und Ripple hat eine vorläufige CASP-Lizenz in Luxemburg erhalten. Euro-Stablecoins verzeichnen Rekordstände unter MiCA, was darauf hindeutet, dass regulatorische Klarheit Kapital anzieht.
Für regulierte Anbieter mit bestehender Lizenz und betrieblicher Infrastruktur eröffnen sich in diesem neuen Umfeld große Wachstumschancen.
Mehr als 5.000 Banken in Europa haben bisher keine Dienstleistungen für digitale Vermögenswerte angeboten, meist wegen der hohen Kosten und Komplexität für einen sicheren Aufbau der nötigen Infrastruktur.
Durch die Klarheit, die MiCA schafft, sieht die Situation nun anders aus. Für viele dürfte der realistische Weg über bereits etablierte, regulierte Partner führen, statt selbst von Anfang an alles aufzubauen.
Schneider betrachtet dies als grundlegende Veränderung im Zusammenspiel zwischen Vertrauen und Marktzugang:
„Während traditionelle und digitale Finanzwelt immer mehr zusammenwachsen, bleibt Vertrauen die wichtigste Währung Europas. Der direkte Zugang zum europäischen Markt, unterstützt durch unsere globale Banking-Plattform, wird uns helfen, die vertrauenswürdigen und sicheren Dienstleistungen von Sygnum mehr Kunden in Europa zugänglich zu machen”, sagte der CEO von Sygnum Europe.
Ob MiCA tatsächlich die erwartete Dynamik für den Einstieg institutioneller Investoren in die Kryptowährung bringt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Dies gilt besonders, da MiCA-konforme Aktien das Interesse von Investoren wecken und Banken entscheiden müssen, ob sie selbst aufbauen, Partnerschaften eingehen oder ganz außen vor bleiben.









