SWIFTs Blockchain-basiertes gemeinsames Ledger wird jetzt nicht mehr nur getestet, sondern auch im Echtbetrieb eingesetzt.
Siebzehn große Banken bereiten sich darauf vor, echte Transaktionen mit tokenisierten Einlagen abzuwickeln, allerdings nutzt das System weiterhin SWIFTs ältere Infrastruktur, um jede Überweisung abzuschließen.
Citi, HSBC, UBS und 14 weitere Banken auf sechs Kontinenten führen Pilot-Überweisungen durch. Die tokenisierten Überweisungen beschleunigen den Liquiditätsfluss, aber die endgültige Abwicklung erfolgt weiterhin über die bestehenden Korrespondenzbanken von SWIFT.
Banken bereiten Pilotprojekte für tokenisierte Einlagen vor
Das gemeinsame Ledger dient als Koordinationsschicht, ersetzt jedoch nicht die Abwicklung. Die Banken geben die tokenisierten Einlagen in ihren eigenen Systemen aus. Sie nutzen SWIFTs Infrastruktur, um Gelder rund um die Uhr – auch nachts und am Wochenende – für ihre Kunden zu übertragen. Allerdings wird das zugrundeliegende Geld erst dann endgültig, wenn es das traditionelle Nachrichtensystem von SWIFT durchlaufen hat.
Die Bedeutung erklärt, warum die Banken nun aktiv werden. Laut J.P. Morgan könnten die grenzüberschreitenden Zahlungsvolumen von 194,6 Billionen USD im Jahr 2024 auf 320 Billionen USD bis 2032 steigen. Dieses Wachstum muss das bestehende SWIFT-Netzwerk verteidigen. Gleichzeitig haben die Banken deshalb einen Anreiz, schnellere Systeme zu testen, bevor Wettbewerber aufholen.
HSBC und Standard Chartered heben als wichtigste Vorteile des Pilotprojekts für Unternehmenskunden hervor, dass Liquidität schneller sichtbar wird und weniger Verzögerungen bei der Abstimmung entstehen.
Zugangsbegrenzte Architektur stößt auf Kritik
SWIFT hat das Ledger auf Linea aufgebaut, einer Ethereum Layer-2-Blockchain von ConsenSys. Das Design verwendet ein EVM-kompatibles Modell auf Basis von Hyperledger Besu, aber der Zugang bleibt vollständig zugangsbegrenzt. Nur das Bankenkonsortium entscheidet, wer auf dem Ledger Transaktionen durchführen darf.
Diese geschlossene Struktur steht im Widerspruch zu früherer SWIFT-Kritik an öffentlichen Blockchains wie dem XRP Ledger, denen SWIFT-Führungskräfte beim Vertrauen in Validierer skeptisch gegenüberstehen. SWIFTs Ledger umgeht diese Debatte, indem die Kontrolle in nur einem Konsortium bleibt und nicht auf unabhängige Validierer verteilt wird.
SWIFT hat in der Entwicklungsphase des Designs mehr als 30 Banken, darunter auch JPMorgan und Deutsche Bank, einbezogen. Die Auswahl wurde auf aktuell 17 Banken reduziert, die jetzt beim Pilotprojekt dabei sind. BeInCrypto hat den Fortschritt des Ledgers bereits im März verfolgt.
Reichweite bleibt hinter Stablecoin-Wettbewerbern zurück
SWIFT verbindet mehr als 11.500 Institute, doch das Pilotprojekt mit 17 Banken macht nur einen kleinen Teil dieses Netzwerks aus. Öffentliche Stablecoin-Systeme ermöglichen hingegen rund um die Uhr Überweisungen, ohne dass ein Bankenkonsortium eigene Infrastruktur bauen muss.
Coinbase hat über Nium sein Stablecoin-Zahlungsangebot bereits erweitert. MoneyGram hat eine Dollar-Stablecoin-Option auf Stellar gestartet. Beide Systeme werden bereits genutzt, während SWIFTs Ledger weiterhin als kontrollierter Pilot läuft.
Der dirham-gestützte Stablecoin aus den VAE wird seit diesem Monat an Börsen gehandelt. Institute sehen tokenisierte Anleihen und Aktien zunehmend als wichtige nächste Produktlinie, was zeigt, dass konkurrierende Systeme nicht auf SWIFTs Zeitplan warten.
SWIFT hat weiterhin Vorteile beim Vertrauen und globaler Reichweite, die neuere Systeme noch nicht erreichen. Dennoch hängt der kurzfristige Einfluss des Ledgers davon ab, wie schnell aus dem Pilotprojekt mit 17 Banken tägliche Transaktionen werden, nicht allein von der offiziellen Ankündigung.









