Bitcoin-ATMs sind in Deutschland Mangelware. Das liegt vor allem an der strengen Regulierung. Dabei sind die Automaten ein entscheidender Baustein im Hinblick auf die Akzeptant der Kryptowährung. Was läuft hier schief?

Das Kapitel Bitcoin-Automaten in Deutschland hat im August ein jähes Ende genommen. Nachdem die zuständige Behörde, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bereits im März klargestellt hat, dass der Betrieb von Bitcoin-Geldautomaten genehmigungspflichtig ist, hat sie nun begonnen, alle vorhandenen ATMs abzuschalten. Damit ist seit August dieses Jahres kein einziger Bitcoin-ATM hierzulande mehr in Betrieb.

Aus für Shitcoins-ATMs

Für großes Aufsehen sorgte die Behörde ferner mit Bestrebungen gegen Adam Gramowski. Der polnische Unternehmer ist Gründer von shitcoins.club und war bis dato Betreiber eines Großteils der deutschen ATMs. Bereits im März dieses Jahres ordnete die BaFin jedoch die Einstellung der Dienste an. Nachdem Gramowski der Verfügung zunächst nicht nachgekommen war, machte die BaFin Gebrauch von ihren Kompetenzen und begann, die Bitcoin-Maschinen selbstständig zu versiegeln.

Wer einen Blick auf coinatmradar.com wirft, den erwartet seither eine Deutschland-Karte mit gähnender Leere im Hinblick auf die Verteilung der ATMs hierzulande.

Lagebild der Verteilung von Bitcoin-ATMs. Deutschland ist Schlusslicht. Quelle: coinatmradar.com.

Währenddessen sieht es bei unseren Nachbarn ganz anders aus. Coinatmradar.com zählt in der Schweiz 134 Stück, in Österreich sind es sogar 153 ATMs. Was läuft dort anders?

Der Teufel liegt, wie so oft, im Detail. Genauer gesagt hängt das Wohl und Wehe der Bitcoin-ATMs von den jeweiligen Finanzaufsichten ab. Während die  Österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) dem größten Betreiber von Bitcoin-Automaten im Land bereits im Februar grünes Licht gegeben hat, scheint der deutsche Zielmarkt ungleich strenger reguliert zu sein. Grund sind verschiedene Auslegungen der AML5-Richtlinien, die die EU-Mitgliedsländer bis Januar 2020 umzusetzen hatten.

Die deutsche Rechtspraxis fordert seither eine Lizenz im Sinne des Eigenhandels nach dem Kreditwesengesetz oder eine Banklizenz für den Betrieb von Bitcoin-ATMs ein. Im Klartext bedeutet dies, dass nur Unternehmen mit Banklizenz Bitcoin-Automaten aufstellen dürfen; die Hürden dafür sind hoch.

Im Osten was Neues

In Österreich ist die Lage ganz anders.

„Mangels Emittenten unterliegen Bitcoins nicht der Aufsicht der FMA. Der reine An- und Verkauf von Bitcoins über einen Bitcoin Automaten ist daher grundsätzlich nicht konzessionspflichtig“, heißt es vonseiten der FMA. Zwar erfordert das Leeren der Automaten eine Genehmigung. An diese scheinen aber weniger große Hürden geknüpft zu sein, als hierzulande. Anders ist es nicht zu erklären, wieso alleine Betreiber Kurant 104 Automaten in Österreich, bisher aber keinen einzigen in Deutschland aufstellen konnte.

Logisch, einheitliche Regulierung ist wichtig, um ein faires Marktumfeld zu schaffen. Der Vorwurf, die BaFin schieße hier übers Ziel hinaus, ist allerdings nicht ganz von der Hand zu weisen.

Wieso wir mehr Bitcoin-Automaten brauchen

Dabei sind Bitcoin-Automaten für die Verbreitung von Bitcoin ungemein wichtig. Denn selbst 10 Jahre nach dem Genesis-Block erfordert der Erwerb von Bitcoin recht umfangreiche Kenntnisse über Exchanges sowie die sichere Verwahrung von BTC. Nachvollziehbar, dass die Kryptowährung so noch keine breite Akzeptanz finden konnte. Bitcoin-Automaten hingegen sind leicht zu bedienen. Euroschein rein, QR-Code gescannt und fertig ist die Transaktion. Zudem geht der Tausch instantan. Wer online BTC kaufen will, muss zunächst Geld auf den Exchange-Account schicken – bis die Euros dort gutgeschrieben sind, dauert es mitunter Tage.

Ein wohl noch wichtigerer Aspekt von Bitcoin-ATMs ist die Präsenz, die sie schaffen. BTC spielt im Alltag der allermeisten Menschen keine Rolle und mit wenigen Ausnahmen (meist wenn der Kurs abstürzt) berichten kaum Medien über die Kryptowährung. Stünde in jeder Mall ein Bitcoin-Wechselautomat, wäre der öffentlichen Präsenz ein großer Dienst erwiesen.

Es wird also höchste Zeit, dass sich Unternehmen durch den regulatorischen Dschungel pirschen; es dürfte sich lohnen.